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Vom gefeierten Freiheitskämpfer zum machthungrigen Despoten – das war Robert Mugabe



Robert Mugabes seltsamste Zitate

Robert Mugabe war einer der umstrittensten afrikanischen Herrscher. In fast vier Jahrzehnten an der Macht in Simbabwe entwickelte er sich vom weltweit respektierten Hoffnungsträger und Freiheitskämpfer zum geächteten Despoten.

Kaum ein anderer afrikanischer Politiker polarisierte so wie er. Die Beschreibungen für ihn reichten von Hoffnungsträger und Freiheitsheld bis zu brutaler Despot.

Ein Militärputsch bereitete Ende 2017 seiner Herrschaft ein Ende, nachdem er Simbabwe - einst die Kornkammer des südlichen Afrikas - in ein verarmtes, hungriges Land verwandelt hatte. Am Freitag starb er im Alter von 95 Jahren.

Mugabe engagierte sich schon in den 1960er Jahren im politischen Kampf gegen das weisse Siedlerregime und sass deswegen zehn Jahre in Haft. Danach ging er in den Untergrund und wurde einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weisse Regime. Nach jahrelangem Guerillakampf mit schätzungsweise mehr als 20'000 Toten gewann seine Partei 1980 die ersten Parlamentswahlen im Land.

Moderner afrikanischer Regierungschef

FILE - In this Nov. 4, 1974, file photo, Robert Mugabe takes part in the Rhodesia conference in Geneva, jokingly puts up his fists as he encounters newsmen. Mugabe, the longtime leader of Zimbabwe who was forced to resign in 2017 after a military takeover, has died at 95. (AP Photo, file)
Robert Mugabe

Bild: AP

Der stets elegant gekleidete Intellektuelle und brillante Rhetoriker wurde Premierminister und verblüffte Freund und Feind zunächst mit einem auf Ausgleich zielenden Versöhnungskurs. Die Wirtschaft wuchs, die Regierung investierte erfolgreich ins Gesundheits- und Bildungswesen.

Die Alphabetisierungsrate stieg rasant. Mugabe sorgte für ein - bis heute anhaltendes - Klima, in dem gute Bildung von allen Familien als Priorität betrachtet wird. Damit war er für viele der Urtyp des modernen, erfolgreichen afrikanischen Regierungschefs.

Doch Machtkämpfe focht der studierte Lehrer skrupellos aus. Zudem setzte er bald das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern wurden von 1982 bis 1987 Tausende getötet.

Historische Bilder von Robert Mugabe

Der Mann mit dem kuriosen Bärtchen und den grossen Brillengestellen durchlief eine bemerkenswerte Karriere. Dann stand er allerdings plötzlich in der zweiten Reihe, als im Nachbarland Südafrika der erste schwarze Präsident Nelson Mandela wie ein Popstar nach dem Ende der Apartheid-Regierung gefeiert wurde.

Skrupellose Machtgier

Der am 21. Februar 1924 geborene Mugabe klammerte sich immer skrupelloser an die Macht - zur Enttäuschung früherer Bewunderer. Pressefreiheit und Opposition liess er nach Kräften unterdrücken. Auf Regierungsgegner liesst er seine Schlägertrupps los.

«Er hatte ein völliges Desinteresse am Wohl seiner Bevölkerung», meint sein deutscher Biograf Christoph Marx von der Uni Duisburg-Essen. Er sieht in Mugabes Lebensweg die Geschichte des Kolonialismus widergespiegelt, mit all der Brutalität und Machtgier.

«Seine Verdienste im Bildungs- und Gesundheitswesen hat er gnadenlos geopfert, als sein Stuhl wackelte», sagt Marx, der auch Mugabes linke Rhetorik in den 1970er Jahren lediglich als Tarnung ansieht. «Mugabe war kein gewandelter Revolutionär, er war nur an der Macht interessiert», ist er überzeugt.

Andere äusserten sich enttäuschter. «Er war ein strahlender Stern an unserem Firmament, jemand, auf den wir stolz waren», sagte der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu bereits 2002. Mugabe sei zur Karikatur eines afrikanischen Despoten geworden: «Der Zerfall seiner Persönlichkeit ist schwer zu verstehen. Er ist machthungrig.»

Enteignung weisser Landwirte

Per Verfassungsänderung schaffte sich Mugabe 1987 ein machtvolles Präsidentenamt - und wurde immer machthungriger. Mit einem Beschluss zur Enteignung weisser Landwirte brach er mit der Versöhnungspolitik.

epa07821682 (FILE) - A file photograph dated  14 April 2011 shows Zimbabwean President Robert Mugabe at the National Heroes Acre in Harare, Zimbabwe (issued 06 September 2019). According to reports, Robert Mugabe died on 06 September 2019 at the age of 95. Robert Mugabe became prime minister of Zimbabwe (used to be Rhodesia) in 1980 and served as the country's president from 1987 until his forced resignation in 2017, after 37 years of autocratic rule. In 1963, he co-founded ZANU, a resistance movement against British colonial rule.  EPA/AARON UFUMELI *** Local Caption *** 50295714

Klammert sich an die Macht, mit allen Mitteln: Robert Mugabe. Bild: EPA

Der einstige Jesuitenschüler Mugabe setzte nun auf Hass gegen Weisse und ermahnte die Bevölkerung, die «Endphase des Freiheitskampfes» zu unterstützen. 1999 wurden mehr als 800 Grossfarmer entschädigungslos enteignet. Kurz darauf besetzten Mugabes Anhänger weitere Tausend Farmen. Viele weisse Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet.

Die Farmen gingen oft an Verbündete ohne Erfahrung in der Landwirtschaft. Auch schwarze Kleinbauern waren mangels Ausbildung oft überfordert. Die Produktion von Mais und Tabak brach ein. Das Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

Auch das Gesundheitssystem brach zusammen. Mehr als 3000 Menschen fielen bis Anfang 2009 einer Choleraepidemie zum Opfer. Die Infrastruktur verfiel, die Währung kollabierte, die Simbabwer flohen in Scharen.

Eigenes Versagen vertuscht

Als gewiefter Taktiker bemühte Mugabe immer wieder das (weisse) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden. Eigenes Versagen verdeckte er nicht nur mit Populismus, sondern auch mit Gewalt, Personenkult und Korruption, während er politische Rivalen und Kronprinzen immer wieder kaltstellte.

FILE - In this Saturday, Aug. 17, 1996, file photo, Grace Marufu, the new bride of Zimbabwean President Robert Mugabe, right, waves at guests after their wedding ceremony at the Kutama catholic mission 42 miles, (80kms) west of Harare. Mugabe, the longtime leader of Zimbabwe who was forced to resign in 2017 after a military takeover, has died at 95. (AP Photo/Joao Silva, file)
Robert Mugabe,Grace Marufu

Mugabe mit Grace. Bild: AP

Als sich die Zeichen mehrten, dass Mugabe seine unbeliebte Frau Grace - 41 Jahre jünger als er selbst - als Nachfolgerin sah, baute sich Widerstand auf. Ende 2017 stellte das Militär Mugabe unter Hausarrest und riss in einem unblutigen Putsch die Macht an sich.

Schnell wandten sich Weggefährten und Parteifreunde von dem Mann ab, der einst fabulierte: «Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können.» Mugabe beugte sich schliesslich dem Druck und trat zurück. Nachfolger wurde sein zuvor von ihm geschasster Vize, Emmerson Mnangagwa. (aeg/sda/dpa)

Nelson Mandela

Vom Freiheitskämpfer zum Despoten: Robert Mugabe

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17Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • karl_e 07.09.2019 10:58
    Highlight Highlight Weltweit gültig: Macht korrumpiert. Das gilt unabhängig von der Ideologie für den biederen Dorfkönig über den weltgewandten CEO bis hin zum psychotischen Diktator.
  • Fernrohr 07.09.2019 08:40
    Highlight Highlight Handumkehrt hat sich in Genf und Zürich keine Bank und kein Geschäft geziert, die Kohle anzunehmen. Gucci-Grace' Shoppingtouren hier sind legendär 🤷🏼‍♂️
  • next_chris 07.09.2019 08:22
    Highlight Highlight Soweit ich das Beurteilen kann, Mugabe ist immer noch extrem angesehen im suedlichen Afrika. Es gibt da eine riesige Diskrepanz zwischen Europa und Afrika.Ist irgendwie dasselbe wie mit Gaddaffi, auch er hat noch imer eine guten Ruf in Afrika.
  • Randalf 06.09.2019 23:30
    Highlight Highlight
    Gott sei Dank ist er tot.
    Blacks welche ich kenne sagten: installiere kein Bild vom ihm auf deinem Handy, du kriegst es 30 Jahre nicht mehr weg.🤷‍♂️
  • Herr J. 06.09.2019 20:48
    Highlight Highlight Wenn er 30 Jahre früher den Löffel abgegeben hätte, wäre seinem Land und den Leuten vieles erspart geblieben (tönt hart, ist hart, aber leider wahr).
    • Locutus70 06.09.2019 21:13
      Highlight Highlight Der Nachfolger ist nicht viel besser bzw. potentielle Nachfolger wären es wohl auch nicht. Es ist eine Mischung aus Armut und Korruption, die es solchen Despoten sehr leicht macht.
  • gnabgib 06.09.2019 19:43
    Highlight Highlight Danke an die SDA für diesen ausführlichen, differenzierten Rückblick auf die komplexe und tragische Entwicklung von Mugabe und Simbabwe unter ihm.

    Der Text steht im Gegensatz zu vielen flachen, reisserisch Reflexe bedienenden Kurzmeldungen (und Kommentaren!), die man heute sonst so liest.

    (SRF schreibt tatsächlich von zaubergläubigen Simbabwern, die Mugabe für unsterblich hielten... Ich habe in Simbabwe gelebt, und noch kaum Völker kennengelernt, die Bildung mehr wertschätzen.)
  • fools garden 06.09.2019 19:30
    Highlight Highlight ...und solche Typen werden auch noch Steinalt. Klammern sich nicht nur an die Macht, auch an ihr erbärmliches Leben.
  • Eidi 06.09.2019 19:28
  • Ferd Blu 06.09.2019 18:43
    Highlight Highlight Anforderungen um Regent eines afrikanischen Staates zu sein sind wie folgt:
    -Korrupt bis ins Mark sein
    -Nepotismus praktizieren
    -Seine Bevölkerung verarmen oder arm lassen
    -Auf eigene Leute schiessen lassen
    -Ein Stück Scheisse sein

    Gibt sicher noch mehr, aber könnt ja noch anderes hinzufügen.
    • karl_e 07.09.2019 11:16
      Highlight Highlight Weisse Eliten (auch in der CH) sind nicht gänzlich anders gestrickt als dunkelhäutige. Siehe Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
      In Demokratien können sich solche Elemente glücklicherweise nicht ungehindert austoben. Am ehesten noch geht das in der freien Marktwirtschaft.
  • Auric 06.09.2019 18:36
    Highlight Highlight Ja der Adolf hat auch die Arbeitslosen von der Strasse und die Autobahnen ausgebaut.

    Mit den heutigen Tag ist die Welt ein bisschen Schöner geworden, leider zu spät für die Millionen den er das Leben versaut hat.
  • FR90 06.09.2019 18:30
    Highlight Highlight Möge er in der Hölle schmoren. Amen.
  • Juliet Bravo 06.09.2019 18:29
    Highlight Highlight Er war ein Schlächter. Was ist nur aus dem einstigen Freiheitskämpfer geworden? In der Hölle soll er schmoren!
    • fools garden 06.09.2019 19:32
      Highlight Highlight Ja die Kämpfer, fast überall lassen sie stark nach, wenn sie mal so richtig Platz für ihren Hintern haben.
    • Juliet Bravo 06.09.2019 19:41
      Highlight Highlight «Macht korrumpiert - totale Macht korrumpiert total.» (Max Weber, grosse Soziologe)

      Es lebe die Demokratie und die Gewaltentrennung!
  • Albi Gabriel 06.09.2019 18:10
    Highlight Highlight Jean Ziegler wird seinen alten Freund sicherlich vermissen - wie hoffentlich bald alle seine Diktatorenfreunde.

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