«Nicht einmal Netanjahu hat uns dermassen beleidigt»: Iraner sind wütend auf Trump
Aussenamtssprecher Ismail Baghai kritisierte die Bombardierung des Pasteur-Instituts, eines Forschungszentrums für Biologie und Medizin in der Hauptstadt Teheran, scharf. «Herzzerreissend, grausam, verabscheuungswürdig und absolut empörend», schrieb er auf X. Es handle sich nicht nur um ein weiteres Kriegsverbrechen, sondern um «einen barbarischen Angriff auf grundlegende menschliche Werte».
Das Pasteur-Institut sei seit einem Jahrhundert eine Ikone des iranischen Gesundheitssystems und ein Symbol des modernen Iran, schrieb Vali Nasr, Professor an der Johns Hopkins University in Washington, auf X. Seine Zerstörung habe keinen anderen Zweck als die Geschichte des Iran, die Geschichte seiner Modernisierung und Entwicklung anzugreifen.
The Pasteur Institute has been an icon of Iran’s health care system, a symbol of modern Iran, established a century ago along with foundational health and education institutions. Destroying it could have no other purpose than assaulting Iran’s history, erasing the history of its… https://t.co/dcJK7hdJEP
— Vali Nasr (@vali_nasr) April 2, 2026
US-Präsident Donald Trump hatte zuvor weitere heftige Angriffe gegen den Iran angekündigt. «Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen. Wir werden sie zurück in die Steinzeit versetzen, wo sie hingehören», sagte er in einer Rede an die Nation. Bei vielen Iranerinnen und Iranern, auch Regierungsgegnern, löste dies grosse Empörung aus.
Bewohner Teherans sind wütend auf Trump
Schahin, ein 40 Jahre alter Immobilienmakler, schimpfte über Trump. «Nicht einmal Netanjahu hat uns dermassen beleidigt!», sagte der Mann im Norden Teherans. «Aber noch dümmer als er sind wir Iraner, die Hoffnung hatten, dass dieser zurückgebliebene Verrückte uns helfen könnte. Wir sollten uns heute alle schämen.»
Auch ein Ehepaar im Ruhestand konnte seine Wut nicht mehr verbergen. «Steinzeit, Mr. President, da waren die Iraner auch 47 Jahre unter diesem islamischen Regime nicht», sagte Dschamal, der früher als Ingenieur in der Landwirtschaft gearbeitet hat. «Jetzt hat er über 80 Millionen Feinde mehr in der Welt», sagte er mit Blick auf Irans Bevölkerung.
Seine Ehefrau Scholeh äusserte sich noch drastischer gegen Trump. «Dummheit hat wirklich keine Grenzen», sagte sie. «Ich bin wütend und würde ihn am liebsten erwürgen.»
Zivile Infrastruktur Ziel von Angriffen
In der Grossstadt Karadsch, einem Vorort westlich von Teheran, wurde unterdessen eine als «B1» bekannte Brücke einer Autobahn bei einem Luftangriff zerstört. Die Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte ein Foto des zerbombten Abschnitts, der erst im vergangenen Sommer fertiggestellt worden war. Mit einer Höhe von 132 Metern war sie die höchste Brücke im Iran.
Auch Mohsen Borhani, Dozent für Strafrecht an der Universität Teheran, äusserte scharfe Kritik an der Zerstörung iranischer Infrastruktur. Den USA und Israel warf er vor, dort unter konstruierten Vorwänden anzugreifen. «Morgen werden sie sagen, Militärangehörige trinken Wasser. Und folglich müsse man Staudämme und Entsalzungsanlagen bombardieren.» (hkl/sda/dpa)
