DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Kirgistan: Frau auf offener Strasse gekidnappt, zwei Tage später ist sie tot

Ein verstörendes Video einer Sicherheitskamera zeigt, wie eine Frau von drei Männern in ein Auto gezerrt wird. Niemand greift ein. Zwei Tage später ist sie tot. Was ist passiert und was hat der umstrittene Brauch des «Ala Kachuu» damit zu tun?



Die 27-jährige Aizada Kanatbekova ist in Bischkek, Kirgistans Hauptstadt, auf dem Weg zur Arbeit, als sie von drei Männern überfallen wird. Sie wehrt sich, versucht zu flüchten, hat aber keine Chance. Währenddessen spaziert in unmittelbarer Nähe eine Person über den Fussgängerstreifen, ein Auto hält an um sie passieren zu lassen. Die Person geht seelenruhig weiter, das Auto fährt fort – wenn auch erst mit verlangsamten Tempo.

Wenige Meter weiter steigt ein Mann, scheinbar am Telefon, in ein Taxi und schliesst die Tür. Einer der Entführer stürmt auf das Taxi zu, wohl in der Vermutung, dass der Mann die Polizei rufe – doch auch dieser wirkt eher unbeteiligt.

abspielen

Überwachungskameras zeichnen den Moment auf, in dem die Frau entführt wird. Video: YouTube/NA SU

Zwei Tage später, am 7. April, wird die Frau schliesslich erwürgt aufgefunden, berichtet Reuters. In einem Auto in einem ländlichen Gebiet wurde sie zurückgelassen. Neben ihr der mutmassliche Mörder, der an Schnittwunden gestorben ist, die er sich wohl selbst zugefügt hat.

Gefunden wurde das Auto aber nicht etwa von der Polizei, sondern von einem Hirten, wie kirgisische Medien berichten. Dem Hirten sei das Auto schon am Tage zuvor aufgefallen, allerdings sei er einfach davon ausgegangen, dass dieses im Schlamm steckengeblieben sei. Erst zwei Tage später, als er sich dem Auto annäherte, hätte er die zwei Leichen entdeckt und die Polizei alarmiert.

Der Fall sorgt Empörung in Kirgistan: Die Entführung war auf Video aufgezeichnet, die Nummernschilder klar erkennbar – die Polizei hat versagt. Etwa 500 Menschen fanden sich heute vor dem Regierungssitz in Bischek zusammen, um zu protestierten. «Schande» riefen sie und forderten den Rücktritt hochrangiger Beamter.

Ministerpräsident Ulugbek Maripov versuchte die Menge zu beschwichtigen und bat sie um mehr Zeit, den Fall zu untersuchen, so Reuters. Zudem verurteilte er den in Kirgistan noch immer praktizierte Brauch des «Ala Kachuu» (übersetzt: nehmen und flüchten), des Braut-Raubes.

Brautraub – eine verbreitete Praxis

Immer wieder werden Frauen von Männern entführt, in dessen Haus gebracht und dort gezwungen, auf eine Heirat einzuwilligen. Der Ursprung dieses Brauches, sowie die Praxis an sich, sind stark umstritten. Seit 2013 ist «Ala Kachuu» in Kirgistan per Gesetz verboten, dennoch ist die Praxis noch immer weit verbreitet.

Im Rahmen einer Untersuchung von 2015 gaben 14 Prozent der befragten kirgisischen Frauen an, vor der Heirat entführt worden zu sein. In zwei Dritteln dieser Fälle sei der Brauch einvernehmlich durchgeführt worden und das Paar habe sich schon gekannt, bei einem Drittel wurde die Frau gegen ihren Willen entführt und verheiratet. Anderen Berichten zufolge sei sogar jede fünfte Familie das Resultat von «Ala Kachuu».

Trotzdem werden die Entführer selten angeklagt – einerseits weil viele Kirgisen den Brauch noch für gewöhnlich halten, andererseits weil Betroffene die Vorfälle aus Scham nicht melden. Nach dem Mord an Aizada Kanatbekova wird das Ende des Braut-Raubes nun mit neuer Vehemenz gefordert.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Unsere Gedanken, wenn wir nachts alleine nachhause gehen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Fehler in der Matrix? Diese 24 Bilder lassen dich nachdenken

(smi)

Artikel lesen
Link zum Artikel