Wie Trump und Pete Hegseth das Christentum pervertieren
Ostern bedeutet für Christen die Zeit des Optimismus – die Auferstehung von Jesus das Symbol dafür, dass es für die Menschen selbst in schweren Zeiten Hoffnung gibt. Nicht zufällig nahmen daher einst Hunderttausende an Ostern an Märschen teil, in denen für Frieden und gegen atomare Aufrüstung demonstriert wurde.
Der US-Präsident und sein Verteidigungsminister sehen dies anders. Pete Hegseth wähnt sich gar – wie einst die Kreuzritter im Mittelalter – in einem heiligen Krieg der Christen gegen die Ungläubigen.
Hegseth ist im wörtlichen Sinn durch und durch christlich. An seinem rechten Bizeps trägt er ein lateinisches Tattoo Deus vult (Gott will es so). Im Pentagon hat er eingeführt, dass täglich gebetet und regelmässig Gottesdienste mit sehr konservativen Priestern durchgeführt werden. Der Verteidigungsminister äussert auch Sätze wie: «Täglich knien wir zusammen in unseren Schulen und Kirchen mit unseren Familien nieder, um den Namen Jesus Christus anzurufen.»
Für Hegseth ist das mehr als ein Glaubensbekenntnis. Er sieht darin einen wichtigen Bestandteil der Macht der US-Streitkräfte. «Unsere Fähigkeiten werden besser», sagte er kürzlich in einem Interview mit «60 Minutes», einer Sendung von CBS News. «Unser Wille wird gestärkt. Unsere Truppen werden besser. Die Vorsehung unseres allmächtigen Gottes wird unsere Truppen beschützen, und wir wollen seine Mission erfüllen.»
Von christlicher Nächstenliebe hingegen hält Hegseth nichts. Gegen Feinde der USA – ganz speziell, wenn es sich um Muslime handelt – ist alles erlaubt. Internationale Regeln gegen Kriegsverbrechen bezeichnet er als dumme Regeln. Stattdessen versucht er sich als Rapper und postuliert: maximale Tödlichkeit anstatt lauwarmer Legalität, oder gewaltsame Effekte, nicht politische Korrektheit.
Gewalt und Sadismus gegen Feinde werden von Hegseth geradezu verherrlicht. In Trumps erster Amtszeit setzte er sich dafür ein, dass verurteilte Kriegsverbrecher vom Präsidenten freigesprochen wurden. Er hat kein Problem damit, dass Fischerboote im Karibischen Meer, die angeblich Drogen transportierten, von der US Air Force versenkt werden, ja selbst Verletzte nicht geborgen, sondern nachträglich getötet werden. Ein klarer Verstoss gegen internationales Recht und auch gegen interne Richtlinien der US Navy.
Die Genfer Konvention ist für Hegseth ein Fremdwort. Er fordert die Soldaten auf, «mit überwältigender Gewalt gegen diejenigen vorzugehen, die keine Gnade verdienen», und stützt sich dabei auf seinen Glauben: «Ich verlange diese Dinge mit dem mutigen Vertrauen in den Namen von Jesus Christus.»
Im Krieg gegen den Iran geht es für Hegseth weit mehr als nur darum, einen weiteren Atomstaat zu verhindern. «Es handelt sich um einen essenziellen Test», erklärte er anderen Verteidigungsministern gegenüber. «Es geht darum, ob wir eine westliche christliche Nation bleiben, die stolz mit starken Grenzen und wohlhabenden Menschen unser Erbe verteidigt.»
Der Verteidigungsminister macht kein Hehl daraus, dass er sich in einem heiligen Krieg befindet. 2020 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «American Crusade» (Der amerikanische Kreuzzug). Darin faselt er von blutigen und unvorstellbaren Tragödien, welche jedoch nötig seien, um zu verhindern, dass Europa in islamische Hände gerät.
In diesem Buch stellt Hegseth die rhetorisch gemeinte Frage: «Geniessen wir die westliche Zivilisation? Freiheit? Gerechtigkeit? Dankt einem Kreuzritter. Ohne die Kreuzzüge hätte es keine protestantische Reformation gegeben und keine Renaissance. Es gäbe kein Europa und kein Amerika.»
Selbst dem Papst gehen Hegseths christlicher Eifer und seine gnadenlose Haltung gegenüber Feinden zu weit. An die Adresse des Verteidigungsministers erklärte Leo XIV., ein amerikanischer Bürger: «Gewalt kann niemals zu Gerechtigkeit führen und zu Stabilität und einem Frieden, auf den alle Menschen hoffen.»
Hegseths religiöser Eifer und sein Sadismus sind gepaart mit Inkompetenz – noch nie haben die USA einen derart unfähigen Mann an der Spitze des Pentagons gesehen – und Korruption. So hat die «Financial Times» soeben enthüllt, dass der Verteidigungsminister noch vor Ausbruch des Krieges über Mittelsmänner im grossen Stil in Rüstungsunternehmen investiert hat. Hegseth lässt selbstredend dementieren, und angesichts der grassierenden Korruption der Trump-Familie ist dies auch nur eine Fussnote.
Auch der Präsident sieht sich immer häufiger als christlicher Krieger. Völlig frei von Ironie sieht er im gescheiterten Attentat auf ihn ein himmlisches Zeichen. «Gott hat mich gerettet, damit ich Amerika wieder gross machen kann», sagt er.
Als Auserwählter vor Gott glaubt Trump sich erhaben über weltliche Gesetze. Dass sein Krieg höchstwahrscheinlich völkerrechtswidrig ist, lässt ihn kalt. Dass sein Versuch, den Iran in die Steinzeit zurückzubomben, ein Kriegsverbrechen ist und auch gegen die Tradition der amerikanischen Armee verstösst, ebenso. Auf den sozialen Kanälen glorifiziert das Weisse Haus stattdessen diesen Krieg mit endlosen Bildern aus Bombenabwürfen und Szenen aus Videogames.
All dies jedoch kann nicht vertuschen, dass der US-Präsident immer tiefer in einen Sumpf gerät, aus dem er keinen Ausweg findet. Das hat seine belanglose Rede diese Woche gezeigt, und das wiederum lässt seine Zustimmungswerte bei den Amerikanerinnen und Amerikanern immer tiefer absacken. Vor allem die jungen Wähler, die ihn 2024 noch in Scharen gewählt haben, wenden sich von ihm ab.
Einer davon ist der konservative Comedian Andrew Schulz. Gegenüber dem «Atlantic» erklärt er: «Was zum Teufel habe ich vom Iran-Krieg? Ich kann meine Studiengebühren nicht bezahlen. Ich kann mir kein Haus kaufen. Ich habe kein Geld, um meine Rechnung für die Krankenkasse zu begleichen, und wir geben Milliarden aus für einen Krieg gegen ein Land, das ich nicht auf einer Weltkarte finden kann.»
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