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Ein Taliban vor einem Regal mit Alkohol.
Ein Taliban vor einem Regal mit Alkohol.
screenshot: twitter/pamirnews

Taliban finden Alkohol – und reagieren durchaus merkwürdig

15.09.2021, 16:4215.09.2021, 17:49

Plötzlich ging es ganz schnell. Kaum standen die Taliban vor den Toren Kabuls, hatten sie die Hauptstadt auch schon eingenommen. Der Widerstand war zusammengebrochen, die militant-islamistischen Kämpfer konnten, ohne einen Schuss abzufeuern, die Stadt unter ihre Kontrolle bringen.

Für diejenigen, die aus Kabul flüchten wollten, blieb nicht viel Zeit. Nur mit dem Wichtigsten bepackt, ging es so schnell wie möglich zum Flughafen. Dies hat zur Folge, dass die Taliban nun in den verlassenen Botschafts-Gebäuden und den Villen der Stadt auf unerwartete Schätze stossen. Nur können sie nicht in jedem Fall etwas damit anfangen – etwa mit dem üppigen Alkoholvorrat in der tschechischen Botschaft.

Auf einem Video ist zu sehen, wie die Taliban die Schnapsflaschen und Bierdosen genauestens begutachten. Dazu muss man wissen: Unter den Taliban ist das Trinken von Alkohol strengstens verboten.

Falsche Anschuldigungen

Dennoch versuchten die Taliban auch aus dem hochprozentigen Fund das Maximum herauszuholen. Sie behaupteten, der Alkoholvorrat stamme aus Salahuddin Rabbanis Haus, um diesen zu diskreditieren. Rabbani war der ehemalige Aussenminister Afghanistans und war während der Eroberung der Taliban ausser Landes nach Pakistan geflohen.

Rabbani dementierte das Gerücht jedoch schnell: «Es ist nicht mein Haus, sondern die tschechische Botschaft. Es ist Propaganda gegen mich», sagte er.

Tatsächlich sollte Rabbani recht behalten. Das tschechische Aussenministerium bestätigte gegenüber tschechischen Medien, dass es sich um Räumlichkeiten der Botschaft handle.

Kann wohl nur die tschechische Botschaft sein: Die Taliban zeigen ein Sixpack Pilsner Urquell ...
Kann wohl nur die tschechische Botschaft sein: Die Taliban zeigen ein Sixpack Pilsner Urquell ...
bild: twitter/pamirnews
... und eine Flasche Becherovka.
... und eine Flasche Becherovka.
bild: twitter/pamirnews

Ob die Taliban tatsächlich zum ersten Mal in ihrem Leben Alkohol begegnet sind, bleibt offen. Dem Drogenschmuggel sind sie zumindest nicht abgeneigt. Pro Jahr verdienen sie damit drei Milliarden US-Dollar, wie Foreign Policy diesen Sommer berichtete.

Taliban kennt Weingläser nicht

Wie auf einem weiteren Video zu sehen ist, reagiert ein Taliban durchaus verwirrt, als er im Haus eines Warlords Weingläser in der Hand hält. «Sehen Sie diese Gläser, sie sind sehr komisch», sagt der Kämpfer gemäss Übersetzung der «New York Times».

Auch in der norwegischen Botschaft stiessen die Taliban auf Alkohol, welcher umgehend vernichtet wurde. «Wein-Flaschen werden zerschmettert und Kinderbücher zerstört», schrieb Sigvald Hauge, der norwegische Botschafter im Iran auf Twitter.

Zerstört wurden indes nicht nur Bücher und Weinflaschen, sondern auch DVDs für Kinder.

«Waffen sind offenbar weniger gefährlich», merkte Sigvald Hauge zynisch an. (cma)

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Video: watson/Aya Baalbaki
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