Es ist noch keine zwölf Monate her, da versprach die Post vollmundig: «2000 Standorte bleiben bedient». Damit wollte der Staatskonzern im Spätherbst des vergangenen Jahres die Gemüter beruhigen, die sich ob des angekündigten Poststellen-Abbaus aufregten. Doch nun zeigt sich: Diese Zahl ist schon wieder überholt, das Versprechen gebrochen.
Eine Trendumkehr ist nicht in Sicht. Die Zahl der selbst betriebenen Filialen hat sich innert zehn Jahren quasi halbiert und wird auch in Zukunft weiter abnehmen, wie die Post bereits angekündigt hat. Konkret will sie bis Ende 2028 nicht weniger als weitere 170 selbst betriebene Poststellen schliessen. Das Filialnetz soll dann noch aus rund 600 eigenen Postbüros und 1400 Agenturen bestehen.
Das Problem, das in der Öffentlichkeit bisher unbemerkt blieb: Auch die Zahl der Postagenturen ist seit zwei Jahren rückläufig, wie aus dem neuesten Jahresbericht der Aufsichtsbehörde Postcom hervorgeht. Stieg deren Zahl kontinuierlich bis Ende 2022 auf 1254 Stück, ist sie mittlerweile wieder auf 1230 gefallen. So gab es per Ende 2024 schweizweit noch gerade mal 1995 «bediente Zugangspunkte», wie es im Post-Jargon heisst: 765 eigenbetriebene Poststellen sowie die genannten 1230 Postagenturen.
Das «Versprechen», weiterhin ein flächendeckendes Filialnetz mit «rund 2000» bedienten Standorten anzubieten, wird der Staatskonzern nicht so einfach einhalten können. Post-Kenner jedenfalls gehen nicht davon aus, dass für alle 170 zu schliessenden Poststellen eine Agenturlösung gefunden werden kann. Zwar dürfte die Zahl der Agenturen durch den angestrebten Umbau wieder ansteigen, aber wohl nicht so stark wie ursprünglich erhofft.
Die Post will jedoch nicht von ihrem selbst gesteckten Ziel abweichen, wie Sprecher Stefan Dauner auf Anfrage sagt. Auch wenn die Zahl in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres nochmals gesunken ist: «Aktuell verfügt die Post über 1986 bediente Standorte».
Die Zahl von «rund 2000» sei als Richtwert zu verstehen, ergänzt Dauner. Hinzu kämen Angebote wie Hausservice, Paketautomaten sowie Paketannahme- und -aufgabestellen, etwa bei einzelnen Migros-Filialen und in anderen Supermärkten. «Insgesamt haben die Kundinnen und Kunden an über 5000 Punkten Zugang zu diversen Dienstleistungen der Post», sagt Dauner. Die Post biete damit weit mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Filialen und Agenturen.
Der Hauptgrund, wieso es beim Aufbau des Agenturnetzes harzt, ist das Lädelisterben. Jahr für Jahr schliessen etliche Läden auf dem Land ihre Türen für immer, weil sich das Geschäft für sie nicht mehr lohnt oder weil keine Nachfolgelösung in Sicht ist. Und wo es keinen Dorfladen mehr gibt, kann es auch keine Post im Dorfladen mehr geben.
Aber es gibt noch andere Gründe, wieso Geschäfte ihre Partnerschaft mit der Post beenden: Einige wollen mehr Geld für die postalischen Dienstleistungen, die sie erbringen – auch wenn die Post nach eigenen Angaben die Vergütung für die Agenturbetreiber 2024 erhöht hat.
Wieder andere haben einfach genug von den Postkunden, wie etwa die Luzerner Bäckerei Merz, die im Frühjahr 2023 nach zehn Jahren ihre Zusammenarbeit mit der Post beendete. Die Postkunden seien ungeduldig, aggressiv und teils sogar handgreiflich geworden, hiess es damals. Oder anders gesagt: Die Bäckerei-Angestellten mussten zu häufig für den Ärger über strategische Entscheide des Postkonzerns herhalten, für die sie selbst nicht verantwortlich waren.
Die Zahl 2000 wankt, so wie zuvor schon andere Vorgaben aus der Post-Zentrale, die sich als unrealistisch erwiesen haben. So hatte der Staatskonzern etwa immer wieder beteuert, auch in Zukunft «rund 800» eigene Poststellen betreiben zu wollen – auch dann noch, als die Zahl schon weit darunter lag. Die nun versprochenen «rund 600» eigenen Poststellen dürften in ein paar Jahren wieder Makulatur sein – umso mehr, als diese Zahl noch weit über jener liegt, die zur Erfüllung aller Vorschriften auf Gesetzes- und Verordnungsstufe nötig wäre.
So muss die Post heute unter anderem gewährleisten, dass 90 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung eines Kantons innerhalb von zwanzig Minuten zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine Poststelle oder Agentur erreichen können. Branchenkenner gehen davon aus, dass sich diese Vorgaben mit nur rund 350 Postfilialen erfüllen liessen. Die Schweiz ist also demnach nicht nur «overbanked», wie immer wieder zu hören ist, sondern auch «overposted». Die 90-Prozent-Marke bei der Erreichbarkeit wird jedenfalls mit 96,73 Prozent bei weitem übertroffen, wie auch aus dem Postcom-Bericht hervorgeht.
Der Abbau am Netz ist letztlich die Folge der massiven Mengenrückgänge: Die Zahl der Einzahlungen in der Postfiliale ist seit 2010 um rund 70 Prozent geschrumpft, das klassische Schaltergeschäft um rund 50 Prozent. Und auch hier ist keine Trendumkehr in Sicht. «Aufgrund der Mengenrückgänge können wir uns keine 2000 eigenen Filialen leisten», sagte der mittlerweile abgetretene Post-Chef Roberto Cirillo Ende Oktober 2024 bei der Präsentation der Umbaupläne fürs Filialnetz. «Weil wir aber trotzdem schweizweit für unsere Kundinnen und Kunden präsent sein wollen, setzen wir auf die seit Jahren bewährten Partnerfilialen.»
Diese Agenturen seien nicht mehr wegzudenken, ergänzt Dauner. Sie würden «sehr» geschätzt, insbesondere aufgrund der oft längeren Öffnungszeiten. Die Post bleibe zuversichtlich, dass sie in den meisten der 170 Fälle «eine gute Lösung mit Partnern» finden werde. (aargauerzeitung.ch)
Negativ ist einzig der Verkauf von allem möglichen Ramsch in den verbleibenden Postfilialen. Ich wäre froh, würde unsere Post auch bald durch eine Agentur ersetzt, dann würde sich das Problem erübrigen.
Wir fahren rund 15 Minuten mit dem Auto zur Post. Mit dem Bus wären es rund 28 Minuten. Wieso stellt man diese Päckliautomaten nicht in den Tälern auf, die keine Filialen mehr haben? Es gäbte durchaus Lösungen, aber die Post hat auch immer tausend Ausreden.