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August 12, 2020, Badung, Bali, Indonesia: Closed restaurant terraces in Pandawa Beach during the coronavirus crisis..Major tourism spots in Indonesia s resort island of Bali are still closed despite the local authoritys decision to reopen amid increasing Covid-19 cases. Domestic tourism has been reopened since July 31, 2020, while international tourism will be open in September 11, 2020. Badung Indonesia - ZUMAs197 20200812_zab_s197_016 Copyright: xDickyxBisinglasix

Zehn Stühle, drei Schirme, ein Strand – keine Touristen. (Badung, Bali) Bild: www.imago-images.de

Die grosse Leere: Im Juni besuchten 32 (!) ausländische Gäste Bali

Carola Frentzen und Anton Muhajir, dpa



Kuta Beach ist kaum wiederzuerkennen. Wo sich auf Bali sonst Sonnenanbeter aus aller Welt tummeln, Masseusen ihre Dienste anbieten und Bauchladenverkäufer Sarongs und eiskaltes Bintang-Bier anpreisen, herrscht seit März Flaute.

Auch die berühmten Sonnenuntergänge über dem Indischen Ozean finden ohne Publikum statt. Keine Ausflugsfahrten zu den Reisterrassen von Tegallalang, kein «Tempel-Hopping» zu den Anlagen von Tanah Lot, Uluwatu und Besakih, keine Yoga-Retreats in Ubud – die für die indonesische Insel so wichtige Tourismusbranche liegt wegen des Coronavirus am Boden.

Dabei hängt mehr als die Hälfte von Balis Wirtschaft davon ab, und die meisten Balinesen arbeiten entweder direkt oder indirekt im Reisesektor. Kein Wunder: Laut örtlichem Statistikamt besuchten vergangenes Jahr mehr als sechs Millionen internationale Gäste die «Insel der Götter», die nur rund 5700 Quadratkilometer gross ist – das ist in etwa das Anderthalbfache von Mallorca.

August 12, 2020, Badung, Bali, Indonesia: An empty street of shops alley at Pandawa Beach during the coronavirus crisis..Major tourism spots in Indonesia s resort island of Bali are still closed despite the local authoritys decision to reopen amid increasing Covid-19 cases. Domestic tourism has been reopened since July 31, 2020, while international tourism will be open in September 11, 2020. Badung Indonesia - ZUMAs197 20200812_zab_s197_021 Copyright: xDickyxBisinglasix

Laubblätter werden durch die leere Shopping-Strasse am Pandawa Beach geweht. Bild: www.imago-images.de

Der Vize-Gouverneur Cok Ace rechnete schon im Frühsommer vor, dass Bali durch die Pandemie jeden Monat 9.7 Billionen indonesische Rupien verliert – rund als 600 Millionen Franken. Eine enorme Zahl für ein so kleines Eiland.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Juni, Juli und August gelten normalerweise als Hochsaison für Sonnen-, Kultur- und Partyhungrige aus Australien, China oder Europa. Im direkten Vergleich: Wurden im Juni 2019 noch 600'000 ausländische Gäste gezählt, so waren es in diesem Juni 32.

Terror, Vogelgrippe, Vulkan

Bali ist an Krisen gewöhnt. 2002 und 2005 wurde die Insel von Terroristen attackiert, auch Hunderte Feriengäste waren unter den Opfern. Gerade hatte sich der Tourismussektor wieder einigermassen berappelt, da schlug 2007 die Vogelgrippe zu – aber auch das H5N1-Virus konnte die Insel nicht in die Knie zwingen. Ende 2017 warnten Vulkanologen vor einem grossen Ausbruch des Gunung Agung, viele sagten ihre geplanten Reisen aus Angst vor dem Feuerberg ab.

Die Katastrophe blieb aus, und die Touristen kamen zurück. Mit dem Coronavirus hat jetzt aber ein Gegner zugeschlagen, der die Branche seit Monaten im Würgegriff hat. Kann sie sich noch einmal erholen?

August 12, 2020, Badung, Bali, Indonesia: Closed shops in Pandawa Beach during the coronavirus crisis..Major tourism spots in Indonesia s resort island of Bali are still closed despite the local authoritys decision to reopen amid increasing Covid-19 cases. Domestic tourism has been reopened since July 31, 2020, while international tourism will be open in September 11, 2020. Badung Indonesia - ZUMAs197 20200812_zab_s197_005 Copyright: xDickyxBisinglasix

Vor dieser Toilette gibt es keine Schlange (Badung, Bali, 12. August). Bild: www.imago-images.de

Als Ende Juli erstmals wieder einheimische Touristen von den Nachbarinseln anreisen durften, wurden diese am Flughafen in Denpasar mit grossem Tamtam und Blumengirlanden empfangen. Die Erleichterung war so gross, dass ein örtlicher Minister den Tag gar als «historisch» bezeichnete.

Die Zahlen aber sprechen eine andere Sprache: «Die Öffnung für den lokalen Tourismus hatte keine bedeutenden Auswirkungen auf die Hotelbelegungen», zitierte das Nachrichtenportal «Kompas» zuletzt den Sprecher der Hotelvereinigung IHGMA, Made Ramia Adnyana. Am Wochenende 22.-23. August etwa hätten gerade einmal 4900 Touristen von anderen Inseln Bali besucht. Ein Klacks, wenn man bedenkt, dass 130'000 Hotelzimmer bereit stehen.

Die Insel bleibt zu

Und es folgte eine weitere kalte Dusche: Pläne, Bali ab dem 11. September auch für ausländische Urlauber wieder zu öffnen, mussten im August verworfen werden. Bis mindestens Anfang 2021. Vorsicht ist besser als Nachsicht: «Bei der Wiederbelebung des Tourismus darf Bali nicht scheitern, weil dies das Image Indonesiens in der Welt schädigen könnte», warnte Bali-Gouverneur Wayan Koster.

Gleichzeitig werden Forderungen lauter, Bali müsse unabhängiger vom Tourismus werden. Das wäre auch eine Chance für einen nachhaltigeren Neubeginn. Denn der Boom hatte auch eine Kehrseite: Massentourismus und Müll, Kommerz und Komasaufen – abgesehen von ein paar idyllischen Orten abseits des Touristentrails war Bali längst nicht mehr das beschauliche Hippie- und Surferparadies aus den 1970er Jahren.

«Für Bali ist die Reisesperre auch ein Segen, es ist endlich einmal ruhig, nirgends herrscht Verkehrschaos. Das ist schon etwas Besonderes», sagt Alejandro Fernandez-Cruz. Der Spanier lebt seit drei Jahren mit seiner Familie in Ubud.

Bali, Indonesia, Sept 20, 2019 Crowded market at Ubud city colorful.

Ein Markt in Ubud im September 2019. Bild: http://www.imago-images.de/

In all der Zeit habe er Bali immer nur vollgepackt mit Touristen erlebt. Jetzt hingegen rückten die Expats und die Einheimischen enger zusammen, erzählt der 51-Jährige. «Natürlich ist es auch traurig, dass so viele Restaurants und Geschäfte geschlossen sind – aber die Balinesen helfen sich gegenseitig. Das ist Teil ihrer Lebensweise.»

Tomaten statt Touristen

Viele haben sich der Landwirtschaft zugewandt. So etwa in Tegeh Sari, einer Gemeinde in der Hauptstadt Denpasar, wo Anwohner eine 1000 Quadratmeter grosse frühere Müllhalde in blühendes Farmland verwandelt haben. Tomaten, Paprika, Auberginen und Malabarspinat bauen sie hier an.

«Jetzt müssen wir das Gemüse wenigstens nicht mehr auf dem Markt kaufen», sagt Putu Gede Himawan Saputra, der wie seine Mitstreiter bisher mit dem Tourismus sein Geld verdiente. Und noch einen Vorteil hat die Bewirtschaftung des Geländes, gerade in Corona-Zeiten: «Mit dem frischen Gemüse können wir unser Immunsystem stärken.»

Auch Gouverneur Koster hat schon im Juli auf das grosse Potenzial balinesischer Agrarerzeugnisse hingewiesen – speziell mit Blick auf tropische Früchte. «Salak (Schlangenhautfrucht) ist bereits sehr gefragt und auch für die Drachenfrucht bereiten wir einen Markt vor.» Überhaupt möchte Koster Balis Wirtschaft nach so vielen Rückschlägen künftig auf mehr Pfeiler stellen als nur auf den Tourismus, darunter den Innovationssektor und die Fertigungsindustrie.

«Dahinter verbirgt sich Traurigkeit»

Dennoch, die Pandemie hat die Balinesen hart getroffen. Auch wenn das Virus der Insel selbst eine Atempause von den Massen verschafft, leiden die Menschen unter Jobverlust und Geldnot. «Wir Balinesen neigen dazu, unsere Gefühle nicht zu zeigen», sagt Wayan Partawan, der normalerweise als Yogalehrer in einem bekannten Resort arbeitet. Derzeit kann er nur Online-Kurse geben. «Wir sehen zwar nach aussen glücklich aus, aber dahinter verbirgt sich Traurigkeit», sagt er.

epa08608375 A powered paraglider carries an Indonesian flag during the 75th Independence Day celebration in Gianyar, Bali, Indonesia, 17 August 2020. Indonesia gained independence from the Netherlands in 1945.  EPA/MADE NAGI

Mit Drachen und Paraglider gegen das Ungemach. Bild: keystone

Noch etwas anderes fällt in diesen Tagen auf. Die Einwohner gehen verstärkt einer ihrer grossen Leidenschaften nach: Drachen steigen lassen. Wer Bali kennt, der weiss um diese Passion der Inselbewohner. Flugdrachen gelten bei den hinduistischen Balinesen als Glücksbringer – da ist es vielleicht kein Zufall, dass sich derzeit so viele am Himmel tummeln. (sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rethinking 08.09.2020 16:43
    Highlight Highlight Nach dem Massentourismus will man sich nun also auf Monokulturen konzentrieren...

    Statt Umweltverschmutzung und co2 nun also Übernutzung des Bodens und Pestizide...

  • Rosskastanie 08.09.2020 08:56
    Highlight Highlight Good News, kann sich die Natur vielleicht ein bisschen erholen von all den Insta-Spiritisten, die dann mit Empörung auf die Vermüllung und den Massentourismus und die Verschandelung der Natur aufmerksam gemacht haben. Aber he, der Infinitiy-Pool war doch so cool....und die 4x4-Tour durch die "unberührte Landschaft" ein Must.....und so weiter und so fort. Und alle, die jetzt Schreien, "die brauchen den Tourismus!", erinnert mich an die "Bekehrung" Afrikas...da denken gewissen heute noch, "die brauchen das!"
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  • Der Kritiker 08.09.2020 05:29
    Highlight Highlight Gerade das "das beschauliche Hippie- und Surferparadies" hat Bali zu dem gemacht, was es heute ist. Die Hippies werden hier zu sehr geehrt,denn als sie den Zaster sahen, vergassen auch sie Peace, Love and Happiness.
  • Mareko 08.09.2020 04:52
    Highlight Highlight Auch ich lebe nun in einem fernen tropischen Inselstaat, auch hier fehlt der Tourismus mehr als nur zur Einnahmequelle. Seit März sind alle Flugverbindungen eingestellt. Obwohl es hier und auch in den Nachbarstaaten, bis auf eine Ausnahme, keine Covid-19 Infizierung gibt, hatten und haben wir immer noch einige Einschränkungen. Hier schauen viele nach Französisch Polynesien (Tahiti), das eine kontrollierte Öffnung gewagt hat und nun dadurch wieder einige Neuinfektionen zu verzeichnen hat. Alle Feriendestinationen leiden unter der Seuche aus China, wie es weiter geht, ist nach wie vor ungewiss.
  • Autokorrektur 07.09.2020 23:48
    Highlight Highlight Ich hoffe, dass Bali sich nicht der Fertigungsindustrie anbiedert, das wäre vermutlich der Todesstoss für die Natur dort. Ich hoffe auch, die Balinesen besinnen sich darauf, dass sie weniger auf die Touristen angewiesen sind als sie meinen. Ich würde es der Insel gönnen, wenn sie sich vom Massentourismus befreien kann.
    • Der Kritiker 08.09.2020 05:33
      Highlight Highlight Und woher nehmen die Balinesen dann plötzlich das Geld? Beim Beten in den Tempeln kommt kein Stutz in die Hosentasche,selbst als Taxifahrer reicht das Geld nirgends hin. Reisanbau? Handel mit Kopi Luwak? Ach ja, Batik-T-shirts könnten ja wieder mal in Mode kommen. Bali kann und will sich nicht vom Tourismus lösen. Es stehen zu viele Existenzen auf dem Spiel.
    • Butch Cassidy & Sundance Kid 08.09.2020 07:26
      Highlight Highlight Muss dir da leider enttäuschen.. war vor 15, 5 und nochmal letztes Jahr in Bali.. Als Surfer bereist du verschiedenste Örter der Insel und dort wurde in dieser Zeit so unglaublich viel Natur zerstört, dass es einfach schmerzt das zu sehen..
      Massentourismus vor allem aus China / Russland ist dort seit Jahren ganz normal..
  • Frida Kahlo 07.09.2020 23:15
    Highlight Highlight Hach Bali, auch wenn die Insel so überfüllt war, ich habe sie in mein Herz geschlossen.
    Wenn du durch die Nacht auf den Agung wanderst, nur mit deinem Bruder, ohne Guide, und dann morgens nur zu zweit auf dem Kraterrand stehend den Sonnenaufgang beobachtest, dann siehst du die pure Schönheit Balis. Ein Traum.

    Um dem Massentourismus zu entgehen, macht man am besten einen Abstecher auf NusaPenida...einfach wundervoll.
    • Filzstift 07.09.2020 23:27
      Highlight Highlight Schönheit? Bei den Abfallmassen?

      Und du bist Teil des Massentourismus.
    • Frida Kahlo 08.09.2020 06:35
      Highlight Highlight Ja, Schönheit, wenn du auf dem Agung stehst, siehst du die Abfallmassen nicht, die Insel ist im Kern traumhaft. Auch Mallorca ist eine wunderschöne Insel, denkt man sich die Massen weg.

      ....und ja, beim reisen war ich Teil vom Problem, egal ob in eine entlegene Ecke Mocambiques reise oder nach Bali, ich hinterließ meine Fußabdrücke und meinen Müll. Ich war immer Teil des Massentourismus oder Teil eines zukünftigen Massentourismus.....nun reise ich nicht mehr.
  • Rhinopower 07.09.2020 21:52
    Highlight Highlight Auch wenn da viele Menschen dank des Tourismus ein Einkommen hatten und jetzt vielleicht darben und umdenken müssen, so hat das auch seine gute Seite. Die ganze ökologische Sauerei dieser Vielreiserei kann sich nun etwas erholen und es kann gehofft werden, dass in Zukunft weniger - dafür bewusster und nachhaltiger gereist wird. Die Natur und letztlich auch die Menschen würden davon profitieren.
  • MartinZH 07.09.2020 21:22
    Highlight Highlight Für die vom Tourismus abhängige Bevölkerung sicher keine erfreuliche Situation. Aber es wird sicher wieder anders werden. Die balinesische Natur wird es Corona aber sicher danken, dass sie sich auch einmal ein bisschen erholen konnte.

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