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Machtwechsel in Kanada: Premier Harper abgewählt

Family matters: Justin Trudeau, aller Voraussicht nächster Premierminister Kanadas, verfolgt den Wahlausgang mit seinen Kindern. Diese scheinen sich mehr für Star Wars zu interessieren. 
Family matters: Justin Trudeau, aller Voraussicht nächster Premierminister Kanadas, verfolgt den Wahlausgang mit seinen Kindern. Diese scheinen sich mehr für Star Wars zu interessieren.
Bild: CHRIS WATTIE/REUTERS

Politisches Erdbeben in Kanada: Premierminister Harper wird abgewählt

Mit einem Erdrutschsieg für die Liberalen haben die Kanadier ihren konservativen Premierminister Stephen Harper nach fast zehn Jahren im Amt abgewählt. Die Liberalen mit ihrem Spitzenkandidaten Justin Trudeau gewannen bei der Parlamentswahl am Montag (Ortszeit) klar.
20.10.2015, 04:1120.10.2015, 08:40

Ersten Prognosen zufolge kommen die Liberalen auf mehr als 170 Sitze und können damit eine Mehrheitsregierung stellen. Trudeau wird damit Premierminister – wie es bereits sein Vater Pierre Trudeau mit einer Unterbrechung zwischen 1968 und 1984 war.

Harper, der Kanada seit 2006 regierte und seitdem zweimal wiedergewählt worden war, musste dagegen grosse Verluste einstecken und erlebte ein Debakel. Er räumte die Niederlage ein und kündigte seinen Rücktritt als Parteichef an.

Auch für die sozialdemokratische Neue Demokratische Partei (NDP) war die Wahl ein Fiasko. Sie landete in der Gunst der Wähler abgeschlagen auf dem dritten Rang. Spitzenkandidat Thomas Mulcair gewann ersten Prognosen zufolge noch nicht einmal seinen eigenen Wahlkreis.

Der langjährige Regierungschef Stephen Harper räumte seine Wahlniederlage ein.
Der langjährige Regierungschef Stephen Harper räumte seine Wahlniederlage ein.
Bild: MARK BLINCH/REUTERS

Fiasko für Sozialdemokraten

Unklar blieb allerdings, ob die zwei linksgerichteten Parteien eine Koalition eingehen würden. Nach dem kanadischen Wahlsystem kann sich eine Partei auch mit weniger als 40 Prozent der Stimmen eine Mehrheit im Parlament sichern. Eine Minderheitsregierung könnte politische Instabilität mit sich bringen: Derartige Regierungen halten in Kanada selten länger als 18 Monate.

Wahlverlierer Harper war im Wahlkampf vor allem wegen der schwächelnden Wirtschaft und seiner harten Haltung in der Flüchtlingskrise unter Druck geraten. In traditionell konservativen Provinzen wie Alberta wird Harper dagegen als Garant für Jobs und Aufschwung gesehen und dem 43 Jahre alten Trudeau mangelnde Erfahrung vorgeworfen.

Weniger sparen, weniger Krieg

Harper hatte den Urnengang Anfang August ausgerufen. Mit elf Wochen war der Wahlkampf damit so lang wie seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr. In Umfragen lagen die drei wichtigsten der insgesamt 23 Parteien – die Konservativen, die Liberalen und die Neuen Demokraten – bis vor wenigen Wochen noch Kopf-an-Kopf, bevor sich Trudeau in Führung setzte.

Ein Machtwechsel dürfte zu einem Umbruch in der kanadischen Wirtschafts- und Verteidigungspolitik führen. Trudeaus Liberale haben wie die Neuen Demokraten eine Abkehr von Harpers Sparpolitik angekündigt. Beide Parteien wollen zudem die Angriffe der kanadischen Luftwaffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat in Syrien einstellen.

Insgesamt waren rund 25 Millionen Kanadier in dem flächenmässig zweitgrössten Land der Welt aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Wahlbeteiligung war ersten Erhebungen zufolge relativ hoch. (trs/sda/dpa/reu)

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