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President Donald Trump holds a photograph of coronavirus as Dr. Steve Monroe,right, with CDC speaks to members of the press at the headquarters of the Centers for Disease Control and Prevention in Atlanta on Friday, March 6, 2020. President Trump's trip to the Centers for Disease Control and Prevention, briefly scuttled Friday because of unfounded fears that someone there had contracted the coronavirus, was back on, giving the president another chance to calm growing alarm about the spread of the virus in America.  (Hyosub Shin/Atlanta Journal-Constitution via AP)

Donald Trump beim Besuch des Seuchenkontrollzentrums in Atlanta. Bild: AP

Analyse

Trump kann die Corona-Krise nicht wegtwittern

Das Coronavirus breitet sich auch in den USA aus. Donald Trump tut alles, um die Krise zu verharmlosen. Kritiker fühlen sich an George W. Bushs Reaktion auf Hurrikan Katrina 2005 erinnert.



Das Coronavirus ist im Kapitol in Washington angekommen. Der ultrakonservative Senator Ted Cruz aus Texas und der Abgeordnete Paul Gosar aus Arizona begaben sich am Sonntag in «Selbst-Quarantäne». Beide hatten an einer Konferenz konservativer Aktivisten zehn Tage zuvor Kontakt mit einer Person, die positiv auf den Erreger getestet wurde.

Er fühle sich gesund und habe keine Symptome, teilte Cruz mit. Angesichts der Inkubationszeit von 14 Tagen aber wolle er vorerst zuhause bleiben. Präsident Donald Trump und sein Vize Mike Pence nahmen an der Konferenz ebenfalls teil, hatten aber angeblich keinen Kontakt mit der Person. Trump hat sich bislang nicht testen lassen.

Die Strategie des Präsidenten im Umgang mit der Krankheit bestand bislang darin, sie erst zu ignorieren und dann zu verharmlosen. «Wir haben einen perfekt koordinierten und ausgefeilten Plan im Weissen Haus für unseren Angriff auf das Coronavirus», twitterte Trump am Sonntag aus seinem Golfresort Mar-a-Lago in Florida, wo er das Wochenende verbrachte.

Abriegelung von Städten ist möglich

Die Experten sehen das anders. Jerome Adams, als Surgeon General eine Art «Oberarzt» der USA, räumte am Sonntag auf CNN ein, man wisse nicht, wie viele Menschen bislang auf das Coronavirus getestet wurden. Man habe 75’000 Testsets zur Verfügung – für eine Nation mit mehr als 300 Millionen Menschen. Bis Ende dieser Woche sollen es vier Millionen sein.

Bis Sonntag hatte sich die Krankheit in den USA auf 34 Bundesstaaten sowie den District of Columbia ausgebreitet. Anthony Fauci, Leiter des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten, bezeichnete es auf Fox News als «möglich», dass ganze Städte abgeriegelt werden müssten, etwa die stark betroffene Wirtschaftsmetropole Seattle.

Nicht wenige Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Viele Amerikaner können oder wollen sich nicht testen lassen. Mehr als 40 Prozent sind im Niedriglohnsektor tätig. Weil es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt, sind sie auf jeden Tagesverdienst angewiesen. Also gehen sie auch zur Arbeit, wenn sie nicht gesund sind.

Vice President Mike Pence bumps elbows with Washington Gov. Jay Inslee, left, during a news conference, Thursday, March 5, 2020 at Camp Murray in Washington state. Pence was in Washington to discuss the state's efforts to fight the spread of the COVID-19 coronavirus, and officials have been avoiding shaking hands to prevent the spread of germs. (AP Photo/Ted S. Warren)

Vizepräsident Mike Pence (r.) und Jay Inslee, der Gouverneur des Bundesstaats Washington, machen den «Corona-Gruss». Bild: AP

Das Coronavirus ist der erste ernsthafte Test für Donald Trumps Krisenmanagement. Bislang hat der Präsident alles andere als brilliert, etwa als er in einem Interview mit seiner Oberhofschranze Sean Hannity andeutete, man könne auch mit einer Infektion arbeiten. Oder als er fragte, warum man nicht einen «soliden Grippe-Impfstoff» gegen das Virus verwende.

Direktorium dicht gemacht

«Wer hätte gedacht, dass so etwas passieren würde?», fragte Trump am Freitag bei einem Besuch im Zentrum für Seuchenkontrolle und Prävention (CDC). Nun treten solche Ereignisse meist unverhofft auf, als eine Art «schwarzer Schwan.» Gleichzeitig gab es Warnungen vor einem solchen Szenario, wie die «New York Times» ausführte.

So hatte Trump 2018 das von Barack Obama eingerichtete Direktorium für globale Gesundheits-Sicherheit im Weissen Haus im Zuge einer «Reorganisation» dicht gemacht. Ein betroffener Beamter sagte damals, die Gefahr einer globalen Grippe-Pandemie sei das grösste Sicherheitsrisiko im Bereich Gesundheit: «Sind wir vorbereitet? Ich fürchte Nein.»

Am 25. Februar bezeichnete Nancy Messonnier, eine führende Beamtin am CDC, einen Ausbruch des Coronavirus in den USA als unvermeidlich: «Die Frage ist nicht ob, sondern wann, und wie viele Menschen in diesem Land ernsthaft erkranken werden.» Im Weissen Haus aber weigerte man sich, diese Warnung zur Kenntnis zu nehmen.

Warnungen abgeblockt

Donald Trump duldet nur Menschen um sich, die ihm sagen, was er hören will. Auf schlechte Nachrichten reagiert er abwehrend. Versuche, den Präsidenten zu warnen und zu Massnahmen aufzufordern, gab es laut Politico seit Januar, als das Ausmass der Epidemie in China klar wurde. Sie wurden von seinen Mitarbeitern abgeblockt.

epa08173025 Director of National Center for Immunization and Respiratory Disease Nancy Messonnier responds to a question from the news media during a press conference on the US public health response to the 2019 novel coronavirus outbreak at the Department of Health and Human Services in Washington, DC, USA 28 January 2020. US health officials recommend avoiding travel to China where the death toll exceeds 100 and the number of infections is skyrocketing.  EPA/SHAWN THEW

Nancy Messonnier bezeichneten den Corona-Ausbruch in den USA als unvermeidlich. Bild: EPA

Nun reagiert Trump erratisch und in bekannt bizarrer Manier. So gab er am Freitag offen zu, dass er das Kreuzfahrtschiff «Grand Princess» nur deshalb nicht anlegen lassen wollte, damit sich die Zahl der Infizierten in den USA nicht erhöht. Dabei sagte sogar Vizepräsident Mike Pence, es sei am besten, die infizierten Passagiere möglichst schnell von Bord zu holen.

Ein «virales Katrina»

Bisherige Krisen wie das Impeachment-Verfahren konnte Donald Trump bewältigen, indem er in in den Angriffsmodus schaltete und so seine Anhänger hinter sich vereinte. Auf das Coronavirus lässt sich diese Strategie nicht anwenden, es ist «ein Feind, den er nicht wegtwittern kann», schreibt die «New York Times».

Bereits gibt es Vergleiche mit dem Hurrikan Katrina, der im August 2005 New Orleans verwüstete. Der Trump-kritische Republikaner Rick Wilson bezeichnete die Corona-Krise als «virales Katrina». Die miserable Reaktion der Behörden auf den Hurrikan schadete der Popularität des damaligen Präsidenten George W. Bush mehr als der Irak-Krieg.

Bush hatte insofern Glück, dass seine Wiederwahl knapp ein Jahr zuvor erfolgt war. Jene von Donald Trump steht in diesem November an. Und die Corona-Krise ist noch lange nicht bewältigt.

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