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Analyse

Wie Milliardäre den US-TV-Sender CBS auf konservative Linie brachten

FILE - This May 10, 2017, file photo, shows the CBS logo at their broadcast center in New York. CBS Corp. is rolling out a 24-hour streaming sports news network that will feature the day's top ne ...
Seit der Übernahme durch Paramount weht bei «CBS» ein konservativer Wind. Bild: AP
Analyse

Der Fall CBS zeigt, wie Milliardäre sich mit Geld Macht erkaufen

Seit die Milliardäre David Ellison und dessen Vater Larry bei CBS das Sagen haben, weht beim traditionsreichen US-TV-Sender ein konservativer Wind. Es ist ein Musterbeispiel dafür, wie sich Milliardäre mit Geld Einfluss erkaufen.
18.01.2026, 19:5618.01.2026, 19:56

Walter Cronkite war in den USA eine journalistische Institution. Der Moderator von CBS News war jahrelang das Aushängeschild eines Senders, der sich für seine Berichterstattung, ganz besonders in historischen Momenten, rühmtevon der Ermordung Kennedys bis zum Vietnamkrieg und der Mondlandung.

Cronkite lebte stets nach der Maxime, dass Journalismus den Menschen sagen soll, was sie wissen müssen – und nicht, was sie wissen wollen. Mit dieser Einstellung wurde er nicht nur zu einem der bekanntesten Moderatoren der USA, sondern auch zum Vorbild für viele Medienschaffende.

Ein Stück Zeitgeschichte: Cronkite berichtet über die Ermordung von US-Präsident Kennedy. Video: YouTube/CBS Sunday Morning

Und genau dieser Cronkite würde sich jetzt wohl im Grab umdrehen, wenn er sehen würde, wer an seiner Stelle den Platz als Moderator übernommen hat: Tony Dokoupil.

Seit Januar ist Dokoupil Moderator von CBS Evening News. Bei seiner Premiere sagte er, der Vertrauensverlust in die Medien sei selbst verschuldet, «weil wir die Perspektive des Durchschnittsamerikaners vernachlässigt und zu viel Gewicht auf die Analyse von Akademikern und den Eliten gelegt haben und nicht genug auf Leute wie dich».

Seine Ansage beendet er mit einem Versprechen:

«Du kommst zuerst. Nicht die Werbebranche, nicht Politiker, nicht die Interessen der Unternehmen. Ich berichte für dich.»

Was er damit meint, kristallisiert sich in den letzten Tagen und Wochen immer mehr heraus. Eine spontane Hommage an US-Aussenminister Marco Rubio ist da nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, wie Dokoupil Journalismus «für dich» interpretiert.

Die FAZ schreibt darum auch in klaren Worten, dass sich Dokoupil «eher wie ein Realitystar denn wie ein Nachrichtenmann gebiert». Mit Journalismus habe das nichts mehr zu tun, so das Fazit der deutschen Zeitung.

Mit Bari Weiss auf konservative Linie gebracht

Um zu verstehen, wie es dazu kommt, dass plötzlich jemand wie Dokoupil bei einer renommierten Sendung wie CBS Evening News das Ruder übernimmt, muss man zurück in den Sommer 2025.

Damals kauften David Ellison und sein Vater Larry, der Gründer des Softwareunternehmens Oracle und einer der vermögendsten Männer der Welt, den CBS-Mutterkonzern Paramount. Der Deal wurde damals auch von US-Präsident Trump gutgeheissen, da ihm versprochen wurde, die Berichterstattung «konservativer» auszurichten.

Larry Ellison, chairman and chief technology officer of Oracle Corporation, sits in the Oval Office of the White House as President Donald Trump signs an executive order, Monday, Feb. 3, 2025, in Wash ...
Eingeladen von Trump: Larry Ellison im Weissen Haus (Februar 2025). Bild: AP

Verantwortlich für diese neue Linie ist die Chefredakteurin von CBS, Bari Weiss. Die 41-Jährige hat im Oktober 2025 das Ruder übernommen und lässt seither keinen Stein auf dem anderen.

Weiss war früher unter anderem für die «New York Times» tätig, als «Quoten-Konservative», wie sie einst selbst sagte. Irgendwann hatte sie allerdings genug und inszenierte ihren Abschied mit grossem Tamtam. In einem Meinungsbeitrag behauptete sie damals, sie würde von Kolleginnen und Kollegen, die nicht ihrer Meinung seien, gemobbt werden. Der Abschiedsbrief rief damals ein grosses Medienecho hervor.

Bei CBS hat sie nun alle Freiheiten, den Sender so zu trimmen, wie es ihr und vor allem wie es den neuen Besitzern passt. Seither vergeht kaum mehr eine Woche bei CBS ohne neue Kontroverse, oftmals aufgrund von Entscheidungen, die Weiss bewusst trifft.

In this undated photo released by Paramount, one of the The Free Press's co-founders Bari Weiss poses for a portrait. (Daniel Paik via AP)
Bari Weiss
Seit Oktober die neue Chefin bei CBS: Bari Weiss.Bild: keystone

Vor allem das Beispiel rund um eine Sendung des Formats «60 Minutes» im Dezember schlug hohe Wellen. Das Politmagazin hat in den USA Kultstatus und wurde öfter ausgezeichnet als jedes andere Journalismus-Format in den USA.

Damals hat die Redaktion von «60 Minutes» über das Thema Folter in einem Gefängnis in El Salvador und der damit zusammenhängenden Abschiebepolitik der Trump-Regierung recherchiert. Ausgestrahlt wurde die regierungskritische Reportage in den USA jedoch nie, da Weiss die Sendung vor der Publikation zurückzog. Als Begründung gab sie an, es brauche «noch zusätzliche Recherche». Der Aufschrei war nicht nur intern gross.

Mit CNN den nächsten Sender im Visier

Der Fall und die Entwicklung von CBS zeigen exemplarisch auf, wie sich Vermögende wie die Ellisons mit dem Erwerb von Unternehmen Einfluss erkaufen und die Berichterstattung so trimmen, dass sie ihnen wohlgesinnt oder zumindest genehm ist. Nicht von ungefähr häufen sich die Stimmen, CBS verwandle sich immer mehr in ein zweites Fox News: «All dies mag dann eben doch mit den Konzerninteressen im Hintergrund zusammenhängen», schreibt darum die «FAZ» treffend.

Das Beispiel ist auch eine deutliche Warnung dafür, in welche Richtung es bei CNN gehen könnte, falls Warner Bros. Discovery tatsächlich auch an Paramount verkauft werden würde.

Kaum jemand bezweifelt, dass die Ellisons dann auch dem trumpkritischen Sender eine konservative Linie aufzwingen würden. Es wäre der zweite radikale Wechsel bei einem traditionsreichen Nachrichtensender in den USA innerhalb weniger Monate.

epa12370274 People walk by Warner Bros. Studios in Burbank, California, 11 September 2025. Paramount Skydance is preparing a bid for Warner Brothers Discovery, which owns HBO, CNN, and the Warner Bros ...
Sowohl Netflix als auch Paramount wollen Warner Bros. Studio kaufen. Dabei geht es auch um die Zukunft von CNN und der US-Demokratie.Bild: EPA

Das Mantra von Walter Cronkite, man müsse den Menschen sagen, was sie wissen müssen, und nicht, was sie wissen wollen, scheint nicht mehr zu gelten. Zumindest bei CBS.

Dass CNN nicht das gleiche Schicksal ereilt, bleibt zumindest aus demokratischer Sicht zu hoffen. Denn es wäre ein weiterer unvergleichlicher Angriff auf die amerikanische Medienvielfalt und damit auch auf die amerikanische Demokratie.

Paramount-Chef David Ellison hat bereits durchblicken lassen, dass er die beiden Sender CBS und CNN zusammenlegen will. Die Problematik dieser Massnahme bringt die US-amerikanische Zeitschrift «The Atlantic» so auf den Punkt:

«Wenn die Zahl der Wettbewerber schrumpft, kann ein aufstrebender Autoritärer das System viel leichter an sich reissen.»
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Eidg. dipl. Kommentarspalter
18.01.2026 20:14registriert Dezember 2015
Man kann sich nur den anderen Kommentierenden anschliessen: Die Halbierungsinitiative ist im Kern gegen die Schweizer Demokratie gerichtet. Hoffentlich wird sie vom Volk pulverisiert.
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Platon
18.01.2026 20:05registriert September 2016
Und währenddessen bei uns die Initianten der Halbierungsinitiative: "Private Medien leisten einen unermesslichen Beitrag am Service Public, ohne irgendwelchen dubiosen Absichten. Privates Geld hat immer nur das beste im Sinn!"
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Fakten_Checker
18.01.2026 20:12registriert September 2025
Deshalb muss die Halbierungsinitiative in der Schweiz abgelehnt werden. Wir haben bei den Verlagen schon eine Konzentration die kleineren wurden in den letzten Jahren von den grösseren geschluckt. Da brauchen wir keine Schwächung des öffentlich rechtlichen Senders.
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