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Grosser Andrang, grosser Aufwand: Ein Soldat bewacht ein Wahllokal im Bundesstaat Assam. Bild: Reuters

Indien wählt ein neues Parlament

814 Millionen Wähler, 11 Millionen Wahlhelfer 930'000 Wahllokale – der grösste Urnengang der Welt in Zahlen 



Alle fünf Jahre wählt Indien ein neues Parlament. Am Montag waren zunächst die Menschen in fünf Wahlkreisen in den nordöstlichen Staaten Assam und Tripura zur Stimmabgabe aufgerufen. In der grössten Demokratie der Welt mit ihrer jungen, stark wachsenden Bevölkerung gestaltet sich der Urnengang jedes Mal noch grösser, noch aufwändiger und noch beeindruckender. Die wichtigsten Zahlen:

814 Millionen Wahlberechtigte

epa04157594 Indian villagers wait in queue to cast their votes at Boginadi polling station, during the first phase of the Indian general election in Lakhimpur district of Assam state, India, 07 April 2014. India's five-week, multi-phase parliamentary elections began with voting in the north-eastern states of Assam and Tripura. Balloting is being held in five of Assam's 14 constituencies and one of two in Tripura, according to the Election Commission.  EPA/STR

Bild: EPA

Die Zahl der indischen Wählerinnen und Wähler übertrifft die Einwohnerzahl von ganz Europa (rund 740 Millionen). Es sind etwa so viele wie die Einwohner der USA (300 Millionen) und der Europäischen Union (500 Millionen) zusammen. Zum Vergleich: In der Schweiz gibt es etwas mehr als fünf Millionen Wahlberechtigte.

100 Millionen Erstwähler

A first time voter, Preeti, casts her vote during the first phase of elections in Dibrugarh, in the northeastern state of Assam, India, Monday, April 7, 2014. Indians began voting Monday in the world's biggest election, with the opposition heading into the polls with strong momentum on promises of economic renewal. The country's 814 million eligible voters will vote in stages over the next five weeks. (AP Photo/Altaf Qadri)

Bild: AP

Indien ist ein junges Land mit einem Durchschnittsalter von rund 26 Jahren. Entsprechend gross ist die Zahl der Menschen, die zum ersten Mal an der Parlamentswahl teilnehmen. Sie entspricht der Einwohnerzahl von Russland, dem grössten Land Europas. 23 Millionen Erstwähler sind jünger als 20.

11 Millionen Wahlhelfer

Election officials carry Electronic Voting Machines (EVM) as Indian security personnel stand guard at a distribution centre ahead of general elections in Jorhat district, in the northeastern Indian state of Assam April 6, 2014. India, the world's largest democracy, will hold its general election in nine stages staggered between April 7 and May 12. REUTERS/Adnan Abidi (INDIA - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Bild: Reuters

In Indien gibt es zahlreiche Separatistengruppen und maoistische Aufständische, die die Wahl blockieren möchten. Der personelle Aufwand ist deshalb enorm, um einen reibungslosen Urnengang zu garantieren. Zum Personal in den Wahllokalen kommen zahlreiche Angehörige der Sicherheitskräfte hinzu.

1,7 Millionen Wahlmaschinen

epa04156258 Polling officials check their Electronic Voting Machines (EVM) before leaving for their respective polling stations on the eve of the first phase of the Indian general election in Lakhimpur district of Assam state, India, 06 April 2014. The nine–phase general elections begins on 07 April from the northeast, with polling in five of the 14 seats in Assam and one of the two constituencies in Tripura. For the first time in the North East region and third in the country after Kashmir and Bihar, all polling booths have been declared smoking free.  EPA/STR

Bild: EPA

Mit elektronischen Wahlmaschinen hat die Welt nicht nur gute Erfahrungen gemacht. Die IT-Nation Indien aber schwört auf ihre grauen Wahlcomputer, obwohl es immer wieder zu Manipulationsvorwürfen kommt. Erstmals gibt es einen NOTA-Knopf, mit dem Protestwähler «keinen der genannten Kandidaten» («none of the above») anklicken können. Damit wird der Verdrossenheit vieler Inder über korrupte Politiker Rechnung getragen.

930'000 Wahllokale

Voters stand in a queue to get their voting slip to cast their vote at a polling station in Majuli, a large river island in the Brahmaputra river, Jorhat district, in the northeastern Indian state of Assam April 7, 2014. The first electors cast their votes in the world's biggest election on Monday with Hindu nationalist opposition candidate Narendra Modi seen holding a strong lead on promises of economic revival and jobs but likely to fall short of a majority. REUTERS/Adnan Abidi (INDIA - Tags: POLITICS ELECTIONS)

Bild: Reuters

Die Zahl hat sich gegenüber 2009 um 100'000 erhöht. Das kleinste Wahllokal in einer entlegenen Region im westindischen Bundesstaat Gujarat wurde für genau einen Wähler eingerichtet.

5 Wochen

An Indian man puts his thumb impression before casting his vote during the first phase of elections in Agartala, in the northeastern state of Tripura, India, Monday, April 7, 2014. India started the world's largest election Monday, with voters in the remote northeast making their way past lush rice paddies and over rickety bamboo bridges to reach the polls. The country's 814 million electorate will vote in stages over the next five weeks. (AP Photo/Saurabh Das)

Bild: AP

In einem riesigen Land wie Indien ist eine Parlamentswahl logistisch eine grosse Herausforderung. Es gibt viele entlegene, schlecht erschlossene Gebiete, in denen Drittwelt-Verhältnisse herrschen. Die Wahl wird deshalb an neun Tagen durchgeführt, verteilt über fünf Wochen zwischen dem 7. April und dem 12. Mai. Am 16. Mai soll das Ergebnis bekanntgegeben werden.

162 kriminelle Parlamentarier

epa04073863 An exterior view of the Indian Parliament House with traffic rushing by in New Delhi, India, 13 February 2014. An Indian lawmaker reportedly used pepper spray and another threw a computer as protests over the creation of a new state rocked the country's parliament. There were angry scenes reported from the Lok Sabha, or Lower House, when the government tabled a bill to form the new state of Telangana by dividing the southern state of Andhra Pradesh.  EPA/MONEY SHARMA

Bild: EPA

Der Ruf der indischen Politiker ist miserabel, und das nicht ohne Grund. Gegen 162 von 543 Abgeordneten in der Lok Sabha, dem indischen Unterhaus (Bild), laufen juristische Ermittlungen. Bei 76 Parlamentariern handelt es sich um schwere Fälle wie Mord und Entführung. Trotz dieser Missstände sind die Inder stolz auf ihre Demokratie, die seit der Unabhängigkeit 1947 Bestand hat – im Gegensatz zum chronisch instabilen Nachbarn und Erzfeind Pakistan.

1 Favorit

NEW DELHI, INDIA - APRIL 07:  Bharatiya Janata Party (BJP) leader Narendra Modi listens during a meeting to announce the party's election manifesto on April 7, 2014 in New Delhi, India. Voting has begun in the world's largest election, with an electorate of around 814 million. The voting will be held in nine phases over the next five weeks from April 7 - May 12 and votes will be counted on May 16.  (Photo by Kevin Frayer/Getty Images)

Bild: Getty Images AsiaPac

Der wahrscheinliche Wahlsieger heisst Narendra Modi. Seine hindu-nationalistische Partei BJP liegt in den Umfragen klar in Führung, während die derzeit regierende Kongresspartei eine historische Niederlage erleiden dürfte. Der 63-jährige Modi ist als Sohn eines Teeverkäufers in einfachen Verhältnissen aufgewachsen und seit 2001 Premierminister des Bundesstaats Gujarat. Er hat sich als zupackender Macher einen guten Ruf erarbeitet. Angehörige der Mittelschicht erhoffen sich, dass Modi die zuletzt lahmende Wirtschaft des Schwellenlands ankurbeln wird. 

Der dunkle Fleck auf seiner Weste sind die Massaker von Hindus an Muslimen im Herbst 2002 nach dem mutmasslichen Anschlag auf einen Zug mit Hindu-Pilgern in Gujarat. Rund 1000 Menschen kamen ums Leben. Modis Rolle bei den Ausschreitungen ist unklar, zumindest tat er wenig, um sie zu stoppen. Die USA verweigerten ihm 2005 ein Einreise-Visum, und die Muslime, die rund zwölf Prozent der Bevölkerung ausmachen, stehen ihm misstrauisch gegenüber.

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