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FILE - In this Oct. 1, 2020 file photo, an Amazon Prime logo appears on the side of a delivery van as it departs an Amazon Warehouse location in Dedham, Mass. Amazon is paying nearly $62 million to settle charges that it took tips from its delivery drivers. The Federal Trade Commission said Tuesday, Feb. 2, 2021, that for more than two years, Amazon didn

Amazon droht Angestellten in den USA, die nicht aufs Klo gehen, sondern sich im Lieferwagen erleichtern, mit der Entlassung. Dies verraten geleakte Dokumente. archivBild: keystone

Amazon-Kuriere urinieren in Flaschen – der Konzern streitet es ab

Die PR-Abteilung des US-Konzerns hat die fragwürdigen Vorkommnisse bestritten, dann leakten Journalisten vertrauliche Dokumente.



Was ist passiert?

Amazon wies am Donnerstag auf Twitter Vorwürfe eines US-Abgeordneten zurück, wonach seine angestellten Fahrer zu wenig Toilettenpausen bekommen und aus Zeitdruck in PET-Flaschen urinieren müssen.

Mehrere US-Journalisten bezeugten jedoch genau solche Vorgänge, die auf den immensen Zeitdruck zurückzuführen seien. Und dann veröffentlichte der Investigativ-Reporter Ken Klippenstein beim Online-Medium The Intercept interne Dokumente, die belegen sollen, dass Amazon schon seit Monaten über das Problem Bescheid wusste.

In einem Dokument vom Januar mit der Aufschrift «Amazon Confidential» werden verschiedene Verstösse von Amazon-Mitarbeitern beschrieben, darunter «öffentliches Urinieren» und «öffentlicher Stuhlgang». Das Dokument sei The Intercept von einem Amazon-Mitarbeiter in Pittsburgh, Pennsylvania, zur Verfügung gestellt worden. Diesem wurde Anonymität zugesichert, um ihn vor Repressalien zu bewahren.

Das Problem sei wegen des hohen Drucks, bestimmte Quoten zu erfüllen, so weitverbreitet, dass Manager es häufig in Meetings und E-Mails erwähnt hätten. In einigen Fällen hätten Fahrer gar ihre Notdurft in Tüten verrichtet – und diese wurden nach dem Schichtwechsel in Fahrzeugen gefunden.

Wie fing es an?

Auslöser des Twitter-Battles, das seit Donnerstag immer weitere Kreise zog, war eine Nachricht des neuen Amazon-Chefs Dave Clark. Darin hatte dieser Amazon selbst als «Bernie Sanders unter den Arbeitgebern» bezeichnet.

Daraufhin attackierte der US-Politiker Mark Pocan (Demokraten, Wisconsin) den Amazon-Chef:

«Dass Sie Arbeitern 15 US-Dollar pro Stunde zahlen, macht Sie nicht zu einem ‹fortschrittlichen Arbeitgeber›, wenn Sie Gewerkschaften behindern und Arbeiter in Wasserflaschen urinieren lassen.»

Amazons offizieller PR-Account wies das zurück:

«Sie glauben nicht wirklich, dass jemand in Flaschen pinkelt, oder? Wenn das wahr wäre, würde niemand für uns arbeiten. Die Wahrheit ist, dass wir über eine Million unglaubliche Mitarbeiter auf der ganzen Welt haben, die stolz auf das sind, was sie tun, und vom ersten Tag an über hervorragende Löhne und Gesundheitsversorgung verfügen.»

Damit nicht genug, wurde über den offiziellen Amazon-Twitter-Account auch die US-Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts angegangen, als diese Amazon verurteilte für das Ausnutzen von «Schlupflöchern und Steuerparadiesen, um fast keine Steuern zu zahlen». Amazons PR-Abteilung schoss zurück, indem sie sagte, dass Warren die Steuergesetze mache, das Unternehmen folge ihnen nur.

Die Politikerin konterte via Twitter und sagte, dass Amazons eigene Anwälte und Lobbyisten «die Schlupflöcher geschrieben haben», die das Unternehmen ausnutze.

Das Internet reagiert

Vermutlich zu dem Zeitpunkt habe man bei Amazon wohl gemerkt, dass es nicht sehr klug sei, sich in einen öffentlichen Twitter-Wettstreit mit Gesetzgebern einzulassen, die versuchten, Tech-Giganten zur Rechenschaft zu ziehen.

Amazon habe auf Warrens letzten Tweet nicht mehr geantwortet, konstatiert Fast Company. Das habe andere Twitter-User nicht davon abgehalten, zu antworten.

Senatorin Warren gilt als unerschrockene Politikerin, die sich für die einfachen Leute einsetzt:

Ein bitterböses Meme kursierte:

Und natürlich gab es auch Vorschläge für ein neues Firmenlogo ...

Fake-Amazon-Logo bei Twitter.

Screenshot: Twitter

Das Twitter-Drama ereignete sich in den USA, derweil versuchte der Konzern auf dieser Seite des Atlantiks mit der Schaffung neuer Jobs für positive Schlagzeilen zu sorgen.

Amazon sucht Mitarbeiter

Der US-Konzern Amazon will in diesem Jahr in Deutschland 5000 neue Mitarbeiter einstellen. Damit soll deren Zahl um über ein Fünftel steigen – von 23'000 auf 28'000, wie die deutsche Amazon-Gesellschaft am Freitag in München mitteilte. Gesucht würden Mitarbeiter unter anderem für die Versandzentren, Marketing, Finanzwesen sowie Forschung und Entwicklung. Der weltgrösste Versandhändler gilt als Profiteur der Corona-Krise. Amazon rufe insbesondere Menschen auf, sich zu bewerben, «deren Job durch die Krise in Gefahr ist», wie es in einer Mitteilung von Amazon heisst. Allerdings sieht sich der Versandkonzern schweren Vorwürfen ausgesetzt – Insider berichten von schlechten Arbeitsbedingungen sowie Überwachung. Auch die deutsche Gewerkschaft Verdi kritisierte das Unternehmen. Der US-Riese wies die Anschuldigungen stets zurück.

Quelle: t-online.de

PS: Amazon-Deutschland-Sprecher Stephan Eichenseher sagte golem.de auf Anfrage: «Ganz klar: Wer auf die Toilette muss, geht auf die Toilette. Wer etwas anderes behauptet, war noch nie in einem Amazon-Logistikzentrum.»

Quellen

(dsc)

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Video: watson

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