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Offenbar wars doch nicht der Barkeeper: Gemäss österreichischen Angaben soll eine Kellnerin aus der Schweiz

Das war einmal: reger Betrieb im Skigebiet Ischgl. Bild: PPR

«Corona-Schleuder» Ischgl: Österreich droht teure Sammelklage



Für Ski-Enthusiasten und Partyurlauber ist der Wintersportort Ischgl in Österreich ein Paradies. Kunstschnee auf den Pisten, Cocktails in Holzhütten und Gleichgesinnte so weit das Auge reicht. Vor allem Après-Ski-Bars wie das Kitzloch machten den Skiort europaweit bekannt.

Seit Corona gilt der beliebte Skiort bei vielen jedoch nicht mehr als «Ballermann», sondern eher als «Virenschleuder der Alpen» – quasi ein Vulkan, der statt Lava Erreger spuckt. Denn tausende Touristen infizierten sich dort und brachten das Virus in ihre Heimat, darunter auch nach Deutschland.

ABD0125_20200313 - ISCHGL - ÖSTERREICH: ZU APA0767 VOM 12.3.2020 - Die Wintersaison endet heuer aufgrund des Coronavirus in Tirol frühzeitig. Nach dem Wochenende werden alle Skigebiete geschlossen. Im Bild: Eine Bar aufgenommen am Freitag, 13. März 2020, in Ischgl in Tirol. - FOTO: APA/JAKOB GRUBER

Die Wintersaison in Tirol endete frühzeitig. Bild: APA/APA

Bisher wurden die Betroffenen mit dem Schaden allein gelassen. Bisher. Der Verein zum Schutz von Verbraucherinteressen in Wien will das ändern – mit einer Sammelklage. Das geht aus einem Bericht des «Handelsblatts» hervor. Ziel seien die Bundesbehörden.

Einige Rückmeldungen

Klagen kann jeder, der von den Vorfällen in Ischgl betroffen war. Dazu zählen Touristen aus Ländern wie Deutschland, Grossbritannien, Russland oder auch den USA. Dafür müssen sie lediglich dem Verbraucherschutzverein für einen jährlichen Beitrag von 30 Euro beitreten. Der vertritt wiederum ihre Rechte in der Klage.

Peter Kolba, Chef des Verbraucherschutzvereins, sagt dem «Handelsblatt» dazu:

«Wir haben bereits 4500 Betroffene, die sich mit ihren Daten über den Aufenthalt in den Skigebieten gemeldet haben. Davon sind 2800 aus Deutschland.»

Peter Kolba handelsblatt

Doch davon muss nicht jeder zwangsläufig klagen. Bisher haben laut Kolba rund 500 Betroffene den Verein bevollmächtigt, ihre Interessen zu vertreten.

Auch wenn sich viele Menschen melden, bleibt unklar, ob es die Chance auf Schadensersatz gibt. Gebraucht wird er allerdings. «Viele Betroffene mussten sich nach ihrer Rückkehr aus Tirol in zweiwöchige Heimquarantäne begeben. Selbstständige und Unternehmer konnten dadurch nicht arbeiten», sagt Kolba. In Bayern sei die Belegschaft einer Wäscherei so stark betroffen gewesen, dass der Betrieb temporär eingestellt werden musste.

Was für viele abschreckend sein könnte, sind die Prozesskosten. Kommt es nicht zu einem Schuldspruch, bleiben die Klägerinnen und Kläger auf den Kosten sitzen. Um das zu vermeiden, engagierte der Verein einen Prozessfinanzier, der im Falle eines Schuldspruchs einen Teil der Schadensersatzsumme erhält.

Hilfe kommt

Erstmal ist jedoch Geduld gefragt. Eine Klage gegen Österreich sei laut Kolba aufwändig:

«Wir werden die Sammelklagen in Wien am Landesgericht für Zivilrechtssachen aber erst in einigen Monaten einbringen, da die Vorbereitung, Recherche und Prozessfinanzierung erfahrungsgemäss einige Zeit in Anspruch nehmen.»

Ein Strafantrag wurde bereits gestellt. Dieser richtet sich unter anderem gegen den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), den Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) sowie die Betreiberin der Bar Kitzloch. Aufgelistet wird in der Strafanzeige die Passivität und das Ignorieren der Behörden im Bezug auf das Coronavirus, schreibt das «Handelsblatt».

Während die Tiroler Landesregierung den Vorstoss der Verbraucherschutzorganisation begrüsst, weist der Bürgermeister von Ischgl, Werner Kurz, beim ORF jedwedes Fehlverhalten von sich:

«Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen alles abgehandelt und alle Vorgaben und Vorschriften der Behörden umgehend umgesetzt.»

Werner Kurz Orf

Hoffnung auf einen Kompromiss

Kolba fordert, dass die Ermittlungen zu Ischgl und anderen Tiroler Skiorten von Innsbruck nach Wien überwiesen werden. Grund sei die enge Verflechtung zwischen Politik, Wirtschaft und Behörden. Und da gerade die Tourismusindustrie in Tirol ein millionenschweres Geschäft ist, scheint Kolbas Vorstoss verständlich.

Trotz verhärteter Fronten hofft Kolba auf einen Vergleich. Vertreter des Landes und der Republik sollen sich zusammensetzen und eine schnelle Lösung für die Betroffenen erarbeiten. «Wir würden gerne jahrelange Prozesse für die Betroffenen vermeiden», sagte Kolba. Doch so einfach scheint das nicht zu werden.

Eine Sprecherin der Landesregierung Innsbruck verkündete, dass Schadensersatzansprüche auf gesetzlichen Grundlagen fussen, die im Einzelfall geprüft werden sollen. Je mehr sich an der Klage also beteiligen, desto länger zieht sie sich.

epa07286559 A general view of the village, is captured in Ischgl, Austria, 15 January 2019. Countries in the alps have received heavy snowfalls in the past days and are facing roadblocks and increased avalanche danger in many parts of the affected regions.  EPA/DANIEL KOPATSCH

Idyllisch: das Bergdorf Ischgl. Bild: EPA/EPA

Der Imageschaden bleibt

Die Sprecherin betonte zudem, dass es keinen fahrlässigen Umgang mit der Pandemie gegeben habe. Es wurde schlicht nach den, zu dem Zeitpunkt aktuellen, Informationen gehandelt.

Wann und ob es zu einem Schuldspruch kommt, bleibt offen. Auch wie hoch die Summe ausfallen könnte. Die untere Grenze des Schadensersatzes liegt laut Kolba bei fünf Millionen Euro. Verglichen mit dem Imageschaden, den Tirol davonträgt, sind das wohl Peanuts.

(tkr/watson.de)

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    Alle Leser-Kommentare
  • iudex 13.04.2020 23:44
    Highlight Highlight Ist diese "Sammelklage" nicht einfach viel mehr eine Klagehäufung? Item, viel Spass beim Beweisen.
  • Juliet Bravo 13.04.2020 22:15
    Highlight Highlight Ich empfehle euch diese Sendung/Doku von ORF 2 „Am Schauplatz“. Insbesondere der Gruppe „Eigenverantwortung“ hier drin, die das Verheimlichen der COVID-Fälle durch die Seilbahnen und die Gemeinde in Schutz nimmt, möge es bitte ansehen.

    Play Icon
  • weissauchnicht 13.04.2020 22:10
    Highlight Highlight Amerikanische Mentalität. Sorry, brauchen wir hier nicht. Klar, im Nachhinein ist man immer klüger. Aber dass irgendein Barbetreiber zum entsprechenden Zeitpunkt volle Kenntnis über das Coronavirus hatte, kann man nun wirklich nicht erwarten. Erst recht, da selbst Experten Vieles noch nicht genau über das Virus wissen.
    Hoffe die Gerichte entscheiden gegen die Klagenden und laden ihnen die vollen Prozesskosten auf. Wir können Steuergelder nun weiss Gott besser einsetzen als für solche unnötigen Verfahren, woran sowieso niemand mehr gesund wird.
  • *sharky* 13.04.2020 20:58
    Highlight Highlight Ich hoffe die Klage kommt durch oder man einigt sich im Sinne der Kläger.

    Das was dort geboten wurde ist äusserst fahrlässig und kriminell!

    Die welche hier die Grippe oder im etwas geringeren Masse Selbstverantwortung* ins Spiel bringen, haben das 'Prinzip' Corona immer noch nicht gecheckt.
    Was für ein Armutszeugnis für die 'Ischgl-Versteher'!

    Hey, viele Leute haben in den gebuchten Hotels angefragt, ob alles OK ist und man spielte darauf hin mit deren Gesundheit und deren Leben.

    PS*: Selbstverantwortung für sich selbst oder für 1000e, dass ist eine ganz andere Gewichtung!
    • Baba 14.04.2020 03:19
      Highlight Highlight @sharky: Selbstverantwortung übernimmt jeder für sich selbst - darum heisst die auch so! Da ist nix mit SV für 1000e...

      Damals im Februar war die Gefährlichkeit von Sars-Cov 2 sehr vielen noch nicht bewusst. Es ist zu einfach, den Hoteliers und Lokalbetreibern jetzt die Schuld zuzuschieben. Bei allem Verständnis für die Verärgerung jener, die sich in Ischgl angesteckt haben, so eine Sammelklage geht in die falsche Richtung und ich hoffe auf eine Abweisung derselben.

      Oder soll in Italien gegen die Betreiber des San Siro oder Atalanta Bergamo geklagt werden können?

      Ich finde sowas absurd.
    • *sharky* 14.04.2020 14:02
      Highlight Highlight Ich finde Deine Antwort auch äusserst absurd, eigentlich von A bis Z absurd.

      Informiere Dich einfach richtig(!), da z.B.;

      https://www.sueddeutsche.de/politik/corona-ischgl-tirol-chronologie-1.4848484

      bevor Du in die Tasten haust!

      Atalanta war 19. Februar, Ischgl pseudo-"Shutdown" >3 Wochen später!
      3 Wochen in denen weltweit, speziell in Europa in Sachen Corona viel passiert ist.
      So wurde z.B. auch die Basler Fasnacht schon am 28. Februar abgesagt.

      Und apropos SV, wenn das alles so perfekt funktionieren würde, gäbe es keine Verbote, Verbotstafeln, Gesetze etc. pp.

      Alles absurd...
  • Alnothur 13.04.2020 20:41
    Highlight Highlight Erinnert mich an die Amerikanerin, die McD verklagte, nachdem sie sich deren heissen Kaffee angeleert hatte
    • Regeschirm 14.04.2020 01:08
      Highlight Highlight Diese Geschichte ist Bullsh*t. McD verkaufte wissentlich zu heissen Kaffee, wodurch die Frau verbrennungen dritten Grades erlitt. Von den 20'000 Dollar Operationskosten wollte man ihr gerade mal 800 geben, weshalb es zur Klage kam. McD will dass du diese Geschichte lächerlich findest, um vom eigentlichem Problem abzulenken.
  • Herr Ole 13.04.2020 20:29
    Highlight Highlight Das Bild oben zeigt zwar das richtige Skigebiet, aber das falsche Land. Das ist Samnaun (in der Schweiz).
  • Töfflifahrer 13.04.2020 19:24
    Highlight Highlight Es gibt da was das nennt sich Selbstverantwortung!
    Es ist jedem frei gestanden abzureisen.
    Aber Hauptsache man kann die Verantwortung jemandem abschieben.
    • Staedy 14.04.2020 15:03
      Highlight Highlight Da hilft auch die Stammtischparole nicht viel. Wer ein Angebot auf dem Markt platziert hat auch für seine Gäste Sorge zu tragen und Verantwortung. Wer im Wissen, dass eine hohe Ansteckungsgefahr von infizierten Mitarbeitern ausgeht und trotzdem nur ein Ziel hat, Umsatz zu bolzen, der muss nicht erstaunt sein, wenn er rechtlich belangt wird. Auf Kosten von Kranken oder wenn möglich sogar Toten sich die Taschen füllen ist widerlich und ihre Aussage dazu verspottet die Betroffenen.
  • P. Meier 13.04.2020 19:01
    Highlight Highlight Auch eine Möglichkeit zur Mitgliederwerbung.
  • benn 13.04.2020 18:34
    Highlight Highlight Dümmer gehts echt nicht mehr, selbstverantwortung für seine gesundheit zu übernehmen scheint ausser mode, saufen, rauchen, fressen und party bis zum abwinken die konsequenzen tragen die anderen zu häufig unter dem decknamen der solidarität und wehe jemand getraut sich was dagegen zu sagen, sofort ein radikaler!!!!!
  • dmark 13.04.2020 18:11
    Highlight Highlight Es sollte doch eigentlich jeder wissen, dass an solchen Orten und zu diesen Zeiten sowieso ein erhöhtes Ansteckungsrisiko mit allen möglichen Bakterien und Viren vorhanden ist.
    Das Betreten solcher Tourismusgegenden geschieht also auf eigene Gefahr und Risiko.

    Ich glaube nicht, dass diese Klage eine Chance auf Erfolg haben dürfte.
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 13.04.2020 18:56
      Highlight Highlight Ich fürchte, dass die Atmosphäre derzeit zu aufgeheizt ist, als dass diese Klage nicht durchkommt.

      Ich bin klar der Meinung, wer einen solchen Ort aufsucht, muss damit rechnen sich etwas einzufangen.
      Sei es eine Grippe, oder in diesem Fall, das Coronavirus.
      Diese Klage stinkt danach, dass man krampfhaft versucht jemand anderen verantwortlich zu machen.
    • Janudehaut 13.04.2020 19:00
      Highlight Highlight Darum geht es nicht, und das ist auch allen klar. Es geht darum, dass Ischgl und Tirol schon sehr früh von Island und Norwegen gewarnt wurden (von Island am 4. März, von Norwegen am 8. März), die Ischgl wegen Rückkehrern als Hotspot erkannt hatten. Ischgl und Tirol stritten die Erkenntnisse danach tagelang ab ("sehr unwahrscheinlich", sagte der Zuständige vom Land Tirol) bis die Bundesregierung Ischgl am 13. März unter Quarantäne stellen musste. Für das Geld wurde hier mit der Gesundheit und dem Leben sehr vieler Menschen gespielt.
    • dmark 13.04.2020 22:20
      Highlight Highlight @Janudehaut:
      Wurden diese Infekte nicht Italienern in die Schuhe geschoben, welche in München zu- oder ausstiegen? Irgend so etwas war doch damals.
      Hatte das nicht so genau verfolgt.
  • uhl 13.04.2020 17:54
    Highlight Highlight Das ist ein Witz und das letzte, was wir jetzt brauchen: Dass man sich gegenseitig aufhetzt.
    Zudem möchte ich sehen wie sie beweisen wollen, dass Tourismusdestinationen ihre Gäste absichtlich angesteckt haben oder was?
    Ich hoffe, das ist nicht der total normale Wahnsinn, der jetzt wieder zurückschlägt...
    • Scaros_2 13.04.2020 20:07
      Highlight Highlight Naja die Sache ist die. Man wusste scheinbar schon, dass es Fälle gab. In diversen E-Mails hat man die Sache jedoch bagatellisiert und herabgespielt. Und gegen diese Art wird jetzt geklagt.
    • LubiM 13.04.2020 21:47
      Highlight Highlight Island hat vor Tirol über die Situation in Ischgl gewarnt, das kanns ja nicht sein oder?
    • weissauchnicht 13.04.2020 22:15
      Highlight Highlight Naja, vor Klimatoten warnten auch schon lange ganz viele, und es wird sie geben, ein Vielfaches von Coronatoten. Gegen wen klagen wir dann? Und wem nützt das? Dass solche Warnungen in den Wind geschlagen werden gehört zu unserer Konsumkultur, und die war in Ischgl halt besonders ausgeprägt. Wer dahin ging, wusste das.
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