Was hat Trump im Iran-Krieg bisher erreicht? Seine Ziele im Check
Seine Ansprache an die Nation dauerte nur 19 Minuten. Die Erwartungen auf die Ankündigung einer sofortigen Kampfpause wurden nicht erfüllt. Auch zum brisanten Thema des Nato-Austritts kam kein Wort. Stattdessen versuchte Donald Trump, gut einen Monat nach Kriegsbeginn, Zuversicht zu verbreiten.
Der Konflikt mit Iran stehe «kurz vor dem Abschluss», sagte der US-Präsident in seiner Fernsehansprache in der Nacht auf Gründonnerstag. In zwei bis drei Wochen werde alles vorbei sein. Im gleichen Atemzug kündigte Trump eine neue Phase massiver Angriffe an. Man werde Iran «extrem hart» treffen und «in die Steinzeit zurückbomben».
Diese Gleichzeitigkeit von Eskalation und Abschlussrhetorik zog sich durch seine gesamte Argumentation – ein klarer Plan für ein Kriegsende bleibt somit weiterhin aus. Irritierend für viele war der zeitliche Vergleich mit den früheren Kriegen der USA im Ersten und Zweiten Weltkrieg, in Korea, Vietnam und Irak.
Was Trump damit ausdrücken wollte, war wohl Folgendes: Selbst wenn der Iran-Krieg noch länger als die ursprünglich angekündigten «paar Wochen» gehen sollte, bleibt «Friedenspräsident» Trump immer noch weit hinter seinen kriegslüsternen Vorgängern zurück – was wiederum seine isolationistische Maga-Basis kaum beschwichtigen wird.
- Viele Anlagen und Raketen zerstört, konsequente Luftangriffe auf erkannte Abschussrampen.
- Aber: Iran feuert weiterhin Raketen ab und setzt Drohnen ein, was empfindliche US-Verluste (z. B. Zerstörung eines kostbaren Awacs-Frühwarnflugzeugs) zur Folge hat.
Fazit: Dieses Ziel ist bisher nicht erreicht worden. Wie viel noch zur völligen Ausschaltung des iranischen Angriffspotenzials fehlt, bleibt unklar.
2. Vernichtung der iranischen Marine
- Grosse Teile der Marine zerstört.
- Einzelne spektakuläre Angriffe wie die Versenkung eines Zerstörers.
- Aber: Viele Kleinboote, welche die Strasse von Hormus bedrohen, bleiben vor Angriffen geschützt.
Fazit: Trotzdem das einzige US-Ziel, das im Wesentlichen erreicht worden ist.
3. Verhinderung eines iranischen Atomwaffenprogramms
- Irans Nuklearanlagen wurden durch Bombardierungen schwer beschädigt.
- Aber: Das hoch angereicherte, waffenfähige Uran bleibt unauffindbar. Trump deutet an, auf die geplante Kommandoaktion zur Sicherung des Materials zu verzichten.
Fazit: Das Kernproblem bleibt ungelöst, das Szenario einer iranischen Atombewaffnung kann nicht vollends ausgeschlossen werden.
4. Ausschaltung iranischer Proxy-Milizen
- Mit dem Iran verbündete Milizen bleiben weiterhin aktiv, die Hisbollah im Libanon und die Huthi im Jemen sind zu eigenen Angriffsaktionen übergegangen.
- Huthi drohen mit der Schliessung der Meerenge am Bab al-Mandab.
Fazit: Bombardierungen und die Tötung von Anführern haben die iranischen Proxys geschwächt und teils zurückgedrängt, aber strategisch ist kaum ein Fortschritt erkennbar.
5. Regimewechsel im Iran
- Die iranische Führung inklusive Oberhaupt Khamenei wurden ausgeschaltet.
- Aber: Neues, eher radikaleres Regime an der Macht, das eine neue Volksrevolte im Keim erstickt. Trumps Botschaft an das iranische Volk, dass «Hilfe unterwegs» sei, entpuppt sich als leere Versprechung.
Fazit: Das politische Hauptziel ist klar verfehlt worden, die eigene Glaubwürdigkeit schwer angeschlagen.
Ebenso blieb der erneute Versuch, Klarheit bezüglich der amerikanischen Kriegsziele zu schaffen – wohlwollend ausgedrückt –, bestenfalls zwiespältig und verwirrend. Von Trumps 15-Punkte-Forderungen an den Iran war keine Rede mehr.
Der Regimewechsel sei zwar kein Kriegsziel, aber wegen der Dezimierung der iranischen Führung halt doch eines, wobei Aussenminister Marco Rubio diesen in seiner «Auflistung zum Mitschreiben» weiterhin explizit weglässt. Der Faktencheck entlarvt Trumps bisher reklamierte Kriegserfolge zumindest als krass beschönigend.
SECRETARY RUBIO: Here are the clear objectives of the operation. You should write them down:
— Department of State (@StateDept) March 30, 2026
1. The destruction of Iran’s air force
2. The destruction of their navy
3. The severe diminishing of their missile launching capability
4. The destruction of their factories
🎯 pic.twitter.com/SrqCtPLlZB
Innenpolitischer Druck wächst
So bleibt von Trumps Auftritt, der dem eigenen Volk mehr Klarheit hätte verschaffen soll, bloss ein gesichertes Fazit: Trumps Rede war eine Reaktion auf zunehmenden Widerstand im eigenen Land. Steigende Benzinpreise, fallende Börsen und eine Mehrheit der Bevölkerung gegen den Krieg setzen den Präsidenten immer stärker unter Druck. Seine Kommunikation dazu bleibt aber erratisch und von Tageslaunen abhängig.
Seine Rede an die Nation war alles andere als der erhoffte Befreiungsschlag. Den mutwillig losgebrochenen Konflikt bezeichnete Trump als Investition in die Sicherheit künftiger Generationen. Konkrete Antworten auf wirtschaftliche Sorgen lieferte er nicht. Das Problem mit den Öltransporten durch die Strassen von Hormus werde sich schon irgendwie lösen und sei jetzt ohnehin nicht mehr Sache der USA.
Zumindest die Wirtschaftswelt lässt sich mit solchen Beschwichtigungen nicht abspeisen. Nach Trumps Rede schoss der Ölpreis wieder um 8 Prozent hoch. Diametral entgegengesetzt befinden sich seine Umfragewerte im freien Fall. (aargauerzeitung.ch)

