Trumps peinliche Niederlagen
Die Midterms? «Ich denke keine Sekunde daran.» Explodierende Benzinpreise? «Peanuts.» Donald Trump scheint derzeit ein Mann zu sein, dem man nichts anhaben kann, der es sich gar leisten kann, Sätze zu äussern, wie die finanzielle Situation der Amerikaner ihm egal sei, und der in den Vorwahlen Kandidaten unterstützt, die seiner Partei den Sitz kosten könnten.
Oberflächlich gesehen mag der Hochmut des Präsidenten berechtigt sein, ist es ihm doch in den letzten Wochen gelungen, die Republikanische Partei noch fester in seinen Griff zu bekommen. In den Bundesstaaten Louisiana, Kentucky und Indiana wurden Vertreter der Grand Old Party (GOP), die es wagten, auch nur einen Hauch von Kritik an ihm zu äussern, in den Vorwahlen abgestraft. In Texas unterstützt Trump mit Ken Paxton einen Kandidaten, der so korrupt ist, dass er von den Republikanern impeached wurde.
Mehr Mittelfinger geht nicht. «Trumps imperiales Gehabe, seine blasierten Seitenbemerkungen und seine selbstgefälligen Entscheidungen (…) schaffen den Eindruck eines Präsidenten, der sich durch nichts erschüttern lässt und an dem die Anliegen seiner Wähler abprallen», stellt Frank Bruni in der «New York Times» fest.
Es gibt jedoch auch einen ganz anderen Trump in diesen Tagen, einen Mann, der jammert und nicht mehr weiter weiss, vor allem, wenn es den von ihm angezettelten Krieg gegen den Iran betrifft. «Der Iran will einen Deal, der gut wäre für die USA und alle, die mit uns sind», postete der Präsident auf seiner Plattform Truth Social. «Aber warum verstehen die Dummoraten (so nennt er neuerdings die Demokraten) und verschiedene, anscheinend unpatriotische Republikaner nicht, dass es für mich VIEL härter ist, meinen Job gut zu machen und zu verhandeln, wenn politische Zaungäste ständig negative Bemerkungen in einem Ausmass wie nie zuvor machen?»
Was den Irankrieg betrifft, ist Trump in einer Endlos-Spirale gefangen. Seit Monaten kündigt er in regelmässigen Abständen an, ein Deal stehe unmittelbar bevor, und zwar ein viel besserer Deal, als Präsident Barack Obama seinerzeit abgeschlossen hatte, den er grundlos aufgekündigt hatte, nur um wenig später kleinlaut eingestehen zu müssen, es sei leider doch nicht so weit.
Trotzdem verbreitet der Präsident weiter Optimismus. «Sitzt ab und entspannt euch. Am Schluss wird alles gut – so wie das immer der Fall ist», postete er kürzlich.
Überhaupt postet der Jammer-Trump wie ein Irrer. Über das Wochenende setzt er gleich zweimal rund 60 Beiträge ab, in denen er Gott und die Welt, aber vor allem Richter, Demokraten und abtrünnige Republikaner beschimpft. Ein älteres Familienmitglied, das sich so verhält, schickt man vorsorglich zum Alzheimer-Test. Beim amerikanischen Präsidenten gilt dies mittlerweile als normal.
Doch alle Posts der Welt öffnen weder die Strasse von Hormus, noch wenden sie politischen Schaden an der Heimatfront ab. Gerade dort musste Trump in den letzten Tagen empfindliche Niederlagen einstecken. Hier eine unvollständige Aufzählung der wichtigsten:
- Aus dem geplanten Schmiergeldfonds von rund 1,8 Milliarden Dollar wird wohl nichts. Zu stark ist der Widerstand selbst innerhalb der GOP. Zudem haben gleich zwei Richter mit ihren Verfügungen dieses unsägliche Machwerk vorläufig auf die lange Bank geschoben.
- Trumps Feier zu seinem 80. Geburtstag steht unter einem schlechten Stern. Ein riesiger Käfig, in dem UFC-Fighter gegeneinander kämpfen sollen, verwüstet den Rasen vor dem Weissen Haus, oder was nach dem Abbruch des Ostflügels noch davon geblieben ist. Experten warnen, dass in der schwülen Sommerhitze von Washington diese Kämpfe zu gefährlich seien, und das Zuschauerinteresse scheint ebenfalls überschaubar zu sein. Notfallmässig wurden daher Tickets an Soldaten verteilt, aus optischen Gründen allerdings nur an solche, die nicht dick sind.
- Noch schlimmer steht es um die 250-Jahr-Feier. Dort haben fast alle Stars, die für das Eröffnungskonzert vorgesehen waren, abgesagt. Jetzt will Trump stattdessen eine MAGA-Rally abhalten.
- Die ehemalige Justizministerin Pam Bondi hat bei einem nicht öffentlichen Hearing auf die Frage, ob Trump von Epsteins Verbrechen gewusst habe, mit «Ich weiss es nicht» geantwortet. Das wird nicht unbedingt als Beweis für die Unschuld des Präsidenten gewertet.
- Die Regierung setzt alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass sie 166 Milliarden Dollar widerrechtlich eingenommene Zolleinnahmen zurückzahlen muss. Dazu ist sie jedoch nach einem Urteil des Obersten Gerichtshofs verpflichtet.
- Trumps Board of Peace, seine Alternativ-Uno, ist pleite, weil die wenigen Mitglieder Milliardenbeiträge zwar zugesagt, aber nicht geliefert haben. Der einst so gefeierte Friedensplan für Gaza ist derweil zu einer vagen Erinnerung geworden. Die Hamas behält ihre Waffen und die Israelis bombardieren weiter.
- Schliesslich werden die amerikanischen Farmer – grundsätzlich überzeugte Trump-Wähler – sauer. Wegen des Zollstreits kaufen die Chinesen ihre Sojabohnen in Brasilien, und wegen des Irankriegs haben sich die Kosten für Düngemittel massiv erhöht. Im letzten Jahr sind den Farmern deswegen rund 35 Milliarden Dollar durch die Lappen gegangen. Rund 15'000 Farmer haben Konkurs angemeldet. So viel zu «Make Our Farmers Great Again».
Trumps hochmütiges Verhalten ist daher kein Beweis, dass alles nach Plan läuft, es ist Pfeifen im dunklen Walde, oder wie es Frank Bruni formuliert: «Es tönt wie Verzweiflung. (…) Trump entfernt sich immer mehr von der Realität, aber er ist noch nicht ins Koma gefallen. Unter dieser Maske des Hochmuts schwitzt er wie ein Verrückter.»
