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Der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich ruft zur Videoproduktion zum Thema Datenschutz und Privatsphäre auf. screenshot: youtube 

Die digitale Gesellschaft ist Segen und Fluch zugleich: Das sind die 5 grössten Gefahren

Der Zürcher Datenschützer macht fünf Risiken aus, die uns im Netz bedrohen. Über Datenschutz werde ausgerechnet in den sozialen Medien viel zu wenig diskutiert. Das soll sich nun ändern.



«Ich habe nichts zu verbergen, also muss ich meine E-Mails nicht verschlüsseln.»

«Ich habe nichts zu verbergen, also brauche ich für Facebook und Co. kein sicheres Passwort.»

«Ich habe nichts zu verbergen, also ist es mir egal, welche Daten Apps, Firmen oder der Staat über mich sammeln, wenn ich das Handy und Internet nutze.»

Solche Sätze fallen immer wieder, wenn das Gespräch aufs Thema Datenschutz kommt. Man hört sie im Bekanntenkreis, in den Kommentarspalten von watson und nicht zuletzt in den sozialen Medien. Natürlich ist das Argument «Ich habe nichts zu verbergen» Blödsinn. Jeder hat etwas zu verbergen. Jeder will seine Privatsphäre. Und jeder wäre empört, wenn er realisiert, dass jemand sein Schlafzimmer über das Mikrofon im Smartphone oder die Webcam am Laptop bzw. Smart-TV ausspioniert.

Jeder wäre schockiert, wenn er realisierte, dass Hacker den PC mit allen Daten verschlüsselt haben, nur weil man das Sicherheits-Update nicht installiert hat.

Und jeder wäre fassungslos, wenn er realisiert, dass jemand sein E-Mail-, Facebook- oder Snapchat-Profil gehackt hat und nun seine Identität klaut. Der Hacker und IT-Experte Marc Ruef hat die bei uns massiv unterschätzte Problematik in einem Interview mit watson auf den Punkt gebracht: 

«Wenn ich eine andere Identität vortäuschen kann, kann ich in das Leben einer fremden Person eindringen und dieses übernehmen. Dies kann bei kleinen, unscheinbaren Dingen wie der Einsicht in die gesammelten Cumulus-Punkte anfangen. Und enden kann es damit, dass ich die komplette Kontrolle über Daten und Repräsentation der Person habe. Dadurch lassen sich buchstäblich Karrieren und Leben zerstören.»

Marc Ruef, IT-Sicherheitsexperte

Die fünf grössten Risiken im Netz aus Sicht des Datenschützers

Bruno Baeriswyl ist der oberste Datenschützer des Kantons Zürich. Aus seiner Erfahrung sind dies die grössten Gefahren, die im digitalen Alltag lauern:

1. «Man ist sich zu wenig bewusst, dass das Internet nichts vergisst. Was einmal im Internet ist, bleibt für immer auffindbar. Und was zu einem gewissen Zeitpunkt witzig erschien, kann in einem anderen Zusammenhang gefährlich werden. Sexting ist da ein Beispiel, aber auch andere Posts können etwa bei einer Bewerbung zu einem Problem werden.»

2. «Schwache Passwörter, mangelnde Updates, unvorsichtiger Umgang mit den eigenen Daten etc. machen Hacking und Datenklau zum Kinderspiel.»

3. «Phishing und Identitätsklau werden durch Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft erleichtert.»

4. «Mit Fake News werden wir manipuliert und unkritisches Verhalten gegenüber Informationen aus dem Internet verstärken die Gefahr und Wirkung des Cybermobbings.»

5. «Wir können nicht mehr richtig abschalten. Die digitale Welt und die reale Welt sind nicht identisch.»

So paradox es anmutet, Menschen schützen ihre Häuser mit Alarmanlagen, ihre Haut mit Sonnencreme und beim kleinsten Husten geht's zum Arzt. Doch im digitalen Alltag gilt das Prinzip Hoffnung: Ein Passwort für alles? Wird schon gut gehen. Das System-Update auf später verschieben? Kann ja nicht so wichtig sein. Intime Fotos per WhatsApp senden? Er/sie wird es garantiert niemandem weiterschicken.

Warum Datenschutz wichtig ist in unter einer Minute erklärt

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2016 hat Lea Senn mit diesem witzigen Video den Zürcher Datenschutz-Wettbewerb gewonnen. Video: YouTube/Datenschutzbeauftragter Kanton Zürich

Cyber-Attacken sind keine theoretische Bedrohung, sondern Alltag

Der Schutz persönlicher Daten ist in der digitalen Welt von heute ein Muss. Das hat auch der Datenschutzbeauftragte des Kantons Zürich erkannt. Er ruft deshalb YouTuber auf, kreative Videos wie Max schützt sich zu produzieren.

Der Gedanke dahinter: Wenn YouTuber den Datenschutz thematisieren, ist das weit authentischer, als wenn eine PR-Firma im Auftrag des Kantons ein weiteres Präventions-Video dreht. Die Hoffnung des Datenschützers: YouTuber greifen das komplexe Thema so auf, dass es andere Jugendliche interessiert und in den sozialen Medien zum Thema wird.

Bestes Beispiel dafür ist das Video von Adam Keel, der bei der ersten Ausgabe des YouTube-Datenschutz-Wettbewerbs vor einem Jahr den dritten Rang erreichte.

Adam Keel fragt Wildfremde: «Darf ich Sie eine Woche lang per GPS überwachen? Nein? Warum darf es dann Facebook?»

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Adam Keel bringt Passanten in Erklärungsnot. Das Video erreichte 2016 Platz 3 beim Datenschutz-Wettbewerb. Video: YouTube/Datenschutzbeauftragter Kanton Zürich

Keel zeigte auf, wie widersprüchlich Personen mit ihren persönlichen Informationen umgehen. Sie vertrauen Firmen wie Facebook und Google Dinge an, die sie selbst vor ihren Freundinnen und Freunden geheim halten möchten.

So kannst du beim «YouTube-Datenschutz-Wettbewerb 2017» mitmachen

Bei der diesjährigen Ausgabe des YouTube-Datenschutz-Wettbewerbs geht es unter anderem um das Thema «Identity Hack – was geschieht, wenn meine Identität geklaut wird?».

Für den diesjährigen Wettbewerb stehen zwei Themen zur Auswahl:

abspielen

Adam Keel ruft die YouTuber zum Datenschutz-Video-Contest 2017 auf. Video: YouTube/Datenschutzbeauftragter Kanton Zürich

«Wie das Video genau aussieht und wie es gemacht ist, ist dir überlassen», sagt Keel, der bei der ersten Ausgabe des YouTube-Datenschutz-Wettbewerbs den dritten Rang erreichte. Vom persönlichen Statement, über ein Interview oder eine Video-Erzählung bis hin zum Trickfilm ist alles erlaubt und erwünscht.

Das Video muss bis spätestens 30. August 2017 eingereicht werden.

Zum Schluss noch dies: NSA-Enthüller Edward Snowden hat die perfekte Antwort für alle, wenn mal wieder jemand meint, Privatsphäre sei ihm egal, da er nichts zu verbergen habe.

Edward Snowden erklärt in einem Satz, warum das Argument «Ich hab nichts zu verbergen» Blödsinn ist.

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bild: via netzpolitik

Apple und Google, aber auch Swisscom und Sunrise verfolgen uns auf Schritt und Tritt

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Video: watson/SDA SRF

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Schönbächler 05.07.2017 22:15
    Highlight Highlight Jeder macht einer auf meine Privaten Infos sind wichtig und müssen geschützt werden. Aber das sind sie im Normalfall nicht. Es ist die Menge die es für Grossunternehmen ausmacht. Und aus der Menge heraus interessiert niemanden ob Jetzt Herr Bla Bla und Frau etc.... sonder die Gruppierung und Unterteilung um eben Werte daraus lesen zu können sind die entscheidenen Faktoren. Die nicht nur für Forschungen wichtig sind sondern auch für die Zukünftige Entwicklung neuer Technologien.
  • Schönbächler 05.07.2017 22:07
    Highlight Highlight Datenschutz und Informationssicherheit "wäre" überbewertet, wenn es niemanden interessieren würde.
    Mal im ernst jetzt. Einer Firma meine Information anzuvertrauen(die übrigens selbst verwaltet und geschützt werden können) dafür das ich einen Dienst nutzen darf den mich mit anderen Freunden auf der Welt vernetzt und ich mit denen "quasi" gratis Kommunizieren kann ist nicht das gleiche wie wenn eine Wildfremde Person auf der Strasse mich fragt ob er mich eine Woche lang verfolgen darf und mir aber nicht als Gegenzug leistet.
  • Mätse 30.06.2017 09:30
    Highlight Highlight "... muss ich meine E-Mails nicht verschlüsseln"
    Es ist wirklich unglaublich, dass heute 99% der Mails immer noch unverschlüsselt übermittelt werden!
    Es gibt gute techn. Ansätze, sind aber leider alle nicht praxistauglich. Irgendwo sind bei jeder Lösung die Einschränkungen zu hoch (Zugriff von Web / Handy geht nicht oder ist techn. zu komplex für Freunde, Bekannte, ...).
    Wer hat eine gute Lösung?
    • Madison Pierce 30.06.2017 10:24
      Highlight Highlight Wie Du schreibst ist es nicht einfach, vor allem der Schlüsselaustausch ist ein Problem.

      Es gibt Mailserver, die vor dem Versand prüfen, ob der Empfänger GnuPG verwendet und dann damit verschlüsselt. Ist ein S/MIME-Zertifikat vorhanden, wird dieses verwendet usw. Als letzte Möglichkeit bekommt der Empfänger einen Link auf ein sicheres Webmail, wo er die Nachricht lesen kann. Das Passwort muss man ihm dann aber separat durchgeben...

      In Firmen kommen noch Hürden bezüglich Datensicherung und Archivierung dazu.

      Warte auch noch auf eine praxistaugliche Lösung.
  • Wolkensprung 30.06.2017 09:29
    Highlight Highlight Danke, dass Ihr auf Watson immer wieder das Thema Datenschutz aufgreift! Mich würde interessieren, wie viele Klicks Ihr damit generiert - ich vermute mal, dass sich nur wenige User dafür interessieren, was die These im Artikel stützen würde... :P
    • Oliver Wietlisbach 30.06.2017 13:37
      Highlight Highlight Ich kann keine genauen Zahlen nennen. Nur so viel: Das Thema Datenschutz interessiert in der Regel eher mässig. Richtig gut gelesen werden die Artikel nur, wenn z.B. wegen einer Sicherheitslücke eine akute Bedrohung für Handy- oder PC-Nutzer besteht.
    • α Virginis 30.06.2017 21:43
      Highlight Highlight @Wolki und Oliver: Da kann ich Euch nur Recht geben. Nach ca. 35 Jahren Erfahrung in der Informatik, insbesondere Sicherung und Validierung ganzer Netzwerke für grosse Unternehmen (Pharma,Bank, Versicherungen) kann ich nur eines feststellen: die grösste Sicherheitslücke ist und bleibt der Mensch, da er seine eigene Realität selektiv definiert, so je nach Wetter und Laune. Datenschutz? Nicht preisgegen persönlicher Daten/Bilder etc? Ist doch was für Feiglinge! Genauso wie ein vernünftiges Backup!! Ich sehe das mit Humor, der Mensch wird immer ein verspieltes Kind bleiben ;)
  • Anno1893 30.06.2017 09:19
    Highlight Highlight Und wenn man diese Verfolgung nicht will, kann man Facebook usw. nicht mehr brauchen und gehört nicht mehr dazu(und bekommt gewisse Dinge schlicht und einfach nicht mit)
    • Madison Pierce 30.06.2017 09:29
      Highlight Highlight So schlimm ist es nicht. Ich lebe zum Beispiel ganz gut ohne Facebook und WhatsApp. Es gibt ja noch Mail, SMS und Telefon.

      Aber es stimmt schon, ganz kommt man von der Datensammelei nicht weg: das Smartphone möchte ich nicht missen und viele Google-Dienste sind auch fast alternativlos.

      Und ein ganz leises Räuspern geht in Richtung Webabteilung von watson (siehe Bild).
      Benutzer Bild
    • CableTiger 30.06.2017 10:13
      Highlight Highlight @Anno Nur weil du kein Facebook, Google etc. benützt heisst es leider noch lange nicht, dass du nicht verfolgt wirst.

      (Mit Hilfe von VPNs oder Anonymisierungsdienste dem vorgebeugt werden)
    • Pedro Salami 30.06.2017 11:13
      Highlight Highlight Anno1893: Was bekommt man nicht mit? Von all den Informationen, welche sind für einen wirklich relevant? Anders gesagt, meint ein Freund/Bekannter ich müsse was wissen, dann werde ich dies auch erfahren. Dazu braucht man garantiert kein Fb.
      Dies zum privaten Bereich. Dann gibt es noch öffentliche Anlässe, Informationen etc. Ich lese Zeitungen. So erfahre ich einen Teil der für mich wesentlichen Informationen.
      Für mich passt es so. Ich vermisse nichts, jedenfalls ziemlich sicher nichts was mir Fb etc. liefern könnte. Auf deutsch: Es ist mir scheissegal welche Schminke xy am Morgen aufträgt.

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