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epa08367122 A handout photo made available by the French Defense Ministry on 16 April 2020 shows the briefing of a disinfection team of the French nuclear aircraft carrier Charles De Gaulle in Toulon, France, 14 April 2020. The French Defense Minister announced on 15 April 2020 that 668 people tested positive for the coronavirus in the aircraft carrier Charles de Gaulle.  EPA/BENOIT EMILE    HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Die Besatzung des Flugzeugträger «Charles de Gaulle» musste nach dem Ausbruch des Virus isoliert werden. Bild: EPA

Corona an Bord: Wie ein Virus zwei Kriegsschiffe lahmlegte

In den vergangenen Wochen brauch bei Besatzungen von zwei Kriegsschiffen das Coronavirus aus. Die Fälle «Charles de Gaulle» und «USS Theodore Roosevelt» sind dramatisch, geben aber der Wissenschaft wichtige Hinweise.



Kurz bevor das Drama offenbar wurde, gab es noch ein Konzert. Im grossen Hanger des französischen Flugzeugträgers «Charles de Gaulle» spielte die Matrosenkapelle. Rund 300 Militärs lauschten den Klängen. Dabei habe man sich zwar bemüht, Distanz zu halten - im Nachhinein hätte man auf diese Veranstaltung aber wohl verzichten sollen, resümiert der Stabschef der französischen Marine, Christophe Prazuck. Denn kurze Zeit später - Anfang April - ist klar: Das Coronavirus ist mit an Bord. Aus ein paar Verdachtsfällen werden mehr als 1000 infizierte Militärs. Wie konnte das passieren?

Bereits Ende März erschütterte ein Corona-Ausbruch auf dem US-Flugzeugträger «USS Theodore Roosevelt» die amerikanische Marine. Das Virus hatte sich rasch unter der Besatzung ausgebreitet. Mehr als 770 Besatzungsmitglieder haben sich mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert, 99 Prozent der Crew wurde bisher getestet. Ein Besatzungsmitglied starb an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung. Am Ende stand der Rücktritt von Marineminister Thomas Modly. Hätten die Franzosen nicht gewarnt sein müssen?

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Die «Charles de Gaulle» ist ein nuklear angetriebener Flugzeugträger und das Flaggschiff der französischen Marine. Entscheidend bei der Frage danach, wie das Virus auf das Schiff gekommen ist, ist ein Aufenthalt in Brest. Dort machte das riesige Kriegsschiff vom 13. bis 16. März Halt. Zu dieser Zeit gab es in Frankreich noch keine Ausgangsbeschränkungen, aber das Land steckte bereits mitten in der Corona-Krise. Der Fall aus den USA war noch nicht bekannt.

Die Militärs hätten dringend etwas Zeit zum Wiederauftanken gebraucht, verteidigte Prazuck den Stopp im «Journal Du Dimanche». Allerdings geht er davon aus, dass das Virus wahrscheinlich in Brest an Bord gekommen ist - sicher sei es aber nicht. Die Militärs durften an diesem Wochenende ihre Familien besuchen, einige sind Berichten zufolge in Bars zum Feiern gegangen. Rückblickend, so Prazuck, wäre es vielleicht besser gewesen, die Mission damals abzubrechen.

Massnahmen wieder gelockert

Doch es ging wieder raus auf den Atlantik, mit mehr als 2000 Militärs. Auf einem Schiff, auf dem man sich kaum aus dem Weg gehen kann, mit engen Gängen und Zimmer für bis zu 20 Menschen. In dieser Zeit gab es laut französischem Verteidigungsministerium einige Vorsichtsmassnahmen, der Morgenappell wurde etwa abgesagt.

«Nach vierzehn Tagen auf See, in denen keine Fälle gemeldet wurden, wurde (dies) allmählich gelockert, da der Kommandant das Gefühl hatte, dass das Risiko geringer geworden sei...», so Stabschef Prazuck. Im Hangar spielte also die Kapelle. Zu diesem Zeitpunkt müsste den Franzosen auch der Ausbruch auf dem US-Schiff bekannt gewesen seien.

Kurz darauf gab es erste Verdachtsfälle auf der «Charles de Gaulle». Das Investigativportal «Mediapart» berichtete etwa unter Berufung auf einen Matrosen und Familienangehörige, dass die Epidemie auf dem Schiff solche Ausmasse annahm, dass nicht alle Kranken verfolgt und isoliert werden konnten. Viele Menschen hätten Symptome gehabt, es sei überall gehustet worden.

Das Schiff kehrte am 12. April schliesslich in seinen Heimathafen Toulon zurück, die Militärs wurden in der Region isoliert - einige erheben schwere Vorwürfe. Mehr als 20 kamen ins Krankenhaus, zwei sogar auf die Intensivstation. Verteidigungsministerin Florence Parly musste sich vor dem Verteidigungsausschuss des Senats zu dem Skandal befragen lassen.

Parallelen zum Fall «USS Theodore Roosevelt»

Dass ein solch beengter Ort wie ein Flugzeugträger für ein Virus der perfekte Ort ist, ahnte auch der entlassene Kapitän der «USS Theodore Roosevelt», Brett Crozier. Er schlug in einem Brief Alarm wegen der Situation an Bord - und sendete ihn an einen grossen Verteiler.

epa08341537 A handout photo made available by the US Navy shows medical staff taking a swab sample for COVID-19 testing aboard the aircraft carrier USS Theodore Roosevelt (CVN 71), at Apra Harbor, Guam, 01 April 2020 (issued 03 April 2020). According to reports on 02 April, the Navy will relieve the aircrafts carrier's Captain Brett Crozier from duty. Days earlier, Crozier had sounded the alarm about a COVID-19 coronavirus outbreak on the ship that infected some 114 sailors of the 4,865 crew members.  EPA/Dartanon D. De La Garza / US NAVY HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Ein Besatzungsmitglied der «USS Theodore Roosevelt» wird auf das Virus getestet. Bild: EPA

Er forderte eine weitgehende Evakuierung des Schiffs, um weitere Infektionen zu vermeiden. «Wir befinden uns nicht im Krieg. Keine Marineangehörigen müssen sterben», schrieb Crozier. Ohne Evakuierung müsse mit dem Tod von Soldaten gerechnet werden, warnte er. Er sollte Recht behalten.

Doch so dramatisch die beiden Fälle auch sind, sie sind auch wissenschaftlich nicht uninteressant. US-Verteidigungsminister Mark Esper sagte vergangene Woche, dass von 585 positiv getesteten Soldaten nur 213 Symptome gezeigt hatten. Auch in Frankreich haben nur rund die Hälfte der mehr als 1000 positiv getesteten Besatzungsmitglieder Symptome. Die Besatzung eines Kriegsschiffes ist im Schnitt ausserdem jünger als der Durchschnitt der Bevölkerung.

«Es gibt wahrscheinlich eine beträchtliche Anzahl asymptomatischer Formen, die vor allem in jüngeren Bevölkerungen auftreten», sagte Jean-François Delfraissy, der Leiter des wissenschaftlichen Rates, der die französische Regierung in der Krise berät. Allerdings gibt er auch zu bedenken: «Es ist sehr informativ und sollte uns zum Nachdenken anregen, aber es handelt sich immer noch um ganz besondere Bedingungen.»

Warten auf Normalität

Heute liegt die nukleargetriebene und hochgerüstete «USS Theodore Roosevelt» vor der Pazifikinsel Guam. Das Schiff ist inzwischen weitgehend evakuiert worden. Aus Sicherheitsgründen können allerdings nicht alle Soldaten von Bord gehen. Der Grund für den Ausbruch ist noch unklar. Von einer Rückkehr zur Normalität kann noch immer keine Rede sein. Die laut US-Medien geplante Rückkehr auf das Schiff, von dem angenommen wird, dass es mittlerweile «coronafrei» ist, verzögert sich.

Im Gegensatz zu den USA hat Frankreich nur einen einzigen Flugzeugträger - die «Charles de Gaulle». Das Flaggschiff der französischen Marine, das in der Vergangenheit am Kampf gegen islamistische Kämpfer im Nahen Osten, beteiligt war, liegt nun im Hafen von Toulon und wird desinfiziert. (dab/sda/dpa)

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