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«Wir stehen zusammen» –Entsetzen und viele Fragen nach Amoktat in Kopenhagen

04.07.2022, 10:5204.07.2022, 18:31

Nach dem Amoklauf in Kopenhagen mit drei Toten halten sich die Ermittler über das Motiv des mutmasslichen Täters bedeckt. Eine Richterin ordnete am Montag Untersuchungshaft für den 22-Jährigen an. Der Däne soll sie in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt verbringen.

«Ausserdem wollen wir seinen geistigen Zustand so schnell wie möglich untersuchen lassen», sagte Staatsanwalt Søren Harbo im dänischen Fernsehen. Die Entscheidung für die Unterbringung in der Psychiatrie sei aufgrund des Verhaltens des Verdächtigen, seiner Aussagen und des Aktenwissens über ihn gefallen. Wäre der Verdächtige auf freiem Fuss, bestünde die Gefahr, dass er einen ähnlichen Angriff verüben könnte, so Harbo.

Der Tatverdächtige, der am Montag in einem blauen T-Shirt zur Anhörung vor Gericht erschien, soll in einem Einkaufszentrum im Süden der Stadt am Sonntagabend drei Menschen getötet und vier schwer verletzt haben. Drei weitere Menschen seien von Schüssen gestreift worden, sagte Dannie Rise von der Kopenhagener Polizei am Montag.

Es handele sich nicht um einen Terrorangriff, sagte Chefinspekteur Søren Thomassen.
Es handele sich nicht um einen Terrorangriff, sagte Chefinspekteur Søren Thomassen.Bild: keystone

Zuvor hatten die Ermittler erklärt, es geben zumindest Hinweise darauf, dass der Täter den Angriff geplant habe. Im Internet kursierten Videos aus einem Youtube-Kanal, auf denen ein junger blonder Mann - laut Medienberichten der mutmassliche Täter - mit einem Gewehr und einer Pistole posiert und sich die Waffen unter anderem an den Kopf hält. Die Videos mit dem Titel «I don't care» waren demnach am Tag vor der Tat hochgeladen worden. Inzwischen ist der Kanal nicht mehr zugänglich. Die Polizei bestätigte, dass der mutmassliche Täter Videos auf einem solchen Kanal hochgeladen hatte.

Der Däne soll den Angriff allein verübt haben. Nach Angaben seiner Verteidigerin hat er zu den Vorwürfen noch keine Stellung bezogen. In einer Polizei-Befragung hatte er aber zuvor zugegeben, vor Ort gewesen zu sein.

Hinweise auf ein terroristisches Motiv des Mannes sehen die Ermittler nicht. Die Opfer stammen aus Dänemark, Schweden, Russland und Afghanistan. Sechs Frauen und vier Männer wurden von Schüssen getroffen. Zwei dänische 17-Jährige und ein 47-jähriger Russe verloren ihr Leben. Eine 40-jährige und eine 19-jährige Dänin sowie ein 50 Jahre alter Mann und eine 16-Jährige aus Schweden wurden schwer verletzt. Bei der Flucht aus dem Einkaufszentrum hätten sich 20 Menschen leicht verletzt. Ein Sprecher der Hauptstadtregion sagte, es handle sich bei den Verletzungen etwa um Arm- und Beinbrüche.

Das war passiert

Gegen 17.35 Uhr waren bei der Polizei die ersten Meldungen über Schüsse in dem Einkaufszentrum eingegangen, das zu den grössten Dänemarks gehört. An dem Sonntag in den Sommerferien hatten sich viele Menschen in dem Zentrum aufgehalten, zu dem neben zahlreichen Geschäften auch Restaurants und ein Kino gehören. An zwei Stellen im Gebäude feuerte der Täter nach bisherigen Erkenntnissen Schüsse auf anscheinend zufällig ausgewählte Opfer ab.

Auf Amateurvideos aus dem Gebäude war zu sehen, wie ein Mann mit einer Langwaffe in der Hand an Geschäften vorbeiging. Andere wackelige Aufnahmen zeigten Menschen, die panisch durcheinanderliefen. Schüsse und Schreie waren zu hören. Viele Menschen versteckten sich in Geschäften, auf Toiletten oder flohen durch Hinterausgänge. Zum genauen Tathergang wollten die Ermittler am Montag aus taktischen Gründen noch keine Angaben machen.

Die Bilder der Vorfalls:

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Mehrere Tote nach Schüssen in Kopenhagener Einkaufszentrum
quelle: keystone / emil helms
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Kurz nach der Tat - um 17.48 Uhr - hatten Polizisten den mutmasslichen Täter in unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums festgenommen. Bei der Festnahme, die nach Polizeiangaben «relativ undramatisch» verlief, hatte er ein Gewehr und ein Messer bei sich. Ausserdem habe er Zugang zu einer Pistole gehabt, sagte Polizeichef Thomassen am Montag. «Wie es derzeit aussieht, sind die Waffen zulässig, aber er hatte keine Berechtigung dafür.» Laut der Boulevardzeitung «Ekstra Bladet» soll der Verdächtige Mitglied eines Schützenclubs in Kopenhagen sein.

Der Mann habe in der Vergangenheit Kontakt zur Psychiatrie gehabt, sagte Thomassen. Laut einem Bericht des dänischen Fernsehens soll sich 22-Jährige kurz vor der Tat an eine Krisen-Hotline gewandt haben. Die Ermittler bestätigten dies aber zunächst nicht.

Motiv weiter unklar

Auch zu einem möglichen Motiv wollte sich Thomassen nicht äussern. Bereits in der Nacht zum Montag hatte er betont, dass es keine Anhaltspunkte für einen rassistischen Hintergrund gebe, über den in sozialen Medien spekuliert wurde. Auf Amateurvideos aus dem Gebäude war zu sehen, wie ein Mann mit einer Langwaffe in der Hand an Geschäften vorbei ging. Andere wackelige Aufnahmen zeigten Menschen, die panisch durcheinanderliefen. Schüsse und Schreie waren zu hören.

Ministerpräsidentin Mette Frederiksen zeigte sich bestürzt über die Tat. «Ich glaube, dass wir selten so einen brutalen Kontrast erlebt haben wie gestern», sagte Frederiksen am Montag. Sie habe selten so viele fröhliche Menschen gesehen wie am Wochenende, als die Dänen den Start der Tour de France im eigenen Land und beim Musikfestival in Roskilde feierten. «Im Bruchteil einer Sekunde stoppten das Fest und die Freude, und das Schlimmste, was passieren konnte, hat uns getroffen.»

Die Regierungschefs der nordischen Nachbarländer boten Dänemark ihre Unterstützung an. Die Bundesregierung sprach den Opfern des Amoklaufs ihr Mitgefühl aus. «Unsere Gedanken sind bei den Hinterbliebenen der Opfer», sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit in Berlin.

Einkaufszentrum bleibt geschlossen

Nach und nach wurden am Montag einige Absperrungen rund um den Tatort aufgehoben. Das Einkaufszentrum selbst blieb aber abgesperrt. Es soll mindestens eine Woche lang geschlossen bleiben. Vor dem Zentrum legten im Laufe des Tages viele Menschen Blumen nieder. Die Beamten seien weiter massiv vor Ort, twitterte die Polizei. Kunden konnten aber ihre Autos aus dem Parkhaus abholen.

Auch in der Stadt selbst war am Montag viel Polizei zu sehen. Die Menschen könnten sich weiter sicher in der Stadt bewegen, sagte Justizminister Mattias Tesfaye. Die grosse Polizeipräsenz soll dieses Sicherheitsgefühl verstärken.

Gedenkfeier geplant

Kopenhagens Oberbürgermeisterin Sophie Hæstorp Andersen teilte auf Twitter mit, die Stadt plane eine Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs. Die Bewohner der dänischen Hauptstadt Kopenhagen wollen sich am Dienstag (20.00 Uhr) in der Nähe des Tatorts zu einer Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs versammeln.

«Wir kommen zusammen, um unser Mitgefühl mit den Opfern der Schiesserei in Field's am Sonntag, ihren Angehörigen und allen anderen, die von der tragischen Situation betroffen sind, zu zeigen», schrieb die Kommune Kopenhagen am Montagabend auf Twitter. «Wir stehen zusammen.»

Das Einkaufszentrum ist auch am Montag noch abgeriegelt.
Das Einkaufszentrum ist auch am Montag noch abgeriegelt.Bild: keystone

Wegen des Angriffs war ein Auftritt des britischen Sängers Harry Styles in einer nahe gelegenen Konzerthalle abgesagt worden. Der Popstar sprach den Opfern und ihren Angehörigen sein Beileid aus. «Ich habe ein gebrochenes Herz, ebenso wie die Menschen in Kopenhagen», schrieb der 28-Jährige auf Twitter. «Es tut mir leid, dass wir nicht zusammen sein konnten. Bitte kümmert euch umeinander.» (sda/dpa)

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25 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Qui-Gon
04.07.2022 11:03registriert April 2015
Bildstrecke "Die Bilder des Vorfalls" finde ich jetzt recht unnötig.
235
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25
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