International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Der Fall Jens Söring – Deutschlands bekanntester Doppelmörder kommt frei

Über drei Jahrzehnte lang sass der heute 53-Jährige in den USA in Haft. Bis heute sind die Umstände der Tat nicht restlos geklärt.

Christoph Reichmuth aus Berlin / ch media



Jens Söring, 53, war fast 34 Jahre lang fort von dieser Welt. Der deutsche ­Diplomatensohn sass während der ­ganzen Zeit in einem Hochsicherheitsgefängnis im US-Bundesstaat Virginia. Söring wurde neun Jahre nach seiner Verhaftung 1986 zu zweimal lebenslänglich verurteilt wegen eines Doppelmords, den er 1985 begangen haben soll. Die Opfer Derek und Nancy Haysom, ein Unternehmerpaar, wurden erstochen. Sie waren die Eltern von Sörings damaliger Freundin Elizabeth Haysom.

Nun hat die Gnadenkommission in Virginia überraschend Sörings Freilassung zugestimmt. Heute soll er in Frankfurt landen. Die Kommission hält aber explizit an Sörings Schuld fest. Elizabeth Haysom, die wegen Anstiftung zum Mord zu 90 Jahren Haft verurteilt worden war, kommt ebenfalls frei.

Jens Soering, 50, is seen in an undated photo provided by the Virginia Department of Corrections. U.S. immigration officials on Tuesday, Nov. 26, 2019 took into custody Soering, a German diplomatâÄ™s son who was paroled after serving more than 30 years in prison for slaying his former girlfriendâÄ™s parents in Virginia. (AP Photo/Virginia Department of Corrections via Richmond Dispatch)

Doppelmörder der Justizopfer? Was auf den Deutschen Jens Söring zutrifft, wird wohl nie ganz geklärt werden. Bild: AP Virginia Department of Correc

Jens Söring war sowohl in den USA als auch in Deutschland einer der bekanntesten Strafgefangenen. Die Geschichte des jungen Paares, das sich an der Uni von Virginia kennengelernt und über die Tötung von Elizabeths ­Eltern fantasiert hatte, weil diese ihre ­Beziehung abgelehnt hatten, bietet viel Stoff für Spekulationen und Erzählungen. Söring selbst schrieb in Haft ein Buch über die Tat. 2016 kam ein Dokumentarfilm heraus, der die ganze Sache als US-Justizskandal skizzierte. Unzählige Interviews und 14 Anträge auf vorzeitige Entlassung hielten Söring über all die Jahre in medialer Erinnerung.

Bis heute beteuert Söring seine Unschuld, obwohl er bei seiner Vernehmung die Morde gestanden hatte. Später widerrief Söring und gab an, er habe mit dem falschen Geständnis seine Freundin, die wahre Schuldige, vor der Todesstrafe bewahren wollen. Als Diplomatensohn rechnete Söring mit einer Überstellung nach Deutschland und einer Verurteilung nach Jugendstrafrecht zu fünf bis maximal zehn Jahren Haft.

«Bei der Beweislage wäre er auch in Deutschland für schuldig befunden worden.»

Der Mord am Ehepaar Haysom ist bis heute nicht restlos geklärt. Eine 2009 durchgeführte DNA-Analyse brachte keine Übereinstimmung mit Söring, allerdings konnten 85 Prozent der Blutspuren keine brauchbaren Ergebnisse mehr liefern. In vielen deutschen Medien hält sich der Mythos von Sörings Unschuld bis heute. In einem Gastbeitrag für die FAZ widerspricht der US-Strafverteidiger Andrew Hammer dieser Darstellung allerdings. Die Beweise seien eindeutig, die Indizien liessen keine Zweifel an Sörings Schuld. «Bei der Beweislage wäre er auch in Deutschland für schuldig befunden worden», räsoniert Hammel. Trotzdem kommt Söring nach über drei Jahrzehnten in Haft jetzt frei. (aargauerzeitung.ch)

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
thelastpanda
17.12.2019 10:37registriert January 2018
Ein etwas dürftiger Artikel - ich wünschte mir etwas mehr Hintergrundinformationen.
Auf welchen Grundlagen wurde er denn damals verurteilt. Und weshalb wird er jetzt freigelassen, obwohl er zu zweimal lebenslänglich verurteilt wurde und sie ihn weiterhin für schuldig halten? Sprich, er wurde ja nicht freigelassen, weil es sich um einen Justizirrtum gehandelt hat.
590
Melden
Zum Kommentar
Arneis
17.12.2019 09:41registriert January 2017
Welche Beweise?
Ein Sockenabdruck Grösse 43?
Keine DNA, keine Tatwaffe, kein Motiv, keine belegte Anwesenheit.
263
Melden
Zum Kommentar
biszumbitterenende
17.12.2019 06:50registriert September 2015
Im Artikel schreibt der Autor: Doppelmörder der Justizopfer? Was auf den Deutschen Jens Söring zutrifft, wird wohl nie ganz geklärt werden.
Der Titel des Artikels:
Bekanntester Doppelmörder Deutschlands Jens Söring kommt frei
210
Melden
Zum Kommentar
5

Hausräumung in Berlin: Die Schlacht um ein linkes Symbol

In Berlin soll am Freitag ein von Linken besetztes Haus geräumt werden. Die Szene ruft zu gewaltsamem Widerstand auf. Grüne und Linke versuchten bis zuletzt, die Räumung des Hauses zu verhindern.

«Lasst uns die Räumung zum Desaster machen», heisst es auf Twitter unter dem Hashtag «liebig34bleibt». Liebig 34 steht für ein Gebäude an der Liebig Strasse 34 im Ost-Berliner Bezirk Friedrichshain. Nach der Wende gab es im Ostteil der Stadt einst 130 besetzte Gebäude, die L34 ist mit einem ebenfalls besetzten Haus an der angrenzenden Rigaer Strasse eines der letzten Symbole der linksradikalen Szene.

Das Gebäude - ein «anarcha-queerfeministisches Hausprojekt», wie es von den Bewohnerinnen …

Artikel lesen
Link zum Artikel