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Kann Trump Putins Schwäche ausnützen?

Kann Trump Putin und Xi Jinping auseinanderreissen?
Zerreissprobe – Kann Trump Putins Schwäche ausnützen?Bild: watson/keystone
Analyse

Kann Trump Putins Schwäche ausnützen?

Der gewählte US-Präsident will die Partnerschaft zwischen Russland und China sprengen.
10.12.2024, 11:5910.12.2024, 12:54
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In seinem Interview mit Tucker Carlson im vergangenen Oktober erklärte Donald Trump grossspurig: «Was niemand je erleben will, ist, dass sich China und Russland verbünden. Ich muss die beiden wieder auseinanderbringen, und ich denke, ich kann das auch.»

Die Zeit, diese hochtrabenden Worte in die Tat umzusetzen, scheint gekommen zu sein. Wladimir Putin hat in Syrien soeben eine sehr schmerzhafte Niederlage erlitten, und all seine Spin-Doktoren werden dies nicht mehr aus der Welt schaffen können. «Sie können nicht davon ablenken, dass das Fallenlassen von Mr. al-Assad das klarste Anzeichen dafür ist, dass es – seit Putin die Ukraine überfallen hat – Grenzen der russischen Macht gibt», wie Russland-Expertin Hanna Notte in der «New York Times» festhält.

Auch die russische Wirtschaft schwächelt

Nicht nur militärisch werden Putin die Grenzen aufgezeigt, auch wirtschaftlich läuft es derzeit schlecht für ihn. In Russland gibt es zwar praktisch keine Arbeitslosen mehr, doch der Grund dafür ist keine boomende Wirtschaft, sondern die Tatsache, dass mittlerweile gemäss Angaben des britischen Geheimdienstes über 700’000 Männer in der Ukraine entweder getötet oder verletzt worden sind. Um nicht in diesen mörderischen Krieg einbezogen zu werden, haben zudem schätzungsweise mehr als eine Million junge Männer Russland verlassen, die meisten davon gut ausgebildet. Der Arbeitsmarkt ist daher völlig ausgetrocknet.

Auch die Sanktionen des Westens und das Umstellen auf eine Kriegswirtschaft zeigen allmählich Folgen. Die offizielle Inflation hat 8 Prozent überstiegen, die inoffizielle dürfte deutlich höher sein. Deshalb musste die Zentralbank den Leitzins auf über 20 Prozent emporschrauben. Trotzdem ist der Rubel vor ein paar Wochen eingebrochen und wird derzeit nicht mehr gehandelt. Ausgelöst wurde der Rubel-Crash dadurch, dass auch die Gazprom-Bank als letztes russisches Finanzinstitut vom Handel mit westlichen Devisen ausgeschlossen wurde.

Das Unternehmen Gazprom, lange so etwas wie die Visitenkarte der russischen Wirtschaft, hat derweil für das Jahr 2023 einen Verlust in der Höhe von 7,3 Milliarden Dollar vermeldet.

epa09939876 The Gazprom building on Moskovsky Prospekt in St. Petersburg, Russia, 11 May 2022. The International Gas Union (IGU), of which Gazprom is a member, has suspended, until further notice, any ...
7,3 Milliarden Verlust: Gazprom.Bild: keystone

Trump hält bekanntlich grosse Stücke auf Putin. Seine Wiederwahl ist daher ein Plus für den russischen Präsidenten. «Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, dass die kommende US-Regierung versuchen wird, die chinesisch-russische Partnerschaft zu beschädigen, indem sie die Beziehungen zu Moskau verbessert und Peking unter Druck setzt», stellt Alexander Gabuev im Magazin «Foreign Affairs» fest. Gabuev ist Direktor des Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin.

Trumps Deal mit Putin könnte in groben Umrissen wie folgt aussehen: Entlang den aktuellen Frontlinien soll ein Waffenstillstand geschlossen werden. Die Ukraine bleibt eine souveräne Nation, doch eine NATO-Mitgliedschaft wird bis auf Weiteres auf Eis gelegt.

Auf den ersten Blick scheint dieser Deal attraktiv für Russland zu sein. «Doch bis heute deutet nichts darauf hin, dass Putin bereit ist, von seinen maximalen Forderungen abzuweichen», so Gabuev. Konkret heisst das: Putin will nach wie vor eine Demilitarisierung der Ukraine und eine unter seiner Fuchtel stehende Marionettenregierung in Kiew.

In Peking dürfte man weniger Freude an Trumps Wahlsieg gehabt haben. Die Biden-Regierung hat zwar die von Trump in seiner ersten Amtszeit erlassenen Strafzölle nicht aufgehoben. Doch zwischen Peking und Washington herrschte in den letzten vier Jahren eine mehr oder weniger stabile und berechenbare Beziehung.

epa11678014 Russian President Vladimir Putin (R) and Chinese President Xi Jinping take part in an official welcoming ceremony for delegations' heads at the BRICS 2024 Summit in Kazan, Russia, 23  ...
Mehr als eine Bromance: Xi Jinping und Wladimir Putin.Bild: keystone

Das dürfte sich mit Trump ändern. Der gewählte Präsident hat sein Kabinett mit China-Falken bestückt und will bekanntlich die Strafzölle gegenüber China nochmals deutlich erhöhen. Ob Elon Musk daran etwas ändern kann, ist fraglich. Der Schattenpräsident lässt zwar fast die Hälfte seiner Teslas in Schanghai zusammenschrauben. Trotzdem wird es ihm kaum gelingen, die harte Linie gegenüber Peking massgeblich zu beeinflussen.

Nicht nur Trump, auch Xi Jinping versammelt sich mit Hardlinern. «Seit 2022 umgibt sich Xi mit Leuten, die ein schwaches internationales Profil aufweisen, die kein Englisch sprechen, und die seit ihrer Beförderung ins Politbüro für Washington kaum zugänglich sind», stellt Gabuev fest.

Die Partnerschaft zwischen Russland und China ist weit mehr als eine Bromance zwischen Putin und Xi. Russland ist mittlerweile wirtschaftlich von China in hohem Masse abhängig geworden. Fast die Hälfte seiner Importe stammen aus China und rund ein Drittel seiner Exporte gehen ins Reich der Mitte. «Diese Abhängigkeit vertieft sich und kann nicht über Nacht wieder aufgehoben werden», so Gabuev.

Russlands militärischer Grössenwahn hat im Nahen Osten einen empfindlichen Rückschlag erlitten, seine Wirtschaft gerät immer mehr in Schwierigkeiten. Daraus zu folgern, dass es Trump daher gelingen wird, einen raschen Deal mit Putin abzuschliessen und Xi elegant auszubremsen, dürfte jedoch ein Fehlschluss sein. Oder wie Gabuev schreibt: «Das Letzte, worüber sich Putin und Xi den Kopf zerbrechen müssen, ist die Möglichkeit, dass Washington zwischen ihnen ein Zerwürfnis herbeiführen kann.»

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132 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Divico111
10.12.2024 12:32registriert November 2021
Was hier aufgezeigt wird ist eine ganz Schwache Nummer. Die Ukraine soll alles hergeben für nichts? so verhandeln kann jeder. Es wird nur einen gerechten Frieden geben, wenn man Putin die Eisenfaust zeigt. Das heisst man muss ihm Drohen. Nur diese Sprache versteht er. Ich hoffe dass Trump hier liefert.
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Auster N
10.12.2024 13:26registriert Januar 2022
Trump hat in seinen ersten vier Jahren bewiesen dass er rein gar nichts kann. Warum sollte er hier Erfolg haben. Unrealistischer geht nicht. Er ist eine leere Wasserhose.
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Max Dick
10.12.2024 12:50registriert Januar 2017
Trumps Tweet (oder wie sagt man jetzt?) vom Sonntag deuten wenig darauf hin, dass er Putin in den Hintern kriechen wird. Mehr hat er ihn unter Druck gesetzt. Aber ja, Trump ist ein Wendehals. Wie er wirklich agiert in der Ukrainefrage, werden wir frühestens ab Ende Januar wissen.
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