DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Schockierend»: Menschenrechtler berichten von schweren Kriegsverbrechen in Äthiopien

06.04.2022, 02:32

Systematische Massenvertreibungen, Vergewaltigungen, Plünderungen und brutale Tötungen: In der umkämpften Tigray-Region des ostafrikanischen Staates Äthiopien begehen Sicherheitskräfte laut einem aktuellen Menschenrechtsreport schwerwiegende Kriegsverbrechen. Die Menschenrechtsgruppen Amnesty International und Human Rights Watch (HRW) veröffentlichten am Mittwoch einen Bericht, wonach vor allem Sicherheitskräfte aus der Region Amhara für diese Übergriffe im Westen des Bundesstaates Tigray verantwortlich sind.

Eine Rauchwolke nach einem Luftangriff in Mekele, der Hauptstadt von Tingray.
Eine Rauchwolke nach einem Luftangriff in Mekele, der Hauptstadt von Tingray.Bild: keystone

Sie fänden mit der Billigung und möglichen Beteiligung äthiopischen Militärs statt, heisst es darin. «Die äthiopische Regierung hat das schockierende Ausmass dieser Verbrechen beharrlich geleugnet und nichts getan, um sie zu verhindern», rügt Wenzel Michalski, Deutschland-Direktor von Human Rights Watch. In dem Bericht ist von einer ethnischen Säuberungskampagne gegen Tigrays Zivilbevölkerung die Rede, die als Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu werten sei. Auch regionale Behördenvertreter sollen beteiligt sein. Der Zugang zur Region sei massiv eingeschränkt worden, sodass humanitäre Hilfe kaum ankommt und Hunderttausende von Hungersnot bedroht sind.

«Die äthiopische Regierung muss endlich reagieren: Sie muss diejenigen Sicherheitskräfte umgehend entwaffnen und aus der Region abziehen, die an Menschenrechtsverletzungen beteiligt waren», fordert Markus Beeko, Generalsekretär von Amnesty International Deutschland. «Die Reaktionen der internationalen und regionalen Partner Äthiopiens werden der Schwere der Verbrechen, die in West-Tigray verübt werden, nicht gerecht», rügte er. Hilfsorganisationen müsse ungehinderter Zugang zur Region gewährt werden, alle willkürlich Inhaftierten müssten freigelassen und Menschenrechtsverstösse untersucht werden, fordern die Organisationen in ihrem Bericht.

Das äthiopische Militär bei einer Parade in Tigray.
Das äthiopische Militär bei einer Parade in Tigray.Bild: keystone

Die Konfliktparteien sollten der Entsendung einer internationalen Friedenstruppe unter Führung der Afrikanischen Union nach West-Tigray zustimmen, um den Schutz aller Bevölkerungsgruppen vor Übergriffen zu sichern. Der Konflikt zwischen der Zentralregierung in Addis Abeba und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) begann vor rund anderthalb Jahren. Mit knapp 115 Millionen Einwohnern ist der Vielvölkerstaat Äthiopien das Land mit der zweitgrössten Bevölkerung Afrikas. Er galt lange Zeit als Stabilitätsanker der Region. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Fossil in Äthiopien entdeckt

1 / 6
Fossil in Äthiopien entdeckt
quelle: x80001 / handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So fühlt sich eine Genitalverstümmelung an

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

19 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Päule Freundt
06.04.2022 06:39registriert März 2022
Wurde dem äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed inzwischen sein Friedensnobelpreis aus dem Jahr 2019 entzogen? Das war damals eine grobe Fehleinschätzung des Norwegischen Nobelkomitees.
241
Melden
Zum Kommentar
19
Ukraine will Weg zu EU-Beitritt meistern – das Nachtupdate ohne Bilder

Die Ukraine zeigt sich zuversichtlich, den Weg hin zu einer EU-Mitgliedschaft zu meistern. Zugleich aber spitzt sich die militärische Lage rund um die umkämpfte Grossstadt Lyssytschansk im Osten des Landes zu. Russland behauptete, dort Stellungen der Ukrainer durchbrochen zu haben. Im gesamten Land gab es in der Nacht zum Samstag einmal mehr Luftalarm. Die USA sicherten dem von Russland angegriffenen Land weitere militärische Hilfe zu.

Zur Story