Nach Fall von Sheikh Hasina: Bangladesch wählt neues Parlament
In Bangladesch hat die Wahl zu einem neuen Parlament begonnen. Gut anderthalb Jahre nach dem Fall der damaligen Regierungschefin Sheikh Hasina gilt die vorgezogene Wahl auch als Test für einen geordneten demokratischen Übergang in dem armen, überwiegend muslimisch geprägten Land in Südasien. Fast 128 Millionen Menschen sind aufgerufen, ihre Stimme abzugeben.
Mitte-Rechts-Bündnis gegen konservativ-religiöse Allianz
Die rechts der politischen Mitte stehende Nationalistische Partei Bangladeschs (BNP) geht zusammen mit ihren Partnern als Favoritin in die Wahl. Ihr Spitzenkandidat und aussichtsreicher Bewerber für das Amt des nächsten Regierungschefs ist Tarique Rahman, ein Sohn der früheren Ministerpräsidentin und langjährigen Hasina-Rivalin Khaleda Zia. Doch deuteten jüngste Umfragen an, dass es auf ein knappes Rennen mit der grössten islamistischen Partei des Landes, Bangladesh Jamaat-e-Islami, und dem von ihr angeführten konservativ-religiösen Bündnis hinauslaufen könnte.
Bei der Wahl geht es um die Verteilung von 350 Parlamentsmandaten. Von ihnen werden 300 direkt gewählt, 50 Sitze sind für Frauen reserviert.
Hoffnung auf Stabilität
Mit der Wahl verbinden viele Menschen in dem rund 175 Millionen Einwohner zählenden Land die Hoffnung auf politische Stabilität und wirtschaftlichen Aufschwung. Bangladesch gehört zu den wichtigsten Standorten der globalen Bekleidungsindustrie. Ein wichtiges Thema im Wahlkampf war neben der öffentlichen Sicherheit, Arbeitsplätzen und anderen Wirtschaftsthemen auch die Bekämpfung der Korruption.
Nach Massenprotesten gegen die Regierung und blutigen Zusammenstössen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften war die zunehmend autoritär agierende Ministerpräsidentin Sheikh Hasina im August 2024 ins Nachbarland Indien geflohen, das ihr seitdem Schutz gewährt. Politische Aktivitäten ihrer Partei Awami-Liga, die die Wahl sieben Monate vor Hasinas Flucht gewonnen hatte, sind ihr seither untersagt, Kandidaten der Organisation für die Wahl nicht zugelassen. Nach der Flucht Hasinas wurde eine Übergangsregierung unter Führung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus eingesetzt.
Referendum zu Verfassungs- und Gesetzesänderungen
Parallel zur Wahl sind die Bürger dazu aufgerufen, in einem Referendum über geplante Verfassungs- und Gesetzesänderungen abzustimmen. Vorgesehen sind unter anderem eine Begrenzung der Amtszeit des Ministerpräsidenten und eine stärkere Kontrolle der Regierung.
Landesweit sollten fast 900'000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten und Polizisten, die Sicherheit bei der Stimmabgabe gewährleisten. Die Wahllokale schliessen um 16.30 Uhr (11.30 Uhr MEZ). Mit ersten Ergebnissen wird in der Nacht zum Freitag (Ortszeit) gerechnet. (dab/sda/dpa)
