Europäer drängen Trump zu Kriegsende – und engagieren sich am kritischen Punkt
Das G7-Meeting begann schon in der Luft: Noch im Anflug auf Paris erklärte US-Aussenminister Marco Rubio, die Europäer müssten sich ebenfalls dafür einsetzen, dass die Meerenge von Hormus für die Öl- und Gastransporte wieder beschiffbar werde. Das sei auch im wirtschaftlichen Interesse von Deutschland, Grossbritannien, Frankreich und Italien, zu denen im G7-Format auch die USA, Japan und Kanada zählen.
Rubio hatte den ersten Tag des Ministertreffens bewusst geschwänzt; einmal in Cernay-la-Ville südwestlich von Paris angekommen, verzichtete er aber auf die schrillen antieuropäischen Töne, die in Washington üblich geworden sind. Das ist mit ein Indiz, dass Präsident Donald Trump selber unter starkem Druck steht.
Mit falscher Generosität verlängerte er die Frist für die Freigabe der Hormus-Strasse durch den Iran auf zehn Tage. Bis am 7. April soll es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke geben. Die Verhandlungen mit Teheran soll Vizepräsident JD Vance für die amerikanische Seite leiten.
Zugleich vermeldeten US-Medien allerdings, dass Washington die bereits im Mittleren Osten stationierten US-Truppen von 10'000 auf 18'000 aufstocken will. Das könnte genügen, um eine Insel im Persischen Golf zu besetzen – aber auf keinen Fall, um einen Regimewechsel in Teheran zu bewirken. Diskutiert wird, ob es sich dabei um einen Bluff oder ein Druckmittel handelt. Die israelische Luftwaffe griff derweil Rüstungsfabriken im Iran an.
Flugzeugträger aus Europa
Die französischen G7-Gastgeber erneuerten ihre Bereitschaft, zur Absicherung des Schiffverkehrs rund um Hormus beizutragen – wenn der Krieg einmal beendet sei. Präsident Emmanuel Macron hatte diese Bedingung schon vor zwei Wochen gestellt, als er den Flugzeugträger Charles-de-Gaulle in die Kriegsregion entsandte.
Die Franzosen sind verschnupft, weil Trump die Nato-Verbündeten vor seinen Luftschlägen gegen Iran nicht vorinformiert, geschweige denn eingebunden habe. Rubio konterte vor seiner ersten Auslandreise seit Kriegsbeginn, die Europäer hätten auch später nicht mitgemacht, als Trump sie darum ersucht hatte.
Der französische Aussenminister Jean-Noël Barrot hatte bewusst auch den ukrainischen Aussenminister Andrij Sybiha an das G7-Treffen eingeladen, um ihn mit Rubio zusammenzubringen. Er zeigte sich besorgt, dass Trump die Ukraine fallen lassen könnte, um sich auf den Brandherd Iran zu konzentrieren. «Das würde nur Wladimir Putin in die Hände spielen», befürchtete der deutsche Aussenminister Johann Wadephul. Die USA würden dagegen Schaden nehmen, warnte Wadephul. Die G7-Partner müssten deshalb den Druck auf den russischen Energiesektor mit Sanktionen und dem Kampf gegen Putins Schattenflotte aufrechterhalten.
Das war vielleicht die auffälligste Erkenntnis des G7-Treffens: Während Rubio darauf verwies, dass die Europäer an einer Befriedung des Iran Interesse hätten, erinnern die Europäer die Amerikaner an deren Interesse an einer Eingrenzung russischer Expansionsgelüste in der Ukraine. Bisher sassen eher die Europäer in der Klemme: Sie mussten befürchten, dass sich Trump für das europäische Abseitsstehen im Iran rächen könnte, indem er die Ukraine aufgibt. «Die Ukraine, das ist nicht unser Krieg», sagte der amerikanische Präsident vor dem G7-Treffen als sehr direkte Antwort auf Sprüche vieler europäischer Politiker, der Krieg im Iran sei nicht der Krieg der Europäer.
Je stärker die US-Regierung aber weltwirtschaftlich unter Druck gerät, desto mehr hört sie die ukrainischen Standpunkte zumindest an. Nach dem Treffen der G7-Minister lobten Teilnehmer das «freundschaftliche und gute» Gespräch mit Rubio. Für einmal sind beide Seiten bemüht, die transatlantischen Positionen anzunähern.
Was den Knackpunkt Hormus betrifft, schalteten sich diese Woche laut Pressemeldungen 30 alliierte Generalstabschefs zusammen, um Wege zur Sicherung der Hormus-Strasse nach Kriegsende zu beraten. Auch dieses Brainstorming unter Alliierten zeigt, dass beidseits des Atlantiks das Bemühen zunimmt, am gleichen Strick zu ziehen. (aargauerzeitung.ch)

