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Ein Mitarbeiter der israelischen Bestattungsgesellschaft muss sich ausruhen. Er arbeitet in einer speziellen Leichenhalle für Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, und trägt daher Schutzkleidung.
Ein Mitarbeiter der israelischen Bestattungsgesellschaft muss sich ausruhen. Er arbeitet in einer speziellen Leichenhalle für Menschen, die an Covid-19 gestorben sind, und trägt daher Schutzkleidung.
Bild: keystone

Wie Israel zum Impf-Vorreiter wurde – und warum es trotzdem rekordhohe Fallzahlen gibt

Israel kommt mit dem Impfen gegen Covid-19 so schnell voran wie kaum ein anderes Land. Doch auch wenn bereits 20 Prozent geimpft sind, kämpft Israel zurzeit mit so hohen Fallzahlen wie nie zuvor. Betroffen sind vermehrt Junge.
11.01.2021, 18:0809.03.2021, 10:43
Lea Senn
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Kurz nach der Nachricht, dass die ersten Menschen in Israel die zweite Impfdosis gegen Covid-19 erhalten haben, meldeten die israelischen Spitäler einen neuen Rekord an Hospitalisierungen.

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Dass in den kommenden Tagen mehr Menschen eine medizinische Versorgung benötigen werden, war leider zu erwarten: Die Fallzahlen stiegen in den letzten Tagen exponentiell an. Das Land mit fast gleich vielen Einwohnern wie die Schweiz meldete in den letzten Tagen über 7000 positiv Getestete pro Tag.

Auch die Positivitätsrate steigt seit Mitte November wieder deutlich an – und das während die Anzahl der durchgeführten Tests in Israel noch immer deutlich erhöht wird.

Laut Angaben des Staates sind inzwischen wieder vermehrt jüngere Menschen betroffen. Bemerkbar mache sich das auch bei den Personen mit schweren Krankheitsverläufen: Bereits mehr als jeder vierte Covid-Patient in einem Spital sei weniger als 60 Jahre alt.

Laut dem stellvertretenden Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums Dr. Itamar Grotto stehe der Anstieg in Zusammenhang mit der britischen Virenmutation, welche sich unter den jüngeren Menschen schnell verbreite.

Lockdown trotz Impferfolgen

Aufgrund der steigenden Zahlen befindet sich Israel trotz den Erfolgen an der Impffront zum dritten Mal in einem landesweiten Lockdown. Seit dem 27. Dezember darf man sich nur in einem Radius von 1000 Metern von seinem Zuhause bewegen und einen anderen Haushalt zu besuchen ist verboten. Schulen, alle nicht-systemrelevanten Geschäfte und Freizeitangebote sind geschlossen.

Allerdings hofft Grotto darauf, dass sich die Situation bald bessert – nicht zuletzt wegen der Tatsache, dass viele Risikopatienten dank der Impfung bald geschützt sein dürften. Fast 70 Prozent der Israelis über 60 Jahre haben eine erste Impfdosis erhalten, die ihnen bereits eine gewisse Immunität verleiht.

Insgesamt 1,8 Millionen Personen wurden in Israel schon geimpft, das ist rund ein Fünftel. Seit Samstag erhalten die ersten die zweite Impfdosis, die für den gewünschten Schutz erforderlich ist, darunter auch Premierminister Benjamin Netanyahu.

Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu bekam am Samstag als erste Person in seinem Land die zweite Impfdosis.
Der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu bekam am Samstag als erste Person in seinem Land die zweite Impfdosis.
Bild: keystone

Damit ist der Impfprozess in Israel im weltweiten Vergleich schon sehr weit fortgeschritten. Bis Ende März sollen alle über 16-Jährigen geimpft sein.

Warum Israel so schnell impfen kann

Es gibt wohl verschiedene Gründe, warum es Israel als verhältnismässig kleines Land in eine so gute Ausgangslage in Bezug auf die Covid-Impfung geschafft hat.

Gründe für Israels Impferfolg
Gründe für Israels Impferfolg
Bild: watson

1. Elektronische Patientendossier

Eine entscheidende Rolle dürften dabei die elektronischen Patientendossiers spielen. Jeder Israeli trägt seine medizinischen Informationen auf einer Karte im Kreditkartenformat bei sich.

Dank der elektronischen Daten lässt sich das Impfen deutlich einfacher organisieren und die Immunität auch besser auswerten – was nicht zuletzt auch für die Hersteller des Impfstoffes interessant sein dürfte. Israel fungiere daher laut SRF-Nahost-Korrespondent Pierre Heumann als «Test-Land» für Pfizer und Moderna.

2. Gesundheitssystem mit Konkurrenz

Pierre Heumann sieht den Hauptgrund für das effiziente Impfen beim Gesundheitssystem, das Israel von anderen Ländern unterscheidet. So gäbe es nur vier Krankenkassen, zu denen gleichzeitig auch die Kliniken gehören, die die Impfungen durchführen. Die Krankenkassen sind also auch gleich selbst für die Logistik verantwortlich. Jede will ihren Job so gut wie möglich machen, um viele Kunden von sich zu überzeugen. Dieses Konkurrenzdenken beschleunigt den Impfprozess.

3. Höherer Preis pro Impfdosis

Eine weitere Vermutung ist, dass Israel deutlich mehr für den Impfstoff bezahlt als andere Länder und daher sehr schnell an viele Impfdosen gelangt ist – Transparenz dazu gibt es allerdings nicht. So hat Israel bereits am 9. Dezember die ersten Impfdosen des Pfizer-Impfstoffes erhalten, am Sonntag folgten nochmals Hunderttausende. Auch die erste Lieferung des Moderna-Impfstoffes ist bereits in Israel eingetroffen.

Premierminister Benjamin Netanyahu (z.v.l.) nimmt eine Lieferung Pfizer-Impfstoff entgegen.
Premierminister Benjamin Netanyahu (z.v.l.) nimmt eine Lieferung Pfizer-Impfstoff entgegen.
Bild: keystone

Insgesamt hat Israel rund 24 Millionen Impfdosen bestellt. In der Schweiz sind es rund 13 Millionen.

4. Gute Beziehungen zu Pfizer

Der israelische Premierminister Netanyahu selbst erklärt die gute Ausgangsposition seines Landes mit seinen guten Beziehungen zu Pfizer-CEO Albert Bourla. Diese Tatsache ist allerdings umstritten, da viele andere Staatschefs ebenfalls guten Kontakt zu Bourla haben.

Nach der zweiten Impfdosis erhält man in Israel einen sogenannten «Grünen Pass», welcher in Zukunft einige Vorteile wie beispielsweise die Befreiung von Quarantänepflicht bei der Einreise mit sich bringt. Auch der Zugang zu kulturellen Veranstaltungen und den seit Monaten geschlossenen Restaurants soll damit ermöglicht werden.

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