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President Donald Trump talks with reporters aboard Air Force One on a flight to Andrews Air Force Base, Md., Thursday, April 5, 2018. (AP Photo/Evan Vucci)

An Bord von Air Force One behauptete Donald Trump, nichts von der Zahlung an Stormy Daniels gewusst zu haben. Bild: AP/AP

Analyse

Seine Ausrede in der Porno-Affäre bringt Trump in Teufels Küche

Mit einer Wutrede hat Donald Trump auf die FBI-«Razzia» bei seinem New Yorker Anwalt reagiert. Es geht unter anderem um eine Zahlung von 130'000 Dollar an Ex-Pornostar Stormy Daniels – von der Trump angeblich nichts wusste.



Donald Trump kommuniziert gern und oft. In einer Angelegenheit aber blieb er auffällig stumm: Im Januar enthüllte das «Wall Street Journal», dass der US-Präsident 2006 eine Affäre mit der Pornodarstellerin Stormy Daniels – bürgerlicher Name Stephanie Clifford – gehabt und ihr kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 ein Schweigegeld von 130'000 Dollar bezahlt haben soll.

Der Präsident schwieg seinerseits, selbst als Daniels am 25. März im Magazin «60 Minutes» auf dem Fernsehsender CBS darüber plauderte, wie sie nach einem Golfturnier Sex «ohne Kondom» mit Trump gehabt habe. Am letzten Donnerstag äusserte er sich erstmals zur Affäre. Im Gespräch mit Reportern an Bord von Air Force One behauptete Trump, er wisse nichts von einer Zahlung von 130'000 Dollar: «Sie müssen Michael Cohen fragen. Er ist mein Anwalt.»

Video: srf

Dieser Michael Cohen steht nun im Zentrum der neusten Turbulenzen in Trumps chaotischer Präsidentschaft. Am Montag durchsuchte das FBI sein Büro im New Yorker Rockefeller Center und sein Hotelzimmer an der noblen Park Avenue. Donald Trump reagierte darauf selbst für seine Verhältnisse heftig.

«Ein Angriff auf unser Land»

Am Rande eines Gesprächs mit Militärs im Weissen Haus – bei dem es um eine mögliche Antwort auf den mutmasslichen Giftgasangriff des syrischen Regimes ging – bezeichnete er das Vorgehen des FBI als «Schande». Die Bundespolizei sei in Cohens Büro «eingebrochen» (sie besass einen richterlichen Durchsuchungsbefehl). «Es war ein Angriff auf unser Land im wahrsten Sinn des Wortes. Ein Angriff auf alles, wofür wir stehen», schimpfte Trump.

Diese Worte zeigen: Die «Razzia» bei seinem Anwalt macht Donald Trump nervös. Sehr nervös sogar. Worum es ging, ist laut US-Medien noch unklar. Die Russland-Affäre scheint eine Nebenrolle zu spielen. Tatsächlich kam die Anordnung nicht direkt von Sonderermittler Robert Mueller, sondern von der Bundesanwaltschaft in New York. Sie besass offenbar genug Indizien, um einen Richter zu überzeugen, die Durchsuchung zu bewilligen.

Die angebliche Schweigegeld-Zahlung an Stormy Daniels dürfte eine zentrale Rolle spielen. Sie soll im Oktober 2016 erfolgt sein, weniger als zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. Der Verdacht liegt nahe, dass Daniels den Mund halten sollte, um Trumps Wahlsieg nicht zu gefährden. In diesem Fall könnten die 130'000 Dollar als illegale Wahlkampffinanzierung beurteilt werden.

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Trump schimpft über Mueller und die Durchsuchung bei seinem Anwalt. Video: YouTube/Associated Press

Michael Cohen ist eine schillernde Figur. Er arbeitet seit 2006 für Donald Trump und gilt als dessen «Mann fürs Grobe» in juristischen Angelegenheiten. Dem Magazin «Vanity Fair» sagte Cohen, er würde sich «für den Präsidenten in die Schusslinie werfen». US-Medien spekulieren, dass sich in seinen Akten allerlei Material befindet, das für Trump unangenehm werden könnte.

«Ich wäre sehr besorgt»

Das Verhältnis zwischen Anwalt und Klient unterliegt jedoch der Vertraulichkeit, was für die Ermittler ein Problem ist. Im Fall des mutmasslichen Schweigegelds für Stormy Daniels allerdings könnte Trumps Ausrede für ihn zum Stolperstein werden. Falls er tatsächlich nichts über diese Zahlung gewusst hat, könnte die Vertraulichkeit nicht zur Anwendung kommen.

Juristen beurteilen die neuste Entwicklung aus diesem Grund als unheilvoll für Trump. «Das ist ein unglaublich aggressives Vorgehen», sagte Ross Garber, ein Experte für Regierungsermittlungen, dem Onlineportal Politico. «Ich wäre anstelle des Präsidenten und von Mr. Cohen sehr besorgt. Das Justizministerium muss davon ausgehen, dass es auf einer sehr soliden Grundlage vorgeht.»

CORRECTS TO: COHEN HAS RECEIVED AND REJECTED A REQUEST FOR DOCUMENTS - FILE - In this Dec. 16, 2016 file photo, attorney Michael Cohen arrives in Trump Tower in New York. Cohen, has received and rejected a request for documents as part of Congress's ongoing investigation into Russia's election meddling and contacts with the Trump campaign.  (AP Photo/Richard Drew, File)

Michael Cohen wird für Donald Trump zum Problem. Bild: AP/AP

Trump scheint die Bedrohung erkannt zu haben. Während seiner «Wutrede» am Montag deutete er nicht nur ein weiteres Mal an, er könnte Sonderermittler Mueller feuern. Er attackierte auch seinen treuen Gefolgsmann, Justizminister Jeff Sessions, und dessen Stellvertreter Rod Rosenstein. Sie sollten sich lieber Hillary Clinton vorknöpfen, «dort sind die wahren Verbrechen».

Der «5-Fronten-Krieg,» in dem sich Donald Trump befindet, zieht den Präsidenten immer tiefer in den Abgrund. Ob er davonkommen wird, wenn Michael Cohen für ihn die Kugel einfangen sollte, ist alles andere als sicher.

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Posersalami 11.04.2018 00:29
    Highlight Highlight Ich hoffe doch sehr, dass nicht ein paar arme Schweine in Syrien diese Affäre ausbaden müssen, indem sie von US Raketen zerfetzt werden.

    Ansonsten soll Trump in diesem Sumpf ruhig untergehen. Ist mir egal.
  • Wahrsager 10.04.2018 23:19
    Highlight Highlight Die Empörung Trumps ist nur Show.
    Er weiss ganz genau, dass diese Hausdurchsuchung nichts zu Tage fördern wird, das ihm schaden kann.

    Seit Trump im Amt ist, versuchen vorallem den Demokraten nahe stehende Kräfte Trump mit juristischen Mitteln aus dem Amt zu bugsieren.
    Dummerweise sind die U.S.A. trotz allem eine robuste Demokratie und es braucht, man mag es kaum glauben, immer noch echte, überzeugende Beweise für ein Gerichtsverfahren, nicht wie in anderen "Demokratien" à la Russland, oder Spanien. Diese Beweise gibt es aber im Fall Trump nicht.
    Gäbe es sie, dann wären sie längst gefunden.
    • ChlyklassSFI 11.04.2018 10:14
      Highlight Highlight Ja, klar... Wie sich Trump auch nur ein wenig kontrollieren könnte... :)
      Show sind Wahlversprechen, die er nicht eingehalten hat.
  • fluh 10.04.2018 22:24
    Highlight Highlight l'état c'est moi... angriff auf das land...
  • Watson=Propagandahuren 10.04.2018 20:52
    Highlight Highlight It's Showtime USA.
    Entweder ist das eine riesige "Shitshow" oder sie bietet noch DIE unerwartete Wendung und wird huuuuuuge.
    Ich werde Pop-Corn Vorräte anlegen.
  • äti 10.04.2018 19:11
    Highlight Highlight Gut so. Zurück zum Rechtstaat. Der Abstecher via Twitter-Regierung war ja interessant.
    • TheCloud 11.04.2018 00:01
      Highlight Highlight Na ja, ich hoffe er bleibt auf seinem Posten bis zum Ende seiner Regierungszeit. Denn falls Pence Präsident wird, tritt für die USA das dunkelste Zeitalter ein, das die Welt je gesehen hat.
  • c_meier 10.04.2018 19:05
    Highlight Highlight wie oft hören wir das schon
    "jetzt wird es eng..."
    "bringt ihn in Teufels Küche..."
    "Kontakte mit xx..."

    hat man das nicht schon im Wahlkampf gesagt? und was ist passiert? nichts, er wurde gewählt...
    so grosse Hoffnungen habe ich nicht dass wirklich etwas passiert aber man weiss ja nicht.
    good night and good luck :)
  • Gubbe 10.04.2018 18:12
    Highlight Highlight Ich habe und werde nie begreifen, wieso sich der Narzisst und Lügner Herr Trump auf seinem Sessel halten kann. Ausserdem ist er dumm, nur seine Verschlagenheit hält ihn bei seinen Nochanhängern hoch. Ich glaube, dass jeder Psychiater der mit seiner Psyche und Physiognomie vertraut ist, würde ihn so beurteilen.
    • Posersalami 11.04.2018 00:31
      Highlight Highlight Er ist ein nützlicher Idiot für die "Elite" in den USA.

      Killary hätte die exakt selbe Funktion erfüllt, nur halt für einen anderen Teil der Elite. Ich sage darum, das es relativ egal ist, wer Präsident spielen darf. Man erkläre mir die Unterschiede von Bush II, Clinton oder Obama in für die Welt relevanten Fragen. Am Ende haben die nämlich alle das selbe gemacht, nur halt anders verpackt und mit anderen Zugeständnissen.
    • Juliet Bravo 11.04.2018 00:52
      Highlight Highlight Ein Deal mit Iran zum Beispiel?
      Dialog macht die Welt wenigstens nicht noch unsicherer.
  • Ptbagm 10.04.2018 16:49
    Highlight Highlight Solche Stories helfen der Trump-Regierung, weil sie lenken so schön von den echten Problemen ab die dieser Clown tagtäglich verursacht!
    • Mia_san_mia 10.04.2018 21:14
      Highlight Highlight Was z.B.?
  • Grigor 10.04.2018 15:56
    Highlight Highlight Dieser Artikel ist unheimlich schön geschrieben und komplett auf den Punkt gebracht. Absolut vorbildliche Recherche und alle Fakten aufgezeigt. Keinerlei Spekulation, genau wie es sein sollte.
    • Mia_san_mia 10.04.2018 21:15
      Highlight Highlight So schwierig ist das auch nicht
  • B-Arche 10.04.2018 15:16
    Highlight Highlight Ihr vergesst nur eines. Sollte Trump stolpern wird Mike Pence Präsident.
    Und das heisst: Abschaffung der bundesweiten Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen (auch in der Einwanderungsgesetzgebung), absolutes Abtreibungsverbot, Ausweitung der Steuerprivilegien christlicher Fundamentalistenkirchen und Entwicklungshilfe nur noch wenn christliche Missionierung mit Homosexualitäts- und Abtreibungsverboten im Zielland verknüpft werden kann.

    Das wäre die Hölle.
    • Butzdi 10.04.2018 15:53
      Highlight Highlight Keine Angst, Pence und Ryan gehen mit unter. Und da die Wahl wohl eh auf Betrug basiert, kommt es eventuell zu Neuwahlen.
    • Pianovilla 10.04.2018 16:34
      Highlight Highlight Genau das ist das Problem. Das muss man wissen, denn Pence unterscheidet sich in mindestens zwei wesentlichen Dingen von Trump:
      1. Pence ist nicht so dumm und komplett von seinen Emotionen und Intuitionen gesteuert wie Trump.
      2. Pence würde seine Agenda dank seiner politischen Erfahrung und Vernetzung knallhart durchziehen und wohl auch durchbringen. In beiden Kammern hat die GOP die Mehrheit. Bis im Herbst zumindest.
    • Cerulean 10.04.2018 17:10
      Highlight Highlight Jein. Auch ein Präsident steht trotz der immensen Machtfülle, die dem Amt im Amerikanischen System zukommt, nicht über allem. Die Gleichstellung der Ehe, z.B. geht auf einen Entscheid des SCOTUS zurück, der besagt, dass die Gleichstellung der Ehe von der Verfassung geschützt ist. Aber: Theoretisch kann ebendieser Gerichtshof, wenn sich die Kräfte verschieben, im Endeffekt die Gleichstellung in einem erneuten Urteil wieder kippen. Daran wird schon gearbeitet - Pence als Präsident selbst macht da kaum einen Unterschied.

      Jedoch gebe ich dir Recht. Von Trump zu Pence ist vom Regen in die Traufe.
  • Gawayn 10.04.2018 15:06
    Highlight Highlight Kommt mir ein Bischen wie das Kinderrätsel vor:

    "Wenn mitten im Wald ein Baum umfällt und niemand ist dabei und sieht es.
    Macht es dann auch Krach?"

    Antwort zu Leidwesen Aller...
    "Ja es macht Krach. Genaso viel oder Wenig wenn einer zuguckt oder nicht..."

    Wenn du was tust, dann hast du es getan.
    Egal ob es Zeugen gibt oder nicht.
    Nur kleine Kinder flippen aus, wenn man die bei einer Dummheit erwischt...
  • Mr. Bigglesworths Cousin 3rd Grade 10.04.2018 14:43
    Highlight Highlight .... und was wird passieren? .. nix .. absolut nix.. es wird alles so weitergehen wie bisher: er wütet.. social media ist empört.. die medien spekulieren usw.
    • Mishach 10.04.2018 23:08
      Highlight Highlight Not dieses Mal. Auch die GOP ist in Aufruhr und macht nicht mehr 100% mit.
      Cohen wir verurteilt werden und - hoffentlich - Trump unter den Bus werfen.
  • Ferienpraktiker 10.04.2018 14:21
    Highlight Highlight Ich denke er feuert seinen Anwalt, der ohne sein Wissen in solche Machenschaften verwickelt ist -:))
    • Mishach 10.04.2018 23:00
      Highlight Highlight Cohen kann nicht mehr sein Anwalt sein wegen Interessenkonflikten.
  • Bruno S.1988 10.04.2018 13:53
    Highlight Highlight Wenn Trump nichts von der Zahlung weiss, ist es ja auch in seinem Interesse dass das FBI dem nachgeht.
    Gut dass das FBI auf Trumps Tipp eingeht, seinen Anwalt zu befragen!
    ...ein wahrhaftiger Smart Genius!
    • Bruno S.1988 10.04.2018 14:46
      Highlight Highlight *stable Genius!
  • djangobits 10.04.2018 13:43
    Highlight Highlight Mal sehen, ob das reicht...
    Benutzer Bildabspielen
  • Vanessa_2107 10.04.2018 13:17
    Highlight Highlight Ich bin schon nur gespannt auf seine nächsten Tweets.So steinhässig wie er gestern war,wird es ihm schwerfallen zu schweigen.Wie im Film mit Jack Nicholson "Eine Frage der Ehre",wo dieser es doch als Oberboss von Guantanamo Bay nicht nötig hatte, sich etwas sagen zu lassen.Auch Trump könnte es bald den "Nuggy raushauen"+er lässt vor versammelter Presseschar alles raus, was er runterschlucken musste+ redet sich um Kopf+Kragen.Oder,er entlässt Mueller(geht ja nicht direkt).Auf jeden Fall entledigt er sich Muellers,werden die Leute zu 1000 auf die Strassen gehen, ist alles über Twitter organisier

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