Wissen
Digital

So verstecken ETH-Forscher Daten in Musik

Smartphone Sound Wave (Symbolbild)
Bild: Shutterstock

ETH-Forscher verstecken Daten in Musik

09.07.2019, 18:5509.07.2019, 19:29

Im Kaufhaus ins WLAN, ohne sich aktiv anmelden zu müssen? Das ginge, wenn in der eingespielten Hintergrundmusik die Zugangsdaten steckten und das Smartphone diese heraushörte. Forscher der ETH Zürich haben dafür eine Methode entwickelt.

Das Musikstück klingt im direkten Vergleich mit dem Original etwas anders, aber nicht unbedingt schlecht. Im Hintergrundtrubel eines Supermarkts oder einer Hotellobby würde es wohl nicht auffallen, dass Manuel Eichenberger und Simon Tanner von der ETH Zürich zusätzliche Töne eingefügt und darin Daten versteckt haben. Die Methode dafür stellten sie unlängst an der «IEEE International Conference on Acoustics, Speech and Signal Processing» in Brighton vor.

Der Trick bestehe darin, die dominanten Töne als Tarnung für die Datenübertragung zu nutzen, wie die ETH am Dienstag mitteilte. Diese Töne überlagerten die Forscher mit je einem leicht höheren und einem leicht tieferen Ton, die aber leiser sind. Zusätzlich fügten sie leise Obertöne ein, also eine oder mehrere Töne über dem dominanten Ton und auch hier leicht höhere und tieferen «Seiten-Töne».

Für das menschliche Ohr sind die Zusatztöne unauffällig, da sich das Gehirn auf die lauten Töne konzentriert. Mit einem Smartphone-Mikrophon lassen sie sich jedoch auffangen und anschliessend mithilfe eines Algorithmus decodieren. Damit der Algorithmus weiss, wo er nach den Daten suchen soll, fügten die Forscher diese Information in sehr hohen, für den Menschen kaum hörbaren Tönen ein, im Frequenzbereich zwischen 9.8 und 10 Kilohertz.

Unauffällig, je nach Umgebung

In Hörbeispielen, die die ETH auf ihrer Website veröffentlichte, scheint die bearbeitete Version des Musikstücks ein wenig zu klirren und leicht zu rauschen im Vergleich zum Original. Ohne den direkten Vergleich und wenn die Musik nur im Hintergrund läuft, dürfte die Veränderung kaum auffallen.

Digital

Mit ihrer Methode sei eine Datenübertragung mit relativ hoher Übertragungsrate möglich, nämlich 200 Bit pro Sekunde, hiess es weiter. «Theoretisch wäre es möglich, viel mehr Daten zu übertragen», erklärte Tanner gemäss der Mitteilung. «Je höher die Datenübertragungsrate, desto eher ist sie allerdings als störendes Geräusch hörbar, oder die Datenqualität leidet darunter.»

Mögliche Anwendungen sehen die Forscher beispielsweise in Hotels, Kaufhäusern, Flughäfen oder Bahnhöfen, um WLAN-Zugangsdaten oder andere Informationen aufs Handy zu übertragen. Aber auch in Museen wäre der Einsatz vorstellbar, zeigen sie sich überzeugt. Über die Musik liessen sich Informationen zu den Exponaten aufs Smartphone spielen.

Allerdings funktioniert die Methode am besten mit Musik, die viele dominante Töne enthält, also eher Popmusik als ruhigere Melodien. Bleibt den Kuratorinnen und Kuratoren nur, die passende Playlist zusammenzustellen. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
20 Jahre Smartphone in Bildern
1 / 27
20 Jahre Smartphone in Bildern
Am 15. August 1996 brachte Nokia den «Nokia 9000 Communicator» auf den Markt. Das Gerät gilt als Urahn der Smartphones, denn neben den üblichen Büroanwendungen konnten Nutzer damit erstmals mobil mit einem HTML-fähigen Browser auf Webseiten zugreifen.
quelle: x80001 / © ho new / reuters
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So schnell ist das 5G-Netz wirklich
Video: watson
Aus einer guten Idee wurde eine fatale Pseudowissenschaft
Der deutsche Anatom Franz Joseph Gall sezierte zahllose Gehirne und stellte als Erster Zusammenhänge zwischen bestimmten Hirnarealen und spezifischen kognitiven Funktionen her. Mit seiner Schädellehre ging er jedoch viel zu weit.
Als Franz Joseph Gall im August 1822 auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise zu Grabe getragen wurde, fehlte ein wichtiger Teil seines Leichnams: der Kopf. Einer seiner Schüler hatte, wie von Gall zu Lebzeiten verfügt, diesen Körperteil abgetrennt und den Schädel Galls eigener umfangreicher Sammlung hinzugefügt. Während diese heute zum grossen Teil im Rollettmuseum im österreichischen Baden aufbewahrt wird, liegt Galls Schädel im Musée de l'Homme in Paris.
Zur Story