DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild: keystone
Analyse

Warum Donald Trump nicht von Wladimir Putin loskommt

In der Ukraine herrscht Krieg – doch der Ex-US-Präsident will vom russischen Präsidenten nur eines: Schmutz über Hunter Biden.
31.03.2022, 15:00

Newsmax ist ein amerikanischer TV-Sender, der – soweit das überhaupt möglich ist – rechts von Fox News angesiedelt ist. Dort hat Donald Trump eines seiner vielen Exklusiv-Interviews gegeben und sich dabei auch zu Wladimir Putin geäussert. Das Augenmerk lag dabei nicht auf dem brutalen Krieg gegen die Ukraine. Stattdessen forderte Trump Putin auf, endlich eine längst widerlegte Geschichte zu Hunter Biden aufzudecken.

Kurzer Einschub: In den konservativen Medien kursiert seit Jahren eine Verschwörungstheorie, wonach die Frau des ehemaligen Bürgermeisters von Moskau Hunter Biden rund drei Millionen Dollar überwiesen habe. Wofür, ist unklar. Es gibt nichts, dass die These beweisen könnte. Putin selbst hat sie schon öffentlich zurückgewiesen.

Ausschnitte aus dem Trump-Interview.Video: YouTube/MSNBC

Wie dem auch sei: Trump lässt sich von Tatsachen bekanntlich nicht beirren. Deshalb erklärte er dem Interviewer John Solomon: «Putin ist ja nun nicht gerade ein Fan unseres Landes. Er soll die Sache endlich aufklären. Ich denke, Putin dürfte inzwischen bereit sein, die Antworten zu liefern. Ich bin sicher, dass er sie kennt.»

John Solomon, das nur nebenbei, ist ein Journalist, der in der Hunter-Biden-Geschichte in der Ukraine eine tragende Rolle spielte. Er ist auch ein regelmässiger Gast bei Fox News.

Trump und Putin führen eine Bromance der besonderen Art. Im Wahlkampf 2016 profitierte Trump davon, dass der russische Geheimdienst die E-Mails von Hillary Clinton gehackt und sie zum richtigen Zeitpunkt via Wikileaks an die Öffentlichkeit brachte. 30’000 dieser E-Mails blieben allerdings unentdeckt. Deshalb forderte Trump Russland öffentlich auf, auch diese zu veröffentlichen.

Als Trump in einem TV-Interview darauf angesprochen wurde, dass Putin ein Killer sei, antwortete er: «Wir Amerikaner müssen nicht so scheinheilig tun, wir sind nicht besser.» Und als Trump zusammen mit Putin 2018 in Helsinki an einer Pressekonferenz auftrat, führte er zur Konsternation seiner eigenen Leute aus, er vertraue Putin mehr als seinen eigenen Geheimdiensten.

Zu Beginn des Krieges in der Ukraine schliesslich bezeichnete er Putins Vorgehen als «genial» und «schlau». Er diskreditierte damit den amtierenden Präsidenten des eigenen Landes in einer schweren Krise.

Das Verhalten von Trump ist ein Rätsel. Selbst eine überwiegende Mehrheit der Republikaner verurteilt Putins Krieg. Doch der Ex-Präsident handelt offensichtlich nach der Mafia-Devise: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Konkret: Wer gegen Joe Biden ist, ist für mich – egal ob er ein Massenmörder und ein Kriegsverbrecher ist.

Bringt seinen Vater in Nöte: Hunter Biden.
Bringt seinen Vater in Nöte: Hunter Biden.Bild: EPA

Das Erstaunliche dabei: Trump schiesst sich selbst ins Knie. An der Hunter-Binden-Story scheint tatsächlich etwas zu sein, allerdings führen die Spuren nicht nach Moskau, sondern nach Peking.

Nach der «New York Times» hat sich nun auch die «Washington Post» intensiv mit dem Laptop des Sohnes des US-Präsidenten befasst. Das Resultat spricht nicht wirklich für die Bidens. Aber der Reihe nach:

Am 12. April 2019 brachte Hunter Biden sein defektes MacBook Pro zur Reparatur in einen Laden in Wilmington (Bundesstaat Delaware). Darauf waren beinahe 129’000 E-Mails gespeichert. Trotz mehrmaligen Ermahnungen holte Biden diesen Laptop nie ab. Schliesslich hatte der Besitzer des Ladens, John Paul Mac Isaac, die Nase voll. Er verständigte das FBI. Dieses beschlagnahmte den Laptop. Isaac hatte allerdings zuvor eine Kopie des Harddrives angefertigt.

Auf verschlungenen Wegen gelangte eine Kopie dieser Kopie in die Hände von Steve Bannon und Rudy Giuliani. Diese wiederum leiteten sie an die «New York Post» weiter, einem zum Murdoch-Imperium gehörenden Revolverblatt, das auf alles schiesst, was nach Demokraten riecht. Das Blatt machte daraus eine Sensationsstory, die besagte, dass der Biden-Sohn bestochen war und dass auch sein Vater davon profitiert hatte.

Die Story der «New York Post» schlug keine grossen Wellen. Das Blatt geniesst nicht den besten Ruf, Giuliani und Bannon auch nicht. Namhafte Experten äusserten zudem den Verdacht, das Ganze sei eine neue, vom russischen Geheimdienst eingefädelte Operation mit dem Ziel, Joe Biden im Wahlkampf zu diskriminieren. Die seriösen Medien liessen daher die Finger davon, Facebook und Twitter verboten eine Weiterverbreitung auf ihren Kanälen. Die konservative Szene heulte auf.

Hunter Biden mit seinem Sohn Beau.
Hunter Biden mit seinem Sohn Beau.Bild: keystone

Nun aber zeigt sich, dass zumindest ein Teil dieser E-Mails authentisch zu sein scheint. Die «Washington Post» hat mittlerweile ebenfalls eine Kopie des Harddrives erhalten und liess diese von zwei namhaften Experten überprüfen. Sie kamen zum Schluss, dass die Faktenlage zwar «ein Chaos» sei, doch dass rund 22’000 dieser E-Mails wahrscheinlich keine Fälschungen seien.

Aus diesen E-Mails geht hervor, dass Hunter Biden zusammen mit seinem Onkel James Biden einen grossen Deal mit CEFC China Energy geplant hat. Es ging dabei um Öl- und Gasgeschäfte in Afrika. Die Sache ist wie üblich kompliziert. Doch offenbar haben Hunter Biden und sein Onkel insgesamt 4,8 Millionen Dollar erhalten. Es gibt keinerlei Anzeichen, dass Joe Biden von diesen dubiosen Geschäften gewusst hatte oder gar involviert war.

Hunter Biden befand sich zum Zeitpunkt, als diese Geschäfte geplant wurden, in einer schweren Lebenskrise. Er war hoch verschuldet, seine Frau hatte sich scheiden lassen, er war Vater einer unehelichen Tochter geworden und war Crack-süchtig. Das amerikanische Justizministerium ermittelt nach wie vor in diesem Fall.

Der auf die Ukraine und Putin fixierte Trump lenkt vom eigentlichen Hunter-Biden-Skandal ab – und vermasselt den konservativen Medien somit die Tour.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Donald Trump verlässt das Weisse Haus

1 / 19
Donald Trump verlässt das Weisse Haus
quelle: keystone / manuel balce ceneta
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Trump-Parodie auf «Saturday Night Live»

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

74 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
B-Arche
31.03.2022 15:07registriert Februar 2016
Und selbst wenn - Hunter Biden ist eine Privatperson. Was Trump hier versucht ist Sippenhaft weil er Familie als Clan sieht.
13110
Melden
Zum Kommentar
avatar
What’s Up, Doc?
31.03.2022 15:21registriert Dezember 2015
Trump kommt auch von Putin nicht los weil er ohne Russisches Geld schon vor Jahren pleite gegangen wäre. Als ihm keine Bank mehr Kohle gab, stopfte ihm die Deutsche Bank über Russland noch die Taschen voll, damals ging schon nicht alles mit rechten Dingen zu und her. Ich mag gar nicht wissen wieviel Dreck der Lappen am Stiel hat.
1279
Melden
Zum Kommentar
avatar
Asmodeus 3/3
31.03.2022 15:23registriert Dezember 2014
"Warum Trump nicht von Putin weg kommt"

Zwei Worte:

Pipi-Tape
12011
Melden
Zum Kommentar
74
Mindestens elf Tote bei Busunglück in Brasilien

Bei einem Busunglück im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso sind mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Dies berichteten brasilianische Medien unter Berufung auf die Polizei am Dienstag (Ortszeit). Unter den Toten des Unfalls in der Nähe der Stadt Sorriso waren laut dem Nachrichtenportal «G1» eine Mutter und ihr Sohn. Demnach wurden weitere der rund 45 Passagiere schwer verletzt.

Zur Story