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Der Laden brummt im In- und Ausland: Die Kriegskasse ist prall gefüllt.
Der Laden brummt im In- und Ausland: Die Kriegskasse ist prall gefüllt.
Bild: KIM KYUNG-HOON/REUTERS

Warum Apple, Microsoft und Co. auf einem gigantischen Geldberg sitzen

Trotz historisch niedriger Zinsen horten die grossen US-Konzerne immer mehr Geld – vor allem im Ausland. Dem Fiskus entgehen dadurch Milliarden.
05.06.2015, 10:2506.06.2015, 16:07

Die Geldreserven der US-Firmen sind grösser als das vom «Forbes»-Magazin geschätzte Vermögen der 70 reichsten Menschen der Welt zusammen. 1,73 Billionen Dollar an flüssigen Mitteln hielten nicht zum Finanzsektor zu zählende US-amerikanische Unternehmen Anfang 2015, wie die Rating-Agentur Moody's berechnete.

Das waren vier Prozent mehr als im Vorjahr – und ein neuer Rekordwert. Tech-Giganten wie Apple, Microsoft und Google, aber auch Autohersteller wie General Motors oder Pharma-Riesen wie Pfizer setzen auf hohe Geldreserven. «Der Tech-Sektor hält das meiste Cash, gefolgt von der Gesundheits-, Pharma- und Energiebranche», sagt Moody's-Analyst Richard Lane.

Ein Drittel geht an den Fiskus

Laut einer Studie der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) haben börsenkotierte US-Konzerne ihre Vorräte schon seit der Erholung von der Finanzkrise 2008 massiv erhöht. Dabei spielen Steuern eine wichtige Rolle. 1,1 Billionen Dollar – 64 Prozent der Cash-Reserven – befanden sich zum Jahreswechsel laut Moody's im Ausland.

«Wenn Firmen die Gewinne, die sie im Rest der Welt machen, in die USA zurückbringen, werden sie relativ stark besteuert», heisst es in der Analyse des Fed. Bis zu 35 Prozent der internationalen Erträge wandern auf der Heimreise in die USA an den Fiskus.

Deshalb ist der Anreiz für Konzerne hoch, die Mittel auf Konten im Ausland zu lassen. Die Unternehmen mit den höchsten Barreserven sind global aufgestellt – sie machen einen grossen Teil ihres Umsatzes ausserhalb der US-Grenzen, wo sie folglich auch die meisten Cash-Vorräte behalten.

Umstrittene Praxis

Diese Strategie zur Steuervermeidung – aber auch die vergleichsweise hohe Besteuerung der Auslandseinnahmen an sich – ist umstritten und in den USA ein Politikum. Immer mehr Konzerne verlegen ihren Sitz ins Ausland, um dem Fiskus zu entkommen.

Bei vielen Übernahmeplänen war dieses Kalkül in den vergangenen Jahren ein Faktor. Mit niedrigen Abgaben buhlen kleine Steueroasen wie Bermuda oder die Caymans, aber auch EU-Staaten wie Irland oder Luxemburg, um internationale Konzerne.

Vor allem für Technologie- und Pharmafirmen ist es einfach, ihr Einkommen dort zu verbuchen, wo die Steuern niedrig sind. Ihre Gewinne stammen häufig aus geistigem Eigentum, dessen Quelle und damit der Ort, an dem die Steuern anfallen, durch die Verlagerung beispielsweise von Patentrechten verlegt werden kann.

Geldberg weckt Begehrlichkeiten

Die fünf US-Konzerne mit den grössten Barreserven sind laut Moody's Apple, Microsoft, Google, Pfizer und Cisco. Der «Cash-King» ist Apple. Mit 193,5 Milliarden Dollar hielt der Smartphone-Riese zuletzt mehr Reserven als jeder industrielle US-Wirtschaftssektor insgesamt – abgesehen von der Tech- und Pharmabranche.

Eine prall gefüllte «Kriegskasse» macht zwar durchaus Sinn für Firmen, um bei Übernahmemöglichkeiten rasch reagieren zu können und mit einem flüssigen Forschungs- und Entwicklungsbudget flexibel zu bleiben. Das inzwischen erreichte Ausmass scheint Experten dennoch übertrieben.

So wundert es wenig, dass nicht nur Apples Cash-Konto schon länger Begehrlichkeiten weckt. Der berüchtigte New Yorker Finanzinvestor Carl Icahn machte über Monate beharrlich Druck, um Apple zu höheren Ausschüttungen an die Aktionäre zu drängen.

So etwas ist keine Ausnahme – und oft sind solche Angriffe auf die Firmenkassen erfolgreich. Laut Moody's sind auch die Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe der US-Konzerne 2014 auf neue Höchststände geklettert. (sda/dpa)

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