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Kinder: China führt Steuer auf Kondome und die Pille wieder ein

China führt Steuer auf Kondome und Pille wieder ein

Chinas Bevölkerung braucht mehr Kinder, um nicht zu schrumpfen. Jetzt soll eine Steuer helfen.
02.01.2026, 07:3102.01.2026, 07:31
Thomas Wanhoff / t-online
Ein Artikel von
t-online

Die chinesische Regierung macht sich Sorgen um den Nachwuchs. Schon lange ist man von der Ein-Kind-Politik abgerückt, doch die Geburtenrate ist noch immer zu niedrig. Jetzt versucht es die Regierung in Peking mit einer Besteuerung.

epa01807855 A couple with their toddler look at children playing in a park in Shanghai, China 27 July 2009. Authorities in Shanghai, China's most economically developed city, are urging eligible  ...
Eine Familie in China: Viele junge Paare wollen nicht mehr als ein Kind bekommen. Bild: EPA

Einige Jahre lang waren Pille und Kondome nicht besteuert worden. Das soll sich jetzt ändern, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Mit einer Steuer von 13 Prozent sollen empfängnisverhütende Mittel teurer werden und Kunden offenbar abschrecken. Die Steuer entspricht dem üblichen Mehrwertsteuersatz in China.

Liebeserziehung in Hochschulen

Chinas Bevölkerung ist 2024 zum dritten Mal in Folge zurückgegangen, und Experten warnen davor, dass sich dieser Rückgang fortsetzen wird. China hat bereits Kinderbetreuungszuschüsse von der Einkommensteuer befreit und im vergangenen Jahr einen jährlichen Kinderbetreuungszuschuss eingeführt. Vor zwei Jahren führte die kommunistische Regierung eine Reihe von «geburtenfreundlichen» Massnahmen ein. Unter anderem wurden Hochschulen und Universitäten aufgefordert, «Liebeserziehung» anzubieten, um Ehe, Liebe, Fruchtbarkeit und Familie in einem positiven Licht darzustellen, berichtet Reuters.

epa11934229 People play with their children on the grass in a park in Shanghai, China, 02 March 2025. EPA/ALEX PLAVEVSKI
Kinder spielen in einem Park in Shanghai.Bild: keystone

Erbe der Ein-Kind-Politik

Präsident Xi Jinpings Regierungsbeamte haben sich im Dezember auf der jährlichen Zentralen Wirtschaftsarbeitskonferenz erneut dazu verpflichtet, «eine positive Einstellung zu Ehe und Kinderkriegen» zu fördern, um die Geburtenrate zu stabilisieren. Die hohen Kosten für Kinderbetreuung und Bildung sowie die Unsicherheit am Arbeitsmarkt und die sich abkühlende Konjunktur haben ebenfalls viele junge Chinesen davon abgehalten, zu heiraten und eine Familie zu gründen.

Das Land hat sich noch immer nicht von der 2015 aufgegebenen Doktrin erholt, dass Familien nur ein Kind haben dürfen. Das Erbe erweist sich nach Ansicht des Mercator Instituts für China-Studien «als schwer umkehrbar».

Systemische Faktoren sind laut seiner Analyse ebenso schwer zu bekämpfen, darunter die steigenden Kosten für die Kindererziehung und die Diskriminierung von Frauen im gebärfähigen Alter am Arbeitsplatz. Selbst ein Kindergeld in Höhe von umgerechnet 430 Euro pro Monat reicht offenbar nicht aus. Im Jahr 2022 sank die Geburtenrate in China auf geschätzte 1,09 Geburten pro Frau und lag damit weit unter dem Reproduktionsniveau von 2,1 und ähnlich wie in Japan oder Südkorea.

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Kinderarzt spricht über dicke Kinder

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41 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Gina3
02.01.2026 09:09registriert September 2023
Die Frage wäre eher (auch in der Schweiz gültig): Wie sehen die Perspektiven für ein Kind aus, das heute aufwächst? In einer Welt, in der an jeder Ecke ein Krieg zu explodieren droht, die Umweltverschmutzung global ist und der Konsumismus die neue Religion?
Ich bezweifle, dass ein paar hundert Franken Kinderzulage ausreichen, um diese tragische und deprimierende Realität wirksam zu bekämpfen.
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Medical Device
02.01.2026 09:13registriert Januar 2021
Das wird nicht helfen. Auch in CN ist das Thema Kinder mittlerweile eine Frage des Geldes. Viele können und wollen sich schlicht nicht mehr als ein Kind leisten
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Martin Baumgartner
02.01.2026 11:05registriert Juni 2022
Viele Frauen haben eine gute Arbeitsstelle und denken nicht daran ihr eigenständiges Leben aufzugeben und eine Familie zu gründen.
Ein Problem für Xi Jinping und sein ambitionierte Zukunftspläne.
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