Warum sich die Superreichen einbunkern
Unbekannte haben mutmasslich die Mutter der bekannten und beliebten amerikanischen TV-Moderatorin Savannah Guthrie entführt. Dieses Verbrechen hält nicht nur das gemeine Volk in Atem. Auch die Superreichen fragen sich, wie diese Entführung überhaupt möglich war, denn die Frau lebte in einer gut gesicherten Villa im Bundesstaat Arizona.
Die Angst vor Einbruch und Entführung hat sich unter der amerikanischen Elite verbreitet wie die wilden Blattern. Nur in einer Gated Community zu leben, einer mit eigenem Sicherheitspersonal bewachten Siedlung, reicht nicht mehr aus. Das eigene Haus wird immer mehr zu einem High-Tech-Bunker. Allein für schuss- und einbruchsicheres Glas werden Millionen Dollar ausgegeben.
Dazu kommen Überwachungskameras, die alles, aber wirklich alles erfassen. «Wenn eine bewohnende oder besuchende Person in die Garage fährt, wird nicht nur das Kennzeichen kontrolliert, sondern mittels Gesichtserkennung auch die Identität der Insassen und ob diese berechtigt sind, das Gebäude zu betreten», stellt das «Wall Street Journal» fest. «Das wiederum setzt ein Sicherheitssystem in Gang, das der betreffenden Person nur Zugang zu genehmigten Räumen erlaubt. Gleichzeitig überwacht dieses System sämtliche Bewegungen im Haus, um nicht normale Vorgänge zu entdecken.»
Damit ungebetene Gäste erst gar nicht ins Haus gelangen, wird bereits die Umgebung abgesichert. Wie mittelalterliche Burgen erhalten die Luxusvillen Mini-Gräben. Gleichzeitig werden sie von bewaffneten Privatpolizisten bewacht, und diese wiederum werden von speziell trainierten Hunden unterstützt. «Sicherheitsmassnahmen, wie sie einst für Präsidenten und Angehörige eines Königshauses reserviert waren, gehören nun zu den normalen Einrichtungen eines Luxushauses», so das «Wall Street Journal».
Oligarchen wie Peter Thiel und Elon Musk gehen noch einen Schritt weiter. Sie haben sich auf privaten Inseln, in Neuseeland oder Südafrika eigene Festungen bauen lassen, in die sie sich zurückziehen können, sollte es die Situation in den USA erfordern.
Die Angst der Superreichen hat zwei Gründe: Im Zeitalter des Internets sind sie nicht mehr anonym. So erklärt Danny Hertzberg, ein bekannter Immobilien-Agent: «Bevor es die sozialen Medien gab, kannte – mit wenigen Ausnahmen – kaum jemand die Namen von CEOs oder wusste, wie diese aussehen. Heutzutage werden sie im Internet verfolgt.» Vor allem das Private-Jet-Tracking, das Verfolgen der Flugbewegungen von Privatjets, treibt den Superreichen den Angstschweiss ins Gesicht.
Die wachsende Ungleichheit bildet den Nährboden für das Sicherheitsbedürfnis der Elite. In den USA ist eine sogenannte K-Wirtschaft, ein Zustand, in dem die Einkommensschere zwischen arm und reich immer weiter auseinander driftet, Realität geworden. Soziale Spannungen sind die logische Folge davon.
Die Künstliche Intelligenz (KI) wird wahrscheinlich schon in naher Zukunft dafür sorgen, dass sich diese Spannungen noch verschärfen werden. Während die Oberschicht überdurchschnittlich von KI profitiert – sei es mit hochspezialisierten Jobs oder Gewinnen an den Finanzmärkten –, muss der gemeine Mittelstand um seine Existenz fürchten. Wie der «Atlantic» berichtet, sind rund 70 Prozent der Amerikaner überzeugt, dass KI zu einem massiven Verlust von Jobs führen wird.
Diese Angst ist berechtigt. KI entwickelt sich zu einem Jobkiller erster Güte. Kaum eine Branche wird verschont. Melkroboter und KI-gesteuerte Erntemaschinen ersetzen Landarbeiterinnen und Landarbeiter, in Fastfood-Restaurants braten Roboter Hamburger und Pommes. Büroarbeit wird durch Software ersetzt, ja die KI ist inzwischen in der Lage, sich selbst zu programmieren und so Software-Ingenieurinnen und Software-Ingenieure überflüssig zu machen.
Die dem Kapitalismus innewohnende Eigenschaft nach immer höherer Effizienz führt zwar zu höherer Produktivität. Doch die Früchte davon fallen fast ausschliesslich in den Schoss derjenigen, die bereits sehr viel haben. Diese Entwicklung wird sich noch verstärken. So rechnet Amazon beispielsweise damit, dass bis 2033 rund eine halbe Million Arbeitskräfte eingespart werden können. Ford-CEO Jim Farley prognostiziert derweil, dass schon bald die Hälfte der Büroangestellten nicht mehr gebraucht werden.
Die jüngsten Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt scheinen die pessimistischen Voraussagen zu widerlegen, doch nur auf den ersten Blick. Zwar sind im Januar 130'000 neue Jobs geschaffen worden – deutlich mehr, als erwartet wurden –, doch diese erfreuliche Entwicklung ist primär zwei Branchen zu verdanken, Gesundheitswesen und Ausbildung. In den meisten anderen Branchen war die Job-Entwicklung negativ. Kommt hinzu, dass ausgerechnet im Gesundheitswesen illegale Immigranten überproportional vertreten sind.
Das Umrüsten der Luxusvillen zu Mini-High-Tech-Burgen ist so gesehen eine fatale Entwicklung. Die Superreichen schotten sich ab wie einst die Adligen im Mittelalter – und fürchten sich vor einer Rebellion der verarmten Bauern.
