Gesellschaft & Politik
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Exil-Kurden in der Schweiz

«Dieser Sieg bedeutet uns Kurden alles»

Exil-Kurden rund um die Welt feiern die Befreiung von Kobane. Es gibt aber auch solche, die dem Sieg noch nicht ganz trauen. 



«Es ist unbeschreiblich», sagt die Zürcherin Anil Akman. «Dieser Sieg bedeutet uns Kurden alles». Die 22-jährige Halb-Kurdin aus der Schweiz reiste im Herbst letzten Jahres selber nach Suruç, um den erbitterten Kampf der Kurden gegen den Islamischen Staat in Kobane zu dokumentieren. «Wir wussten, dass es gut läuft, dass es aber plötzlich so schnell geht, konnten wir nicht ahnen», sagt sie am Dienstag gegenüber watson. 

Am Montagabend strömten dutzende Kurden Zürichs auf dem Helvetiaplatz zusammen, um den Sieg der Volksbefreiungseinheiten (YPG) zu feiern. «Die Stimmung war ausgelassen, es gab Feuerwerk und wir tanzten», sagt Akman, die in diesen Tagen jedes neue Bild aus Kobane auf Social Media-Kanälen in sich aufsaugt. 

abspielen

Freudentanz der Kurden gestern Abend am Helvetiaplatz. video: youtube/anil akman

«Für die Kurden wurde Kobane zu einem Symbol», sagt Akman. «Es geht nicht nur um diese Stadt, es geht um das Selbstbewusstsein der Kurden, die immer vertrieben und unterdrückt wurden. Jetzt haben sie ihr Gebiet zurückerobert, ein Ort wo sie ihre Sprache sprechen und ihre demokratische Lebensweise verwirklichen können.» Den Kurden in der Türkei war es lange Zeit verboten, ihre Sprache zu benutzen. 

Kobane ist wahrscheinlich kaum bewohnbar

«Nun wollen wir erstmal feiern», sagt die Zürcherin Anil Akman gegenüber watson. «Dann wird aber der harte Wiederaufbau beginnen. Man kann davon ausgehen, dass die Stadt praktisch unbewohnbar ist.» Eine ganze Infrastruktur müsse neu aufgebaut werden. 

Akman ist sich jedoch sicher, dass das solidarische Netz der Kurden auch den Wiederaufbau tragen wird. «Ich kenne Menschen, die bereits jetzt ihre Abreise planen, um beim Wiederaufbau helfen, oder Flohmis zum Geld sammeln organisieren.»

Einige Kurden trauen dem Sieg noch nicht

Auch der Kurde und Coiffeur-Laden-Besitzer Ghamkin Saleh freut sich mit, «aber vorsichtig», sagt er. «Dieser Sieg macht Hoffnung, ich glaube aber nicht, dass damit der Islamische Staat besiegt ist. Kobane sei eine kleine Stadt, der IS besetze immer noch grosse Gebiete. Die Gefahr sei noch nicht gebannt, meint er. 

Dennoch hofft Saleh auf ein freies Kurdistan. «Ich träume immer noch von einem politisch und kulturell unabhängigen Land für mein Volk. Wir brauchen eine Heimat, damit ich meinen Kindern sagen kann, woher wir kommen.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

2
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen

Trump bei Gedenken an 9/11: «Amerika wird nie nachlassen, Terroristen zu verfolgen»

Die USA haben inmitten des angeheizten Präsidentschaftswahlkampfs und der Corona-Krise der Anschläge vom 11. September 2001 gedacht. US-Präsident Donald Trump kündigte ein weiterhin hartes Vorgehen gegen internationalen Terrorismus an. «Amerika wird nie nachlassen, Terroristen zu verfolgen, die unser Volk bedrohen», sagte Trump am Freitag.

Der Präsident sprach an der Absturzstelle eines der vier vor 19 Jahren entführten Flugzeuge nahe der Stadt Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania. Flug 93 …

Artikel lesen
Link zum Artikel