«Rubios Rache»: So nutzt Rubio die Nähe zu Trump, um seine Ziele zu verwirklichen
Humor hat er ja. Marco Rubio dementierte am Donnerstag das Online-Gerücht, er sei daran interessiert, die Führung des NFL-Teams Miami Dolphins, das nach einer katastrophalen Football-Saison gerade einem neuen Coach suchen muss, zu übernehmen.
Er müsse sich auf «globale Ereignisse» konzentrieren, schrieb der amerikanische Chefdiplomat, über dessen Ämterfülle in Washington immer wieder gewitzelt wird. So übt Rubio nicht nur die Doppelfunktion eines Aussenministers und Beraters für nationale Sicherheit aus, so wie zuletzt Henry Kissinger von 1973 bis 1975. Dank der eigenwilligen Personalpolitik von Präsident Donald Trump amtiert der 54-Jährige auch als Chefarchivar der Bundesregierung.
Und damit steht Rubio nicht nur auf dem vorläufigen Höhepunkt der Macht, als aussenpolitischer Chefstratege eines Präsidenten, der die Welt immer wieder überrascht. Er ist nach fast 30 Jahren im Politbetrieb auch seinem grossen politischen Ziel so nahe gerückt, dass selbst sein Lieblings-Football-Team keine wichtige Rolle mehr spielt.
Denn nach der Entmachtung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro strebt Trump in einem nächsten Schritt den Sturz des Regimes auf Kuba an. Und Rubio, Sohn kubanischer Migranten, sähe nichts lieber als die Befreiung von Havanna aus den Klauen der Kommunisten. Bereits witzelte der amerikanische Präsident deshalb, die kommenden Ereignisse auf der karibischen Insel könnten als «Marcos Rache» beschrieben werden. «Marco Rubio ist mit Kuba sehr vertraut», sagte Trump diese Woche in einem Fernsehinterview.
Amerikanische Traum verwirklicht
In der Tat. Obwohl Rubio sein ganzes Leben in den USA verbracht hat, ist er ein Kind Kubas. So spricht er als einer der wenigen führenden Politiker der Republikanischen Partei fliessend Spanisch, die zweitwichtigste Sprache des Landes.
Rubio ist aber auch ein ausserordentlich anpassungsfähiger Politiker. Seine Lebensgeschichte präsentierte er den Wählerinnen und Wählern deshalb als die Verwirklichung des amerikanischen Traums: Ein Kind aus einfachen sozialen Verhältnissen, das es dank harter Arbeit ganz nach oben geschafft hat.
Einige Facetten seiner Biografie passen nicht zu dieser sorgsam konstruierten Geschichte. Während seines rasanten Aufstiegs übertünchte Rubio sie deshalb. So erweckte er zumindest in jungen Jahren den Eindruck, als seien seine Eltern nach der Machtübernahme von Fidel Castro im Jahr 1959 aus Kuba geflüchtet. Doch das stimmt so nicht. Mario und Oriales Rubio verliessen die Insel bereits drei Jahre zuvor, unter Castro-Vorgänger Batista, und zwar vornehmlich aus wirtschaftlichen Gründen. Ein Grossvater von Rubio arbeitete kurze Zeit gar für das neue kommunistische Regime, flüchtete 1962 aber.
Entdeckt wurde Rubio von Jeb Bush
Am besten lässt sich die Geschmeidigkeit Rubios anhand der Mentoren illustrieren, auf die er sich während seines politischen Aufstiegs abgestützt hatte. Zuerst war da Jeb Bush, Gouverneur von Florida von 1999 bis 2007 und jüngerer Bruder des damaligen Präsidenten. Unter Bush verwandelte sich der «Sunshine State» in ein Labor konservativer Ideen.
Und Rubio verkörperte die Speerspitze dieser Bewegung. Er war ein Reformer mit Vorzeige-Familie, jung, charismatisch, optimistisch und als Latino auch das Aushängeschild einer neuen Generation von republikanischen Amtsträgern. Das rechte Pendant zu Barack Obama.
2010 nutzte Rubio dieses Sprungbrett, um eine hart umkämpfte Wahl in den Senat zu gewinnen. Bush unterstützte ihn damals, gegen den Willen des Parteiestablishments in Florida. Doch sechs Jahre später brach Rubio mit seinem Mentor. Er stieg ins Rennen um die Nomination zum Präsidentschaftskandidaten, obwohl auch Bush kandidierte.
Beide scheiterten an Trump, dem Gründervater der neuen Republikanischen Partei. Bush zuerst, Rubio wenig später.
In Erinnerung geblieben aus diesem Wahlkampf sind die heftigen Attacken Rubios auf den späteren Präsidenten. Trump sei ein Scharlatan, sagte er mehrmals; auch riss er zotige Witze über Trumps Männlichkeit und sagte: «Und wir alle wissen, was man über Männer mit kleinen Händen sagt.»
Nicht wenige Beobachter waren deshalb der Meinung, dass Rubio künftig den Anti-Trump-Flügel der Republikaner anführen werde. Schliesslich hatte er sich in der Vergangenheit für eine besonnene Migrationspolitik stark gemacht und auf das grosse Wählerpotenzial unter den Latinos aufmerksam gemacht.
Architekt der Aussenpolitik
Doch Rubio hatte andere Pläne. Im Senat wurde er während der ersten Amtszeit Trumps rasch zu einem zuverlässigen Verbündeten des unkonventionellen Präsidenten – obwohl er als aussenpolitischer Falke mit dessen Isolationismus wenig anfangen konnte. Auch als sich Trump nach seiner Niederlage 2020 ins Exil nach Florida zurückziehen musste, liess Rubio ihn nicht fallen. Bereits im April 2021 veranstaltete er in Trumps Residenz Mar-a-Lago in Palm Beach (Florida) eine Spendengala.
Nach seinem erneuten Wahlsieg im Jahr 2024 belohnte Trump diese Loyalität. Und Rubio ist nun, nach dem Präsidenten, der wichtigste Architekt der amerikanischen Aussenpolitik. Er kann die Zukunft der westlichen Hemisphäre gestalten, zu der auch Venezuela und Kuba gehören.
Eine solche Gelegenheit lässt sich ein Mann wie Marco Rubio, Sohn von Mario und Oriales, nicht entgehen. (aargauerzeitung.ch)
