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Botswana: Präsident will 20'000 Elefanten nach Deutschland schicken

Kuriose Drohung: Botswanas Präsident will 20'000 Elefanten nach Deutschland schicken

Botswana will tausende Elefanten nach Deutschland abschieben. Bei ihnen gäbe es zu viele. Doch an der Behauptung gibt es Zweifel.
02.04.2024, 18:29
Amir Selim / t-online
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20'000 Elefanten als Geschenk: So viele Tiere will das afrikanische Land Botswana an Deutschland schicken, erklärt ihr Präsident Mokgweetsi Masisi bei der «Bild»-Zeitung. «Das ist kein Scherz». Der Grund ist aber kein erfreulicher: Der Politiker ärgert sich über ein Vorhaben der deutschen Bundesregierung. Umweltminister Steffi Lemke (Die Grünen) will die Einfuhr von Jägertrophäen verbieten.

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Der botswanische Präsident Mokgweetsi Masisi. (Archivbild)Bild: keystone

Nach Angaben von Masisi leide Botswana aber «nach Jahrzehnten» erfolgreichen Artenschutzes an einer «Überpopulation». Deshalb habe die kontrollierte Jagd einen nachhaltigen Nutzen. Die Tiere sehe er ohnehin als Ressource, sagt er bei «Bild».

Dass das Land im Süden von Afrika zu viele Elefanten beherberge, ist jedoch umstritten. Zwar sei die Population der Afrikanischen Savannenelefanten in der Region vermutlich stabil oder gar gewachsen, berichtet der WWF. Trotzdem gilt die Tierart laut des IUCN, der früheren Weltnaturschutzunion, als gefährdet. Wie der Verein «Future for Elephants» zudem berichtet, habe sich allein zwischen 2010 und 2016 die Zahl der Tiere im Land um 15 Prozent verringert.

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Eine Gruppe Elefanten in Botswana.Bild: AP/AP

Die strittige Trophäenjagd hat Botswana 2019 wieder eingeführt. Das sei jedoch aus kommerziellem Interesse gemacht worden und nicht um den Bestand der Tiere zu kontrollieren, sagt Kabelo Senyatso, Direktor des Department of Wildlife and National Parks in Botswana.

Einladung an Steffi Lemke

Botswanas Präsident Masisi lässt sich davon nicht beirren. Sei Land habe im grenzübergreifenden Kavango-Sambesi-Schutzgebiet 8000 Elefanten an Angola verschenkt, weitere Tiere sollen an Mosambik übergeben werden. «Und genauso möchten wir ein solches Angebot hiermit der Bundesrepublik Deutschland machen. Wir akzeptieren kein Nein», berichtet die «Bild».

«Future for Elephants» stellt die Zahlen des Präsidenten infrage. Es sei wissenschaftlich fragwürdig, Elefantenzahlen einzelnen Ländern zuzuordnen. «76 Prozent aller Elefanten leben [...] Grenzen überschreitenden Populationen», erklärt der Verein.

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Über sie ärgert sich Masisi: Die deutsche Umweltministerin Steffi Lemke.Bild: keystone

Laut Masisi Elefanten würden zudem Menschen in Botswana tottrampeln, Ernten vernichten und Dörfer verwüsten, «Ich möchte, dass Frau Lemke, die ich tief respektiere, sich die Zeit nimmt, die Fakten und die Wissenschaft anzunehmen.» Er wolle «herausfinden, wie es Frau Lemke damit ergeht», sagte der Präsident. Er schlug aber auch versöhnliche Töne an: Er lade die Grünen-Ministerin ein, sich den Wildtierschutz im Land anzuschauen.

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59 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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El Vals del Obrero
02.04.2024 18:47registriert Mai 2016
Kennen wir ja auch innerhalb der Schweiz, man muss nur "Elefanten" durch "Wölfe" und "Botswana" durch "Wallis" oder "Land" und "Deutschland" durch "Stadt" ersetzen.
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Mentos
02.04.2024 18:38registriert Mai 2020
Das hatten wir doch schon mal 247 v. Chr. kam Hannibal Barkas von Karthago mit Elefanten über die Alpen.
Nun will Botswana tausende Elefanten nach Deutschland abschieben. Das gibt eine neue Dimension der Migration. 😂
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Glaedr.-
02.04.2024 20:00registriert November 2023
Wäre doch schon irgendwie witzig wenn Deutschland das Angebot annehmen würde und wie dann seine Ausrede wäre, weil nie im leben würde er 20'000 Einnahmequellen einfach so verschenken.
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