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Actors cheer moments before going on stage to perform in front of vaccinated spectators at Habima, Israel's national theater, in Tel Aviv, Israel, Sunday, April 4, 2021. Israel has vaccinated over half its population of 9.3 million, and as coronavirus infections have plummeted, authorities have allowed restaurants, hotels, museums and theaters to reopen. (AP Photo/Ariel Schalit)

Israelische Schauspieler freuen sich auf ihren ersten Theater-Auftritt vor (geimpftem) Publikum. Bild: keystone

Israel ist zurück in der Zukunft – doch nicht alles ist rosig



In den Cafés am schicken Rothschild-Boulevard in der Küstenmetropole Tel Aviv sitzen Hunderte von Gästen dicht an dicht gedrängt. Eine Schutzmaske trägt keiner von ihnen.

Es wirkt fast, als habe es das Coronavirus nie gegeben. Und in der Tat sind die Infektionszahlen in Israel knapp vier Monate nach Beginn der rasanten Impfkampagne dramatisch gefallen. Grosse Krankenhäuser in dem Land haben ihre Corona-Intensivstationen bereits geschlossen.

Das Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem, eines der am stärksten betroffenen des Landes, nahm zu Spitzenzeiten über 140 Corona-Patienten pro Tag auf. Am Dienstag waren es nur noch drei neue Patienten, wie die Jerusalem Post meldet.

Auch andere Zahlen sind eindrücklich. So gingen die Fallzahlen seit dem Peak Mitte Januar um 96 Prozent zurück. Die Zahl der Todesopfer (minus 85 Prozent) ist ebenso rückläufig wie die Zahl der schwer an Covid-19 Erkrankten.

Dabei war das kleine Mittelmeerland bis vor kurzem noch als Hochinzidenzgebiet eingestuft. Mit massivem Einsatz und viel Pragmatismus ist es dem Land gelungen, bisher rund 57 Prozent seiner mehr als neun Millionen Einwohner eine Erstimpfung mit dem Präparat von Biontech/Pfizer zu verabreichen.

Vaccinated spectators wear face masks as they watch actors on stage at Habima, Israel's national theater, in Tel Aviv, Israel, Sunday, April 4, 2021. Israel has vaccinated over half its population of 9.3 million, and as coronavirus infections have plummeted, authorities have allowed restaurants, hotels, museums and theaters to reopen. (AP Photo/Ariel Schalit)

Zurück zur Normalität: Geimpfte Israelis warten am 4. April im Nationaltheater Habima auf die Vorführung. Bild: keystone

Fast alle über 70-Jährigen und mehr als 70 Prozent der über 30-Jährigen sind schon vollständig geimpft. Eine klare Mehrheit der Einwohner hat bereits einen Grünen Pass, der Geimpften und Genesenen neue Freiheiten ermöglicht.

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Die Schweiz und Israel im Vergleich. Die Osterzahlen der Schweiz sind hier noch nicht miteingerechnet, weshalb die Kurve aktuell steil nach unten zeigt.

Die sinkenden Fallzahlen sprechen für die Wirksamkeit der Impfkampagne, die zu den erfolgreichsten weltweit zählt: Am Dienstag teilte das Gesundheitsministerium mit, nur 375 neue Fälle seien in den vergangenen 24 Stunden gemeldet worden.

Bilder wie aus einer anderen Zeit – doch so sieht das Leben gerade in Israel aus

Video: watson

Nur 0.7 Prozent von mehr als 55'500 Tests fielen positiv aus. Zum Vergleich: Mitte Januar hatte der Höchststand noch bei mehr als 10'000 Fällen am Tag gelegen, im September hatte der Anteil der positiven Tests einen Höchststand von mehr als 15 Prozent erreicht.

Das angesehene Ichilov-Krankenhaus in Tel Aviv schrieb am Montag auf Facebook, es habe erstmals seit Beginn der Pandemie vor gut einem Jahr keine einzige neue Corona-Einweisung in der Klinik gegeben. Ausserdem müsse niemand mehr wegen einer Corona-Infektion beatmet werden und es sei kein neuer Todesfall verzeichnet worden: «Grossartig!»

epa09063618 People sit in a re-opened restaurant in downtown Jerusalem, 09 March 2021. Israeli government approved the easing of coronavirus restrictions allowing bars, restaurants, event halls, sporting events to re-open to the public on 07 March. Israel has so far vaccinated five million citizens with the first dose of the coronavirus vaccine and almost four million with the second dose.  EPA/ABIR SULTAN

Ein Restaurant in Jerusalem. Nur die Maske erinnert hier noch an die Pandemie. Bild: keystone

Menschen mit Grünem Pass können in Israel inzwischen wieder Konzerte und Theaterveranstaltungen besuchen, in Restaurants gehen, im Fitnessstudio und Schwimmbad trainieren, und vieles mehr. Viele Menschen wagen es auch wieder, sich gegenseitig in die Arme zu nehmen.

In einem Tel Aviver Büroturm treffen sich Menschen zum ersten Mal seit einem Jahr zu einer Cocktailparty ohne Masken. Der Corona-Beauftragte Nachman Asch sagte, kommende Woche könnte Maskenpflicht zumindest im Freien offiziell aufgehoben werden.

Doch nicht alles sieht rosig aus. Zuletzt stagnierte die Zahl der täglichen Impfungen deutlich und rund eine Million Israelis sind noch nicht geimpft. Viele Impfzentren stehen praktisch leer. Es gibt einen harten Kern von Impfgegnern, die sich auch mit Vergünstigungen nicht ködern lassen wollen.

epa09033882 People present their coronavirus vaccination certificate or 'green badge' at the entrance of a music concert in Tel Aviv, 24 February 2021. Israel reopened cultural hubs for people with a vaccination certificate or 'green badge', after months of closure due to the coronavirus pandemic. Israel started lifting some of its coronavirus restrictions and allowed the use of 'Green Badge' app for vaccination certificate for people who have received two doses of the coronavirus vaccine.  EPA/ABIR SULTAN

Mit dem Zertifikat zurück in die Zukunft: Geimpfte zeigen vor einem Konzert ihre Impfbestätigung, den sogenannten «Green Badge». Bild: keystone

In sozialen Medien hagelt es immer wieder harte Kritik an der «aggressiven» Impfkampagne. Überzeugte Impfgegner schrecken auch nicht davor zurück, Sanktionen gegen Ungeimpfte im Land mit denen gegen Juden in Nazi-Deutschland zu vergleichen.

Wenn sich nicht alle Erwachsenen impfen lassen, kann nach Einschätzung israelischer Experten auf Dauer keine Herdenimmunität erzielt werden. Dazu kommt: Israel ist ein sehr junges Land, rund 30 Prozent der Bürger sind unter 16 Jahre alt. Sie können bisher nur in absoluten Ausnahmefällen geimpft werden.

Experten rechnen aber damit, dass bald auch die Impfung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jahren beginnen könnte. Wie viele der Eltern zustimmen werden, ist allerdings noch ungewiss. (meg/sda/dpa)

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