Der Fall CBS zeigt, wie Milliardäre sich mit Geld Macht erkaufen
Walter Cronkite war in den USA eine journalistische Institution. Der Moderator von CBS News war jahrelang das Aushängeschild eines Senders, der sich für seine Berichterstattung, ganz besonders in historischen Momenten, rühmte – von der Ermordung Kennedys bis zum Vietnamkrieg und der Mondlandung.
Cronkite lebte stets nach der Maxime, dass Journalismus den Menschen sagen soll, was sie wissen müssen – und nicht, was sie wissen wollen. Mit dieser Einstellung wurde er nicht nur zu einem der bekanntesten Moderatoren der USA, sondern auch zum Vorbild für viele Medienschaffende.
Und genau dieser Cronkite würde sich jetzt wohl im Grab umdrehen, wenn er sehen würde, wer an seiner Stelle den Platz als Moderator übernommen hat: Tony Dokoupil.
Seit Januar ist Dokoupil Moderator von CBS Evening News. Bei seiner Premiere sagte er, der Vertrauensverlust in die Medien sei selbst verschuldet, «weil wir die Perspektive des Durchschnittsamerikaners vernachlässigt und zu viel Gewicht auf die Analyse von Akademikern und den Eliten gelegt haben und nicht genug auf Leute wie dich».
Seine Ansage beendet er mit einem Versprechen:
Was er damit meint, kristallisiert sich in den letzten Tagen und Wochen immer mehr heraus. Eine spontane Hommage an US-Aussenminister Marco Rubio ist da nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie Dokoupil Journalismus «für dich» interpretiert.
Die FAZ schreibt darum auch in klaren Worten, dass sich Dokoupil «eher wie ein Realitystar denn wie ein Nachrichtenmann gebiert». Mit Journalismus habe das nichts mehr zu tun, so das Fazit der deutschen Zeitung.
“Marco Rubio, we salute you. You’re the ultimate Florida man.” How embarrassing. Phony Tony Dokoupil & his boss Bari Weiss turning once-highly respected CBS Evening News into TikTok TV. 🤡@CBSEveningNews | #Dokoupil #CBSNews #MAGA #Trump pic.twitter.com/CrIsGdxvGe
— Rob Sinclair (@iamrobsinclair) January 7, 2026
Mit Bari Weiss auf konservative Linie gebracht
Um zu verstehen, wie es dazu kommt, dass plötzlich jemand wie Dokoupil bei einer renommierten Sendung wie CBS Evening News das Ruder übernimmt, muss man zurück in den Sommer 2025.
Damals kauften David Ellison und sein Vater Larry, der Gründer des Softwareunternehmens Oracle und einer der vermögendsten Männer der Welt, den CBS-Mutterkonzern Paramount. Der Deal wurde damals auch von US-Präsident Trump gutgeheissen, da ihm versprochen wurde, die Berichterstattung «konservativer» auszurichten.
Verantwortlich für diese neue Linie ist die Chefredakteurin von CBS, Bari Weiss. Die 41-Jährige hat im Oktober 2025 das Ruder übernommen und lässt seither keinen Stein auf dem anderen.
Weiss war früher unter anderem für die «New York Times» tätig, als «Quoten-Konservative», wie sie einst selbst sagte. Irgendwann hatte sie allerdings genug und inszenierte ihren Abschied mit grossem Tamtam. In einem Meinungsbeitrag behauptete sie damals, sie würde von Kolleginnen und Kollegen, die nicht ihrer Meinung seien, gemobbt werden. Der Abschiedsbrief rief damals ein grosses Medienecho hervor.
Bei CBS hat sie nun alle Freiheiten, den Sender so zu trimmen, wie es ihr und vor allem wie es den neuen Besitzern passt. Seither vergeht kaum mehr eine Woche bei CBS ohne neue Kontroverse, oftmals aufgrund von Entscheidungen, die Weiss bewusst trifft.
Vor allem das Beispiel rund um eine Sendung des Formats «60 Minutes» im Dezember schlug hohe Wellen. Das Politmagazin hat in den USA Kultstatus und wurde öfter ausgezeichnet als jedes andere Journalismus-Format in den USA.
Damals hat die Redaktion von «60 Minutes» über das Thema Folter in einem Gefängnis in El Salvador und der damit zusammenhängenden Abschiebepolitik der Trump-Regierung recherchiert. Ausgestrahlt wurde die regierungskritische Reportage in den USA jedoch nie, da Weiss die Sendung vor der Publikation zurückzog. Als Begründung gab sie an, es brauche «noch zusätzliche Recherche». Der Aufschrei war nicht nur intern gross.
Mit CNN den nächsten Sender im Visier
Der Fall und die Entwicklung von CBS zeigen exemplarisch auf, wie sich Vermögende wie die Ellisons mit dem Erwerb von Unternehmen Einfluss erkaufen und die Berichterstattung so trimmen, dass sie ihnen wohlgesinnt oder zumindest genehm ist. Nicht von ungefähr häufen sich die Stimmen, CBS verwandle sich immer mehr in ein zweites Fox News: «All dies mag dann eben doch mit den Konzerninteressen im Hintergrund zusammenhängen», schreibt darum die «FAZ» treffend.
Das Beispiel ist auch eine deutliche Warnung dafür, in welche Richtung es bei CNN gehen könnte, falls Warner Bros. Discovery tatsächlich auch an Paramount verkauft werden würde.
Kaum jemand bezweifelt, dass die Ellisons dann auch dem trumpkritischen Sender eine konservative Linie aufzwingen würden. Es wäre der zweite radikale Wechsel bei einem traditionsreichen Nachrichtensender in den USA innerhalb weniger Monate.
Das Mantra von Walter Cronkite, man müsse den Menschen sagen, was sie wissen müssen, und nicht, was sie wissen wollen, scheint nicht mehr zu gelten. Zumindest bei CBS.
Dass CNN nicht das gleiche Schicksal ereilt, bleibt zumindest aus demokratischer Sicht zu hoffen. Denn es wäre ein weiterer unvergleichlicher Angriff auf die amerikanische Medienvielfalt und damit auch auf die amerikanische Demokratie.
Paramount-Chef David Ellison hat bereits durchblicken lassen, dass er die beiden Sender CBS und CNN zusammenlegen will. Die Problematik dieser Massnahme bringt die US-amerikanische Zeitschrift «The Atlantic» so auf den Punkt:
