Marco Rubio muss Trumps Irrsinn «ausputzen» – und schielt auf 2028
Die Kommandoaktion gegen Venezuela und dessen «Paria-Präsidenten» Nicolás Maduro hat Donald Trump beflügelt. Er droht mit weiteren Interventionen und schont selbst demokratisch gewählte Staatschefs wie Kolumbiens Gustavo Petro oder das NATO-Land Dänemark nicht. Die ihm zugehörige Insel Grönland will sich der US-Präsident einverleiben.
Dabei sei ein Militäreinsatz eine Option, sagte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt am Dienstag. Ganz anders äusserte sich Aussenminister Marco Rubio tags zuvor gegenüber Kongressmitgliedern. Die USA wollten nicht in Grönland einmarschieren, sondern die Insel kaufen, berichtete etwa die «New York Times». Die Dänen wird dies kaum beruhigen.
Für Trumps zweite Amtszeit, in der sich der Präsident vom Isolationisten zum Imperialisten gewandelt hat, ist es dennoch ein typischer Vorgang. Marco Rubio, der 54-jährige ehemalige US-Senator aus Florida, spielt den «Ausputzer», der die Eskapaden seines Chefs bereinigen und empörte Gemüter beruhigen soll. Es ist eine nicht ganz einfache Gratwanderung.
Beispiel Venezuela: Während sich Trump im Erfolg sonnte, hielt Rubio den Kopf hin. In Fernsehinterviews betonte er, dass keine Zustimmung des Kongresses notwendig gewesen sei («Es war keine Invasion, sondern eine Festnahme»). Die USA wollten auch Venezuelas Öl nicht, sondern verhindern, dass die riesigen Vorräte von Rivalen kontrolliert würden.
Beispiel Europa: In seiner neuen Sicherheitsstrategie hat das Weisse Haus die europäischen Verbündeten scharf attackiert und gar als Bedrohung bezeichnet. Diese waren konsterniert, doch Rubio bemühte sich, die Wogen zu glätten. Es gehe darum, dass sich Europa auf gemeinsame Werte und Prinzipien besinne, sagte er an einer Medienkonferenz.
Beispiel Ukraine: Donald Trump will den Krieg beenden und zeigt viel Verständnis für den Aggressor Russland. Gleiches gilt für den Sondergesandten Steve Witkoff. Während der Aussenminister sich zumindest bemüht, dass die Ukraine nicht unter die Räder kommt. «Es wird kein Abkommen ohne Zustimmung der Ukraine geben», sagte Rubio im Dezember.
In anderen Bereichen zeigte sich Marco Rubio durchaus «linientreu», etwa als er kürzlich Sanktionen gegen Personen und Organisationen in Europa verhängte, die sich gegen Hass im Netz engagieren und aus Sicht der USA die Meinungsfreiheit – oder vielmehr das Geschäftsmodell der Tech-Giganten – gefährden. Die Kritik aus Europa war heftig.
«Little Marco» kommt gross heraus
Rubio dürfte dies kaltlassen. Der Sohn von Exilkubanern gilt als einer der wenigen «Vernünftigen» in der zweiten Regierung von Donald Trump und hat sich dennoch – oder deshalb – in kurzer Zeit eine beeindruckende Machtfülle angeeignet. Er ist Aussenminister, nationaler Sicherheitsberater und Leiter des US-Nationalarchivs in Personalunion.
Der Präsident scheint ihn zu schätzen. Auf mögliche Nachfolger angesprochen, nannte Trump neben Vizepräsident J.D. Vance explizit Marco Rubio. Was diesem gefallen haben dürfte, denn er ist sehr ehrgeizig. Er wollte schon 2016 Präsident werden und bezeichnete Trump damals als «Hochstapler». Dieser revanchierte sich, indem er Rubio als Little Marco verspottete.
Taktisches Geschick
Am Ende wurde Rubio von der Trump-Walze überrollt. Er blieb im Senat und schaffte es offenbar, sich Trumps Vertrauen zu erwerben, ohne zum A…kriecher zu werden wie etwa sein Kollege Lindsey Graham. Das ist angesichts der Vorgeschichte bemerkenswert und spricht für das taktische Geschick – oder den Opportunismus – des Latino-Republikaners.
Denn natürlich geht es bereits um die Präsidentschaftswahl 2028. Es zeichnet sich ab, dass Donald Trump wohl doch keine – verfassungswidrige – dritte Amtszeit anstreben wird. In der Pole-Position für die Nachfolge steht J.D. Vance. Er empfahl sich der MAGA-Basis kürzlich am AmericaFest der Organisation Turning Point USA als «Thronfolger».
Alternative zu MAGA-Vance
Beim Venezuela-Raid und in den Folgetagen aber blieb Vance unsichtbar, während Marco Rubio omnipräsent war. Die Festnahme Maduros verfolgte er im improvisierten «War Room» in Mar-a-Lago neben Donald Trump. Das erhöht seine Chancen im Hinblick auf 2028. Auf dem kryptobasierten Prognosemarkt Polymarket liegt er bereits auf Platz 3.
Seine Rolle als «Ausputzer» ist nicht ohne Risiko. So teilte Trump am Dienstag auf Truth Social mit, die USA wollten eben doch Zugriff auf das venezolanische Öl und bis zu 50 Millionen Barrel einführen. Offenbar will der Präsident um jeden Preis einen tiefen Öl- und Benzinpreis, auch wenn er damit die einheimischen Fracking-Produzenten verärgern dürfte.
Genau das könnte aber auch eine Chance für Marco Rubio sein. Wenn Trump bis 2028 den Karren vollends in den Dreck fährt, könnten die Republikaner zum Schluss kommen, dass sie keinesfalls einen MAGA-Mann für die Nachfolge nominieren wollen. Vance wäre aus dem Spiel, und Marco Rubio könnte zum Zug kommen. Er stünde auf jeden Fall bereit.
