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Apple läuft wie eine gut geölte Gelddruckmaschine – nicht zuletzt dank Billigarbeitern in China.
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Think Different, Apple!

17 Dinge, die Apple tun könnte, um wieder sympathisch zu sein

Apple gelangte mit vier fragwürdigen Geschäftsmethoden zu seinen Milliarden. Wir haben ein paar Vorschläge, wie die Kalifornier ihr Image verbessern können.
01.02.2015, 08:20

Auf der einen Seite steht Foxconn: Der Gigant aus Taiwan. Über 1,2 Millionen Angestellte. Ein Arbeiterheer produziert im Akkord Gadgets für Sony, Microsoft, Nintendo und weitere bekannte Marken. Der mit Abstand grösste Auftraggeber heisst Apple. Auch Samsung, Nokia und wie sie alle heissen lassen ihre Geräte günstig bei Foxconn in China produzieren, statt eigene Fabriken zu betreiben. 

Hunderttausende chinesische Wanderarbeiter stehen so auf der Lohnliste von Foxconn, arbeiten aber eigentlich für die grossen Techkonzerne aus den USA, Europa oder Japan. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wenn Foxconn die Arbeiter ausbeutet und nicht die eigenen Tochterfirmen, können sich Apple, Samsung oder Microsoft aus der Verantwortung stehlen. 

Bereits das iPhone 5S wurde von 300'000 Foxconn-Angestellten zusammengebaut. Für das neue iPhone braucht es wohl noch mehr fleissige Hände. 400'000 iPhone 6 und 140'000 iPhone 6 Plus muss Foxconn täglich liefern. Den Druck, den Apple auf Foxconn ausübt, gibt das Unternehmen an seine Mitarbeiter weiter. Die Arbeitsbedingungen in den Megafabriken sind irgendwas zwischen fragwürdig und unethisch: Sprechverbote am Arbeitsplatz, festgelegte Zeiten für den Toilettengang, Minimallöhne, Überstunden und so weiter und so fort.

Sie verdient rund 250 Franken pro Monat. Das iPhone, das sie baut,&nbsp;<a href="http://www.apple.com/pr/library/2014/09/30iPhone-6-iPhone-6-Plus-Available-in-China-on-Friday-October-17.html" target="_blank">kostet in China über 800 Franken</a>.
Sie verdient rund 250 Franken pro Monat. Das iPhone, das sie baut, kostet in China über 800 Franken.

Auf der anderen Seite steht Apple: Der Gigant aus Kalifornien. Knapp 100'000 Angestellte. Das aktuell weltweit erfolgreichste Unternehmen hat im Weihnachtsgeschäft in drei Monaten 18 Milliarden Dollar (5,5 Mrd. Fr. pro Monat) verdient und verwöhnt seine Angestellten mit diversen Vergünstigungen: Verbilligte Kranken- und Lebensversicherung, Vorzugspreis auf Apple-Aktien und grosszügige Rabatte auf Apple-Produkte, um nur einen winzigen Auszug aller Vorteile zu nennen.

Die Profiteure des historischen Gewinns – noch nie hat eine Firma in einem Quartal so viel Geld verdient–, sind in erster Linie die Aktionäre. Apple investiert sein Geld zudem in Firmenübernahmen und kauft seit einiger Zeit eigene Aktien zurück, was den Kurs weiter in die Höhe treibt. 

Apple-Chef Tim Cook posiert mit vermögenden Chinesen, die sich das iPhone als Statussymbol leisten.
Apple-Chef Tim Cook posiert mit vermögenden Chinesen, die sich das iPhone als Statussymbol leisten.

Liebe Apple-Manager, wir hätten ein paar Vorschläge, wie ihr euer Geld auch noch ausgeben könntet: Für die Menschen, die sechs Tage die Woche und bis zu 12 Stunden am Tag eure Gadgets für den Minimallohn zusammenbauen.

Apple erzielte im letzten Quartal pro Monat 5,5 Milliarden Franken Gewinn. Damit könnte man den rund 300'000 Foxconn-Arbeitern, die das iPhone produzieren ...

1. Den Minimallohn verdoppeln, sprich von rund 250 auf 500 Franken erhöhen. Macht maximal 75 Mio.

 

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Foxconn drückt die Löhne, wo es geht: Die Minimallohnverdoppelung aus eigener Kasse würde Apple maximal 75 Millionen Franken pro Monat kosten. Effektiv wäre es weniger, da einige Angestellte bereits jetzt mehr als den Minimallohn erhalten. Bei aktuell 5,5 Milliarden Gewinn pro Monat und einem Barvermögen von über 160 Milliarden Franken ein Klacks. 

Nach der Lohnverdopplung verbleiben 5,425 Milliarden vom Gewinn.

2. Die Krankenversicherung bezahlen: 12 Mio.

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Die Kosten für die Krankenversicherung variieren auch in China je nach Alter und Gesundheitszustand. Eine Basisversicherung soll rund 3000 Yuan pro Jahr kosten. Wir rechnen daher mit 40 Franken pro Monat, womit Apple die Übernahme der Krankenversicherung 12 Millionen Franken kosten würde.

Es verbleiben 5,413 Mrd.

3. Kinderkrippen in den Fabriken betreiben: 10 Mio.

Was machen die Kinder, wenn ihre Eltern 6 Tage pro Woche bis zu 12 Stunden am Tag Apple-Geräte zusammenbauen? Apple könnte in den Foxconn-Betrieben eigene Kinderkrippen betreiben. Bei angenommenen Lohnkosten von 500 Franken im Monat pro Betreuungsperson dürften monatliche Kosten von geschätzt 10 Millionen Franken entstehen. Für Apple Peanuts.

Es verbleiben 5,403 Mrd.

4. Weiterbildungspauschale zahlen: 3 Mio.

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bild: «the economist»
Es verbleiben 5,4 Mrd.

Übrigens: Ein Foxconn-Werk umfasst nicht eine, sondern teils mehr als ein Dutzend Fabrikhallen. Der Foxconn-Komplex nördlich von Hongkong besteht aus 15 Fabriken, diversen Wohnblocks für die Mitarbeiter, Restaurants sowie einem Spital. Der Longhua Campus, der von einer Mauer umschlossen ist, wird deshalb auch «Foxconn City» genannt. Bis zu 450'000 Chinesen (mehr als die Einwohnerzahl von Zürich) wohnten und arbeiteten zu Spitzenzeiten dort – viele 12 Stunden täglich und sechs Tage pro Woche. Inzwischen sind im Hinterland von China neue gewaltige Foxconn-Städte entstanden.

5. Eine Schulgeldpauschale zahlen: 1 Mio.

In einer Primarschule in Xinjiang.
In einer Primarschule in Xinjiang.
bild: wikipedia

In China sind öffentliche Schulen bis zur 10. Klasse gratis, wobei häufig jedoch Sondergebühren anfallen. Ab der 11. Klasse beträgt das Schulgeld jährlich rund 300 Franken. Auch die Schulbücher müssen die Eltern bezahlen und die Universitätsgebühren sind hoch. 1 Million pro Monat an die Ausbildung des Nachwuchses müsste für Apple verkraftbar sein.

Es verbleiben 5,399 Mrd.

6. Fitnesscenter für die Arbeiter bauen: 35 Mio.

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Foxconn ist in China an rund 35 Standorten tätig. Mindestens gleich viele Fitnesscenter müssten es also schon sein. Dies würde grob geschätzt einmalige Kosten von 35 Millonen Franken verursachen. Die laufenden Betriebskosten könnte Apple aus der Portokasse bezahlen. Klar, nicht an allen Foxconn-Standorten wird für Apple produziert, aber wir wollen grosszügig sein: Wer täglich 12 Stunden Gadgets für reiche Westler zusammenschraubt, braucht Krafttraining für den Rücken!

Es verbleiben 5,364 Mrd.

7. An jedem Foxconn-Standort eine Arztpraxis betreiben: 35 Mio.

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Im Apple-Hauptquartier kümmern sich sieben Ärzten und ein grosses Team aus Chiropraktikern, Physiotherapeuten und Diätberatern um die Mitarbeiter. Die Foxconn-Mitarbeiter, die teils mit gefährlichen Maschinen und Chemikalien hantieren, dürften medizinische Betreuung mindestens so nötig haben.

Es verbleiben 5,329 Mrd.

8. Mutter- und Vaterschaftsurlaub gewähren: 10 Mio.

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Apple bezahlt seinen US-Mitarbeitern 14 Wochen Mutter- und sechs Wochen Vaterschaftsurlaub. Die schlecht entlöhnten Foxconn-Angestellten hätten den bezahlten Urlaub ebenfalls nötig. Auf Foxconn können sie nicht zählen. Was dies Apple genau kosten würde, ist schwierig abzuschätzen. Wir sind wieder grosszügig und stellen 10 Millionen pro Monat zur Verfügung.

Es verbleiben 5,319 Mrd.

9. Das Mittagessen in der Kantine inklusive Znüni-Apfel bezahlen: 1 Mio.

Gesunde Mitarbeiter brauchen gesundes Essen. Würde Apple ein ausgewogenes Mittagessen in der Kantine sponsern, würde dies beim chinesischen Preisniveau nicht mehr als eine Million kosten.

Es verbleiben 5,318 Mrd.

10. Apple-Aktien schenken: 300 Mio.

 

Apple-Mitarbeiter können verbilligte Unternehmensaktien beziehen und sind so am Erfolg beteiligt. Foxconn-Angestellte haben kein Geld, um sich Aktien zu kaufen. Würde Apple die iPhone-Bauer mit Aktien im Wert von je 1000 Franken am Unternehmen beteiligen, würde dies 300 Millionen kosten. Zu viel Geld? Apple-Chef Tim Cook allein erhielt als Antrittsgeschenk rund 350 Millionen Franken in Aktien.

Es verbleiben 5,018 Mrd.

11. Einen Rabatt aufs iPad geben: 69 Mio.

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Die neuen iPads im Test
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Apple-Mitarbeiter erhalten 230 Franken Rabatt beim Kauf eines iPads. Würde man den Foxconn-Arbeitern den gleichen Rabatt gewähren, würde dies maximal, wenn alle das Angebot nützen, 69 Millionen kosten.

Es verbleiben 4,949 Mrd.

12. Einen Rabatt auf den iMac gewähren: 138 Mio.

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Apple-Mitarbeiter erhalten zudem 460 Franken Rabatt beim Kauf eines iMacs. Würde man den Foxconn-Arbeitern den gleichen Rabatt geben, würde dies maximal 138 Millionen kosten.

Es verbleiben 4,811 Mrd.

13. Velos für den Arbeitsweg kaufen: 15 Mio.

Bild: via citybikr

In China fahren inzwischen viele mit dem Auto statt dem Velo zur Arbeit, aber wir wollen es nicht gleich übertreiben. Immerhin ein Fahrrad könnte Apple springen lassen. Macht geschätzte 15 Millionen Franken.

Es verbleiben 4,796 Mrd.

14. Spotify-Abos schenken: 3 Mio.

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gif: giphy

Mit der richtigen Musik in den Ohren wird selbst die monotone Arbeit in den Foxconn-Fabriken etwas erträglicher. Wie wär's also, allen Fliessbandarbeitern ein Musikstreaming-Abo zu bezahlen?

Es verbleiben 4,793 Mrd.

15. Und dazu Beats-Kopfhörer verteilen: 60 Mio.

Wie Apple aus einem mittelmässigen Kopfhörer ein teures Lifestyle-Produkt macht.
Wie Apple aus einem mittelmässigen Kopfhörer ein teures Lifestyle-Produkt macht.
grafik: commitstrip.com 

Passend zum Musikabo gibt's für jeden Mitarbeiter einen Original-Beats-Kopfhörer – schliesslich hat Apple den Kopfhörerhersteller 2014 übernommen.

Es verbleiben 4,733 Mrd.

16. Die unverzichtbaren Atemschutzmasken kaufen: 10 Mio.

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Wer bei Foxconn arbeitet, kommt mit giftigen Chemikalien in Berührung. Leider ist Foxconn bekannt dafür, auch beim Arbeiterschutz zu sparen. Zumindest Atemschutzmasken à dis­cré­ti­on sollte Apple gratis abgeben. Mehr als 10 Mio. pro Monat kann dies nicht kosten.

Es verbleiben 4,723 Mrd.

17. Ergonomie-Stühle für Fliessbandarbeiter beschaffen: 60 Mio.

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Wer bis zu 12 Stunden am Tag am Fliessband arbeitet, sollte auf einem Ergonomie-Stuhl sitzen, sonst sind Rückenbeschwerden vorprogrammiert.

Wenn Apple all dies tun würde, wären immer noch 4,663 Mrd. Gewinn pro Monat übrig.
Lächeln für die Medien: Apple-Chef Tim Cook besucht eine Foxconn-Fabrik. Die Mitarbeiterin baut ein iPhone zusammen, das sie sich nie wird leisten können.&nbsp;
Lächeln für die Medien: Apple-Chef Tim Cook besucht eine Foxconn-Fabrik. Die Mitarbeiterin baut ein iPhone zusammen, das sie sich nie wird leisten können. 

Ob Programmierer in Kalifornien oder Fabrikarbeiter in China, alle arbeiten am Erfolg des iPhones mit. Apple ist mit einem Barvermögen von über 160 Milliarden Franken finanziell so gut abgesichert, dass der Konzern nebst dem Leben der eigenen Angestellten auch das der Foxconn-Mitarbeiter versüssen könnte. Soweit wird es nie kommen. Schliesslich gilt bei Foxconn offiziell seit Jahren: 

«Everything is awesome!»
Das Motto bei Firmen wie Apple und Foxconn: «Everything is awesome when you're part of a team.»
video: youtube/j4bether

Übrigens: Mit den verbleibenden 4,663 Milliarden könnte sich Apple-Chef Tim Cook jeden Monat 39'000 Sportwagen im Wert von je 120'000 Franken kaufen.

Das passiert, wenn man im neuen Tesla P85D den «Insane-Button» drückt.

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