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Sie haben den Friedensnobelpreis bekommen, obwohl sie miteinander erbittert streiten

Die beiden Streithähne halten bei der Preisverleihung Abstand: Houcine Abassi (links), Generalsekretär des tunesischen Gewerkschaftsbundes (UGTT), und Wided Bouchamaoui (rechts), Präsidentin des Arbei ...
Die beiden Streithähne halten bei der Preisverleihung Abstand: Houcine Abassi (links), Generalsekretär des tunesischen Gewerkschaftsbundes (UGTT), und Wided Bouchamaoui (rechts), Präsidentin des Arbeitgeberverbandes (UTICA). 
Bild: EPA/NTB SCANPIX

Sie haben den Friedensnobelpreis bekommen, obwohl sie miteinander erbittert streiten

10.12.2015, 16:2210.12.2015, 17:00
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Tunesien auf dem Weg zur Demokratie: Der Nobelpreis für die Krisenmanager «Quartett für den nationalen Dialog» wird in Oslo gefeiert. Doch die Preisträger stecken in einem erbitterten Streit.

Stell' dir vor, es ist Friedensnobelpreisverleihung und die Preisträger reisen zerstritten an. Im Oktober hatten der tunesische Gewerkschaftsverband (UGTT), der Arbeitgeberverband (UTICA), die Menschenrechtsliga (LTDH) und die Anwaltskammer den Preis für ihre gemeinsamen Demokratie-Bemühungen in dem nordafrikanischen Land bekommen.

Streit um Löhne

Als «Quartett für den nationalen Dialog» hätten sie einen friedlichen politischen Prozess in Gang gebracht, begründete die norwegische Jury ihre Wahl. Er sollte Mut machen und Ansporn sein. Doch nun sind zwei der Geehrten in einen erbitterten Konflikt verwickelt. Dies zeigt: Das Land hat noch einen langen Weg vor sich.

Grund für den Zwist zwischen UGTT und UTICA ist ein seit Wochen andauernder Tarifstreit, in dem beide Seite mit harten Bandagen gekämpft haben: Gewerkschaften forderten im Privatsektor höhere Löhne, Arbeiter streikten. Präsident Béji Caïd Essebsi hatte kurz vor dem Festakt am Donnerstag noch versucht, die Wogen zu glätten.

«Es ist inakzeptabel, dass beide Seiten nach Oslo reisen, um den Friedensnobelpreis in Empfang zu nehmen, bevor sie sich geeinigt haben», sagte er in einer Fernsehansprache. Das Beschwören nützte nichts. Die beiden Nobelpreisträger machten sich in Unfrieden auf den Weg in die norwegische Hauptstadt.

Hoffnung bleibt

Aber der Friedensnobelpreis verleiht auch Hoffnung. Norwegens Regierungschefin Erna Solberg sieht ihn als «Signal, dass es möglich ist, anders zu denken: Statt jedes Mal an einen Konflikt zu denken, wenn man schwierige Herausforderungen in einem Land hat, kann man zusammen in Dialog treten.»

Und am Tag der Verleihung verspricht Gewerkschaftschef Houcine Abassi, «nicht zu enttäuschen, sondern unser Bestes zu tun, um dazu beizutragen, die Gefahren der Welt auszumerzen. Der Preis erhöht unsere Verantwortung.» Die Arbeitgeber werden ihn wohl an die Worte erinnern, wenn die Preisträger mit der schweren Auszeichnung in den Händen in ihre Heimat zurückkehren und die Tarifverhandlungen wieder aufnehmen. (whr/sda/dpa)

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