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FILE - This file photo from Wednesday Jan. 11, 2017, shows President-elect Donald Trump, left, his chief financial officer Allen Weisselberg, center, and his son Donald Trump Jr., right, during a news conference at Trump Tower in New York. Prosecutors in New York are expected to bring the first criminal charges in a two-year investigation into Trump's business practices, accusing his namesake company and its longtime finance chief Weisselberg of tax crimes. (AP Photo/Evan Vucci, File)
Donald Trump,Allen Weisselberg,Donald Trump Jr

Trio infernal: Vater und Sohn Trump mit Allen Weisselberg im Hintergrund. Bild: keystone

Analyse

Warum die Trump-Anklage der Auftakt zu einem Monsterprozess ist

Die Trump-Organisation und ihr Finanzchef werden formell angeklagt. Wann ist der Ex-Präsident selbst an der Reihe?



Eine Grand Jury in New York hat einer Klage gegen die Trump Organisation stattgegeben. Das bestätigen mehrere Quellen. Die Details werden heute enthüllt. Es ist davon auszugehen, dass es um Steuerhinterziehung geht im Zusammenhang mit Gratiswohnungen, Autos, Schulgeld etc.

Höchstwahrscheinlich wird nicht nur die Trump Org angeklagt, sondern auch deren Finanzchef Allen Weisselberg. Eine Grand Jury übrigens ist ein Gremium, das darüber entscheiden muss, ob eine Anklage überhaupt zugelassen werden darf.

Former President Donald Trump listens to speakers at a border security briefing at the Texas DPS Weslaco Regional Office on Wednesday, June 30, 2021, in Weslaco, Texas. (Joel Martinez/The Monitor via AP, Pool)

Donald Trump hört sich Fragen an bei seinem Besuch in Texas am 30. Juni. Bild: keystone

Auf den ersten Blick erscheint die Anklage relativ harmlos. Dass tüchtige Angestellte Vergünstigungen erhalten und dass diese nicht immer im Detail dem Steueramt gemeldet werden, ist nicht ungewöhnlich. Donald Trump spricht gar von einer «Praxis, die Standard in der amerikanischen Geschäftswelt und absolut kein Verbrechen» sei. Deshalb sei die Anklage einmal mehr eine «politische Hexenjagd» gegen seine Person.

Trump selbst wird vorläufig nicht angeklagt werden, aber sein Unternehmen. Das ist in den USA zwar selten, aber möglich. Der Schaden für die Trump Org dürfte sich jedoch in Grenzen halten. Man weiss, wie dort geschäftet wird und auf wen man sich einlässt.

Viel Lärm um nichts also? Wohl kaum.

Das dem Präsidenten grundsätzlich wohlgesinnte «Wall Street Journal» spricht von einem «schweren Schlag» gegen Trump und das mit gutem Grund. Aber der Reihe nach:

Die Staatsanwaltschaft von Manhattan ermittelt seit Jahren gegen Trump. Staatsanwalt Cyrus R. Vance Jr. hat dabei nichts unversucht gelassen. Dank mehreren Anläufen bis vor den Obersten Gerichtshof hat er erreicht, dass Trump schliesslich seine Steuererklärung herausrücken musste.

FILE - In this Feb. 24, 2020, file photo, Manhattan District Attorney Cyrus Vance Jr., speaks at a news conference in New York. Vance obtained copies of Donald Trump's tax records after the Supreme Court rejected the former president's efforts to prevent them from being handed over. New York Attorney General Letitia James and Vance, both Democrats, have been running parallel investigations into Trump and his businesses for more than two years. Vance's office has been investigating whether the Republican ex-president, his company or people connected to them committed crimes relating to matters including hush-money payments for women who say they slept with Trump, property valuations and employee compensation. (AP Photo/Craig Ruttle, File)

Bringt er Trump ins Gefängnis? Cyrus Vance Jr., Staatsanwalt von Manhattan. Bild: keystone

Vance hat die besten Experten um sich versammelt und er hat schliesslich seine Untersuchung mit derjenigen vereint, welche die Justizministerin des Bundesstaates New York gegen die Trump Org führt. Schliesslich hat er eine spezielle Grand Jury einberufen, die während sechs Monaten dreimal wöchentlich zusammentrifft.

All dies wegen eines banalen Delikts? Nicht sehr wahrscheinlich.

Die Anklage ist vielmehr der Auftakt dessen, was sich zu einem Monsterprozess auswachsen könnte. Um es in der Sprache des Sportes zu sagen: Es ist die erste Runde eines Boxkampfs, in dem sich die beiden Gegner zunächst mal abtasten.

In dieser ersten Runde geht es darum, Allen Weisselberg aus der Reserve zu locken. Bisher hat sich der Finanzchef standhaft geweigert, mit den Untersuchungsbehörden zusammenzuarbeiten und gegen Trump auszusagen. Seine Aussage ist jedoch entscheidend, sollte der Ex-Präsident selbst angeklagt werden können.

Der 73-jährige Allen Weisselberg ist de facto ein Teil der Trump-Familie. 1973 begann er als Freelancer für Trumps Vater Fred zu arbeiten, seit 1986 ist er festangestellt. Er wohnt in Manhattan und hat ein Ferienhaus in Florida, nicht weit entfernt von Mar-a-Lago. Schon öfter ist er mit dem Präsidenten-Jet über das Wochenende in den Sunshine State geflogen.

Allen Weisselberg

Wird er auspacken? Allen Weisselberg.

Auch seine beiden Söhne haben enge Beziehungen zum Trump-Clan. Barry, der ältere, war Chef des Eisfeldes im Central Park, das von der Trump Org gemanagt wird. Der jüngere Jack ist für die Finanzgesellschaft Ladder Capital tätig, mit der die Trump Org geschäftet.

Barry Weisselbergs geschiedene Frau Jennifer vergleicht in der «New York Times» Trump und Weisselberg mit Batman und seinem Sidekick Robin: «Sie sind ein Team. Sie sind nicht die besten Freunde. Sie verbringen nicht allzu viel Zeit miteinander. Aber die Welt ist für Allen kleiner geworden. Ausserhalb der Trump Org kennt er wenig.»

Weisselberg ist ein Workoholic und ein Erbsenzähler im Quadrat. Er ist der Typ, der als erster im Büro auftaucht und es als letzter verlässt. Er ist auch ein Mikromanager. Kein Cent soll angeblich die Trump Org ohne sein Okay verlassen.

Das macht ihn so wertvoll für die Untersuchungsbehörde. Er weiss nicht nur im Detail über die Finanzgeschäfte Bescheid, er weiss vor allem auch, was Trump wusste. Packt Weisselberg aus, kann dieser sich nicht damit herausreden, er hätte bloss das getan, was ihm seine Fachleute geraten haben. Das ist matchentscheidend. Für eine Anklage gegen Trump reicht es nicht, nachzuweisen, dass er Steuern hinterzogen hat. Es muss auch stichhaltig bewiesen werden, dass er davon wusste und es absichtlich tat.

Deshalb geht es erst einmal darum, Weisselberg weich zu klopfen. Für den Finanzchef hat sich das Spiel grundlegend geändert. Weigert er sich zu kooperieren, dann riskiert er eine Gefängnisstrafe, und wer will schon seinen Lebensabend hinter Gittern verbringen? Zudem bringt er auch seine beiden Söhne in Gefahr. Schliesslich dürfte es auch Weisselberg nicht entgangen sein, dass für Trump Loyalität eine Einbahnstrasse ist.

FILE - In this Aug. 21, 2018, file photo, Michael Cohen leaves federal court, in New York. More than two weeks after Donald Trump left the White House, federal prosecutors in New York have not revived the campaign finance investigation that dogged his presidency and sent his former attorney Michael Cohen to prison, according to several people familiar with the case.  (AP Photo/Mary Altaffer, File)
Michael Cohen

Weiss, was auf Weisselberg wartet: Michael Cohen. Bild: keystone

Einer, der bestens weiss, was nun auf Weisselberg zukommt, ist Michael Cohen. Trumps ehemaliger Anwalt und Mann fürs Grobe hat einst damit gepralht, er würde sich für Trump in eine Kugel werfen. Als er mit der vollen Wucht der Untersuchungsbehörde konfrontiert wurde – bei ihm war es das Southern District of New York – zog er bald den Schwanz ein.

Cohen ist überzeugt, dass auch Weisselberg bald «singen wird wie ein Kanarienvogel». Sollte er Recht behalten, dann müssen wir uns langsam um das Popcorn kümmern. Extra large für mich, bitte.

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Donald Trump verlässt das Weisse Haus

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Donald Trump verlässt das Weisse Haus
quelle: keystone / manuel balce ceneta
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