Gesellschaft & Politik
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Bernadette Kaufmann, Berner Opferhilfe BHO, aeussert sich vor den Medien zum Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen Sozialtherapeuten, vor dem Amtsgericht Bern-Mittelland, am Freitag 21. Maerz 2104, in Bern. Im Berner Missbrauchsprozess ist der angeklagte Sozialtherapeut zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer stationaeren Massnahme verurteilt worden. Von einer Verwahrung sah das Gericht ab. Der 57-jaehrige Mann hatte gestanden, ueber einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben. Wegen Verjaehrung ging es vor Gericht noch um 33 Faelle. Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Schaendung und sexuellen Handlungen mit Kindern, Abhaengigen und Anstaltspfleglingen. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Für Bernadette Kaufmann von der Berner Opferhilfe BHO ist das Urteil «eine Ernüchterung». Bild: KEYSTONE

Missbrauchsprozess – die Reaktionen

«Die Angehörigen sind wütend, enttäuscht und traurig»



Dass der Berner Missbrauchsprozess ohne Verwahrung des Angeklagten endet, ist aus Sicht der Opfer-Angehörigen «eine Ernüchterung». Das sagte Bernadette Kaufmann von der Opferhilfe Bern am Freitag gegenüber Journalisten. Die Angehörigen seien wütend, enttäuscht und traurig. 

Es bestehe der Eindruck, dass die Strafe zu gering ausgefallen sei, hielt Kaufmann in einem kurzen Statement direkt nach der Urteilseröffnung fest. Das Regionalgericht Bern verurteilte den Mann zu 13 Jahren Freiheitsstrafe, sah aber von einer Verwahrung ab und ordnete stattdessen eine stationäre Massnahme an.

Staatsanwaeltin Erika Marti, links, aeussert sich vor den Medien zum Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen Sozialtherapeuten, vor dem Amtsgericht Bern-Mittelland, am Freitag 21. Maerz 2104, in Bern. Im Berner Missbrauchsprozess ist der angeklagte Sozialtherapeut zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer stationaeren Massnahme verurteilt worden. Von einer Verwahrung sah das Gericht ab. Der 57-jaehrige Mann hatte gestanden, ueber einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben. Wegen Verjaehrung ging es vor Gericht noch um 33 Faelle. Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Schaendung und sexuellen Handlungen mit Kindern, Abhaengigen und Anstaltspfleglingen. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Staatsanwältin Erika Marti hatte die Verwahrung gefordert. Bild: KEYSTONE

Staatsanwältin Erika Marti hatte die Verwahrung gefordert. Sie liess offen, ob sie das Urteil in den kommenden zehn Tagen weiterziehen wird. Zunächst wolle sie die Urteilsbegründung eingehend studieren, sagte Marti und wies darauf hin, dass das Gericht ihren Anträgen im Wesentlichen gefolgt sei und nur eine «minim tiefere» Strafe ausgesprochen habe.

Stationäre Massnahme als Chance

Der pädophile Sozialtherapeut werde das Urteil wohl akzeptieren, sagte Pflichtverteidiger John Wyss zu Journalisten vor dem Berner Amthaus. Der definitive Entscheid werde aber erst nächste Woche gefällt. «Mich hat die Begründung des Urteils überzeugt», stellte Wyss fest. Dass es keine Verwahrung gebe, halte er für richtig. Die stationäre Massnahme stehe dem Mann zu, sie sei für ihn eine Chance.

Fuersprecher John Wyss, amtlicher Verteidiger des Angeklagten, aeussert sich vor den Medien zum Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen Sozialtherapeuten, vor dem Amtsgericht Bern-Mittelland, am Freitag 21. Maerz 2104, in Bern. Im Berner Missbrauchsprozess ist der angeklagte Sozialtherapeut zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer stationaeren Massnahme verurteilt worden. Von einer Verwahrung sah das Gericht ab. Der 57-jaehrige Mann hatte gestanden, ueber einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben. Wegen Verjaehrung ging es vor Gericht noch um 33 Faelle. Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Schaendung und sexuellen Handlungen mit Kindern, Abhaengigen und Anstaltspfleglingen. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

«Mich hat die Begründung des Urteils überzeugt»: Pflichtverteidiger John Wyss. Bild: KEYSTONE

Nicht enttäuscht, aber erstaunt zeigte sich Ueli Affolter über das Urteil. Der Geschäftsführer des Heimverbandes Socialbern hätte nach eigenen Angaben «nicht erwartet, dass man dem Mann eine Chance gibt. Ich habe mir das anders vorgestellt. Ich hätte beinahe auf eine Verwahrung gewettet», sagte Affolter.

Er habe all die Opfer-Angehörigen, die dem Prozess beiwohnten, «enorm bewundert», sagte Affolter. Für sie sei es eine sehr schwere Woche gewesen. Das Urteil vom Freitag werde sie nun «noch mehr aufrütteln».

Ueli Affolter, Geschaeftsfuehrer des Heimverbandes Socialbern, aeussert sich vor den Medien zum Urteil im Missbrauchsprozess gegen einen Sozialtherapeuten, vor dem Amtsgericht Bern-Mittelland, am Freitag 21. Maerz 2104, in Bern. Im Berner Missbrauchsprozess ist der angeklagte Sozialtherapeut zu einer Freiheitsstrafe von 13 Jahren und einer stationaeren Massnahme verurteilt worden. Von einer Verwahrung sah das Gericht ab. Der 57-jaehrige Mann hatte gestanden, ueber einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben. Wegen Verjaehrung ging es vor Gericht noch um 33 Faelle. Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Schaendung und sexuellen Handlungen mit Kindern, Abhaengigen und Anstaltspfleglingen. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Ueli Affolter, Geschäftsführer des Heimverbandes Socialbern. Bild: KEYSTONE

«Ein Beispiel besonderer Unverfrorenheit»

Der 57-jährige Angeklagte hatte gestanden, über einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben. Wegen Verjährung ging es vor Gericht noch um 33 Fälle. Schuldig gesprochen wurde der Mann unter anderem wegen Schändung und sexuellen Handlungen mit Kindern, Abhängigen und Anstaltspfleglingen.

«Extrem» sei nicht nur die Zahl der Übergriffe, sagte Gerichtspräsident Urs Herren bei der Urteilsverkündung. Extrem sei auch der Delikts-Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Beim Aktenstudium habe er sich oft gefragt, wie es dem Mann möglich gewesen sei, über so lange Zeit so viele Delikte unentdeckt zu begehen, sagte Herren. Dass es sich bei den Opfern mehrheitlich um schwerstbehinderte Jugendliche und Kinder handle, sei ein Stück weit eine Erklärung.

HANDOUT, ARCHIV - Der Berner Sozialtherapeut H. S. mit zwei Kindern, undatiertes Bild. Am Montag hat vor dem Berner Regionalgericht der Prozess gegen den heute 57-jaehrigen Sozialtherapeuten begonnen. Der Mann hat den Missbrauch von ueber 100 Behinderten in mehreren Heimen gestanden. Wegen Verjaehrung geht es vor Gericht noch um 33 Faelle. (KEYSTONE/TeleBaern) *** DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Der 57-jährige Angeklagte hatte gestanden, über einen langen Zeitraum 114 Behinderte in mehreren Heimen sexuell misshandelt zu haben.  Bild: TELEBAERN

Herren nannte «ein Beispiel besonderer Unverfrorenheit». Dabei ging es um den Übergriff auf ein dreijähriges Mädchen während einer Autofahrt. Die Mutter des Kindes am Steuer habe nichts mitbekommen, hatte der Sozialtherapeut ausgesagt.

«Wir schauen hin!»

Ans Licht kamen die Taten erst im März 2010 im Kanton Aargau, nachdem zwei Bewohner eines Behindertenheims ihren Eltern von sexuellen Kontakten mit ihrem Betreuer erzählt hatten. Der Mann wurde daraufhin an seinem Wohnort im Berner Oberland verhaftet. In der Folge gab er die zahlreichen früheren Missbräuche zu. 

Die Heimbranche musste sich unangenehme Fragen gefallen lassen zur Tatsache, dass der Sozialtherapeut immer wieder neue Anstellungen gefunden hatte, obwohl er zum Teil als schwierig und unkooperativ eingeschätzt wurde.

Heime und Behindertenverbände lancierten daraufhin eine Charta unter dem Titel «Wir schauen hin!». Die Unterzeichner verpflichteten sich darin zu einer Null-Toleranz-Politik und zu Präventionsmassnahmen. (sza/sda)

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Offen gesagt

«Liebe Frau Sommaruga, rechnen Sie nicht mit Nachsicht ...»

Am Freitag hat der Bundesrat halbkonsequente «Social Distancing»-Massnahmen verfügt. Um die sich ein Grossteil der Bevölkerung foutiert hat. Ein Fest für das Coronavirus.

Liebe Frau Sommaruga

Gemäss Ihrer am Freitag in vornehmeren Worten ausgegebenen Losung «#staythefuckhome» habe ich mich am Wochenende nicht in die Öffentlichkeit begeben. Ich habe allerdings einen kleinen Ausflug unternommen mit dem Auto. Ich hoffe, Sie sehen mir das nach.

Ich wollte einfach mit eigenen Augen sehen, wie gespenstisch sich die bevölkerungsreiche Region Zürich präsentiert, wenn der Bundesrat die Leute dazu aufruft, zu Hause zu bleiben.

Es war überhaupt nicht gespenstisch. Ganz und …

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