Merz wirft Trump «massive Eskalation» im Iran-Krieg vor
Bundeskanzler Friedrich Merz hat US-Präsident Donald Trump persönlich scharf für sein Agieren im Iran-Krieg attackiert. «Was Trump da im Augenblick macht, ist nicht Deeskalation und der Versuch, da eine friedliche Lösung hinzubekommen, sondern eine massive Eskalation mit offenem Ausgang», sagte Merz auf dem «F.A.Z.-Kongress 2026».
Merz glaubt nicht an Regime-Change
Merz bezweifelte auch, dass ein Sturz der Führung im Iran erreicht werden kann. «Ist das Thema Regime-Change wirklich das Ziel?», fragte er.
Er sei nicht überzeugt davon, dass das, was die USA und Israel im Iran-Krieg machten, zum Erfolg führen kann.
Zuvor hatte US-Präsident Trump Deutschland wegen der ausbleibenden Hilfe bei der Sicherung der Strasse von Hormus kritisiert. Er habe es als «unangemessen» empfunden, dass von deutscher Seite geäussert worden sei: «Das ist nicht unser Krieg.» Das sagte der Republikaner am Donnerstag während einer Kabinettssitzung im Weissen Haus. Trump nannte keinen konkreten Namen, schrieb die Äusserung aber der Spitze zu («the head of Germany»). Der Satz stammt ursprünglich von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Inakzeptabler Umgang
Merz sagte, dass diese Formulierung ihm zu einfach sei. «Natürlich sind die Folgen dieses Krieges auch Folgen, die wir zu tragen haben, sehr unmittelbar», sagte er. Er verwies auf Raketen des Iran, die über 3000 Kilometer weit reichen und Europa treffen könnten. «Also das sind schon ernsthafte Gefährdungen, gegen die wir uns schützen müssen.»
Merz schilderte aber auch, was er Trump in einem Telefonat am Sonntag zu dessen Kritik an ausbleibender Hilfe der Verbündeten gesagt habe: «Ich habe ihm gesagt, wenn du willst, dass wir helfen, dann frag uns bitte vorher, upfront (im Voraus), und nicht über die Zeitungen hinterher. Das ist ein Umgang, den wir einfach nicht akzeptieren können. Das werden wir auch nicht zulassen.»
Kein Krieg der Nato
Nach Einschätzung des Kanzlers hat Trump akzeptiert, dass die Nato-Verbündeten sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen. Merz sagte, der US-Präsident habe ihm zwei oder drei Mal in dem halbstündigen Gespräch gesagt: «I don't need Nato.» (Ich brauche die Nato nicht.) Merz meinte:
Für die Zeit nach Ende des Krieges habe er Trump aber Hilfe bei der militärischen Absicherung der Strasse von Hormus zugesagt. Merz sagte auch, dass er sich konkret einen Einsatz der Bundeswehr zur Minenräumung vorstellen könne.
Merz kann sich Minenräumung vorstellen
«Das können wir. Und wenn wir danach gefragt werden und das im Rahmen eines wirklichen Mandates kollektiver Sicherheit geschieht – also Vereinte Nationen, Nato, Europäische Union – mit einem Bundestagsbeschluss, ist das eine Option», sagte er. Die Bundeswehr verfügt über mehrere Minenjagdboote.
Merz wies aber auch darauf hin, dass die Strasse von Hormus derzeit «offensichtlich gar nicht vermint» werde. Er wisse auch nicht, ob der Iran das plane. «Also wir diskutieren hier ziemlich theoretisch.»
Keine Prognose zu Kriegsende
Eine Prognose, wann der Krieg enden könnte, wollte Merz auch nicht abgeben. Seit Tagen gehe ihm dazu folgender Gedanke durch den Kopf: Bei Kriegen, die ein paar Tage dauern sollten, seien das grösste Problem die letzten zwei Jahre.
(sda/dpa)
