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Iran

Wut auf Trump und USA nach Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran

«Nicht einmal Netanjahu hat uns dermassen beleidigt»: Iraner sind wütend auf Trump

Im Iran hat die Zerstörung ziviler Infrastruktur bei Anhängern der Regierung wie auch bei ihren Gegnern Wut und Fassungslosigkeit ausgelöst.
02.04.2026, 16:2202.04.2026, 16:22

Aussenamtssprecher Ismail Baghai kritisierte die Bombardierung des Pasteur-Instituts, eines Forschungszentrums für Biologie und Medizin in der Hauptstadt Teheran, scharf. «Herzzerreissend, grausam, verabscheuungswürdig und absolut empörend», schrieb er auf X. Es handle sich nicht nur um ein weiteres Kriegsverbrechen, sondern um «einen barbarischen Angriff auf grundlegende menschliche Werte».

Das Pasteur-Institut sei seit einem Jahrhundert eine Ikone des iranischen Gesundheitssystems und ein Symbol des modernen Iran, schrieb Vali Nasr, Professor an der Johns Hopkins University in Washington, auf X. Seine Zerstörung habe keinen anderen Zweck als die Geschichte des Iran, die Geschichte seiner Modernisierung und Entwicklung anzugreifen.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor weitere heftige Angriffe gegen den Iran angekündigt. «Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen. Wir werden sie zurück in die Steinzeit versetzen, wo sie hingehören», sagte er in einer Rede an die Nation. Bei vielen Iranerinnen und Iranern, auch Regierungsgegnern, löste dies grosse Empörung aus.

Bewohner Teherans sind wütend auf Trump

Schahin, ein 40 Jahre alter Immobilienmakler, schimpfte über Trump. «Nicht einmal Netanjahu hat uns dermassen beleidigt!», sagte der Mann im Norden Teherans. «Aber noch dümmer als er sind wir Iraner, die Hoffnung hatten, dass dieser zurückgebliebene Verrückte uns helfen könnte. Wir sollten uns heute alle schämen.»

People cross an intersection in downtown Tehran, Iran, Monday, March 30, 2026. (AP Photo/Vahid Salemi)
Iran Daily Life
Die Bewohnerinnen und Bewohner Teherans sind wütend.Bild: keystone

Auch ein Ehepaar im Ruhestand konnte seine Wut nicht mehr verbergen. «Steinzeit, Mr. President, da waren die Iraner auch 47 Jahre unter diesem islamischen Regime nicht», sagte Dschamal, der früher als Ingenieur in der Landwirtschaft gearbeitet hat. «Jetzt hat er über 80 Millionen Feinde mehr in der Welt», sagte er mit Blick auf Irans Bevölkerung.

Seine Ehefrau Scholeh äusserte sich noch drastischer gegen Trump. «Dummheit hat wirklich keine Grenzen», sagte sie. «Ich bin wütend und würde ihn am liebsten erwürgen.»

Zivile Infrastruktur Ziel von Angriffen

In der Grossstadt Karadsch, einem Vorort westlich von Teheran, wurde unterdessen eine als «B1» bekannte Brücke einer Autobahn bei einem Luftangriff zerstört. Die Nachrichtenagentur Fars veröffentlichte ein Foto des zerbombten Abschnitts, der erst im vergangenen Sommer fertiggestellt worden war. Mit einer Höhe von 132 Metern war sie die höchste Brücke im Iran.

Auch Mohsen Borhani, Dozent für Strafrecht an der Universität Teheran, äusserte scharfe Kritik an der Zerstörung iranischer Infrastruktur. Den USA und Israel warf er vor, dort unter konstruierten Vorwänden anzugreifen. «Morgen werden sie sagen, Militärangehörige trinken Wasser. Und folglich müsse man Staudämme und Entsalzungsanlagen bombardieren.» (hkl/sda/dpa)

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Diego de la Vega
02.04.2026 16:52registriert Februar 2026
An alle, die Trump gefeiert haben: Er wollte nie die iranische Bevölkerung retten. Es ging um Öl und Uran. Israel wollte sich geografisch ausweiten, koste es, was es wolle.
Trump sagte, er werde den Iran "in die Steinzeit versetzen". Das Pasteur-Institut, eine Jahrhundert alte medizinische Forschungsanlage wurde zerstört. Das sind keine militärischen Ziele, das ist Infrastruktur-Terror.
Sogar Regierungsgegner im Iran sind jetzt vereint gegen Trump. Das Muster ist klar: Zerstörung, Chaos, Trümmer. Und wir dürfen aufräumen.
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FrancoL
02.04.2026 16:50registriert November 2015
Täglich das gleiche Bild!
Ein Verbrecher macht das was Verbrecher so machen, eben Verbrechen begehen.
Die Empörung muss ein anderes viel grösseres Mass annehmen um wirklich eine Wirkung zu zeigen.
Trump war, ist und wird ein Verbrecher bleiben.
Nur mit einer breiten Ablehnung ist er zu stoppen, sonst wird er wieder x 100 weitere Verbrechen begehen.

Eine Mitschuld trifft alle die die ihn stützen oder sich NICHT von ihm distanzieren, also auch die verschiedenen Parteien hier in Europa, die Trump die Stange halten.

Jeder und Jede kann mithelfen diesen Verbrecher zur Strecke zu bringen.
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Home alone
02.04.2026 16:56registriert April 2020
Sollte Trump seine Armee zurückziehen werden die Iraner deshalb wohl kaum ihren Kampf stoppen … meine prophezeiung dass es in naher Zukunft noch viele Attacken und Angriffe auf US Einrichtungen geben … und das leider auch innerhalb der USA … ich gehe auf jeden Fall nicht dorthin an die Fussball WM!
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