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Süddeutschland unter Wasser – Feuerwehrmann stirbt in den Fluten

01.06.2024, Bayern, Dinkelscherben: In Dinkelscherben im Landkreis Augsburg steht ein Gro
Ganze Quartiere stehen in Bayern unter Wasser.Bild: keystone

Süddeutschland unter Wasser – Feuerwehrmann stirbt in den Fluten

Der tagelange Dauerregen in Süddeutschland setzt der Region zu. Betroffen ist insbesondere Bayern, doch auch in Baden-Württemberg und weiteren Regionen ist die Lage kritisch. Vielerorts wurde der Katastrophenfall ausgerufen.
02.06.2024, 07:5202.06.2024, 09:54

Dieser Text wird laufend aktualisiert.

Feuerwehrmann verstirbt in Fluten

Die Wasserfluten in Deutschland fordern ein Todesopfer. Ein Feuerwehrmann ist in Pfaffenhofen an der Ilm in Oberbayern ums Leben gekommen. Er sei bei einem Einsatz mit drei Kollegen mit dem Schlauchboot gekentert und am Morgen tot geborgen worden, teilte ein Sprecher des Landratsamts am Sonntagmorgen mit.

Das Unglück ereignete sich demnach bei den Gemeindeteilen Uttenhofen und Affalterbach. Der 42 Jahre alte Mann war mit drei Kollegen auf der Ilm unterwegs, um eine Familie zu retten. Dabei sei das Boot gekentert. Die drei anderen Feuerwehrleute konnten gerettet werden. Einer von ihnen wurde zunächst im Krankenhaus behandelt, die beiden anderen durften direkt nach Hause. Das Unglück ereignete sich gegen 23.30 Uhr. Der Mann sei dann am frühen Morgen tot gefunden worden.

Mehr Regen befürchtet

Die Donau und mehrere ihrer Zuflüsse schwollen aufgrund des Dauerregens massiv an. Entwarnung ist derweil kaum in Sicht. Vom Deutschen Wetterdienst (DWD) hiess es am Samstag, von Norden her zögen neue Schauer und Gewitter auf, die vor allem am Sonntagnachmittag nochmals die Gefahr lokaler Überflutungen mit sich brächten. Die Schauer könnten kräftig ausfallen und zögen nur langsam. «Wenn das auf die gesättigten Böden trifft, dann hat man dort auch wieder schnell Überflutungen», sagte der Meteorologe.

Besonders gefährdet von den Schauern und Gewittern am Sonntag seien die Schwäbische Alb sowie Bereiche etwas nördlich davon sowie die Region um Augsburg, Nürnberg, Bamberg und Regensburg. Im Landkreis Augsburg wurden in der Nacht die Evakuierungsaufrufe mehrmals ausgeweitet. Betroffen waren vor allem Kommunen am Fluss Schmutter. In der Augsburger Messe wurde eine Notunterkunft eingerichtet.

01.06.2024, Bayern, Neustadt an der Donau: Bei Neustadt an der Donau im Landkreis Kelheim ist der Fluss
Die Donau tritt vielerorts über die Ufer.Bild: keystone

Für die Nacht zu Sonntag hatte sich zuvor mit Blick auf den Niederschlag erst einmal eine leichte Entspannung abgezeichnet. Der Dauerregen lasse im Laufe der Nacht nach, sagte ein DWD-Meteorologe am Samstagabend. «Das werden heute Nacht nicht mehr die ganz grossen Regenmengen sein, die wir noch in der letzten Nacht hatten», sagte er.

Angst vor Jahrhundert-Hochwasser

In Bayern befürchten Meteorologen ein sogenanntes Jahrhundert-Hochwasser. Mit der Bezeichnung wird die Pegelhöhe oder Abflussmenge eines Gewässers beschrieben, die im statistischen Mittel einmal in 100 Jahren erreicht oder überschritten wird.

Nach Angaben der Meteorologen sind seit 8 Uhr am Freitag im bayerischen Sigmarszell-Zeisertsweiler 135 Liter pro Quadratmeter binnen 24 Stunden gefallen. In Kisslegg in Baden-Württemberg seien es 130 Liter gewesen. In mehreren Städten in den beiden Bundesländern kamen bis zum frühen Samstagmorgen Niederschlagsmengen von mehr als 100 Litern pro Quadratmeter innerhalb von 24 Stunden zusammen.

01.06.2024, Baden-W
Feuerwehrleute verlegen Sandsäcke in Baden-Württemberg.Bild: keystone

Zug entgleist: massive Auswirkungen auf den Verkehr

Nach dem Dauerregen der vergangenen Tage entgleisten am späten Samstagabend im baden-württembergischen Schwäbisch Gmünd zwei Waggons eines ICE. Die 185 Passagiere blieben laut einem Bahnsprecher bei dem Unglück unverletzt und wurden aus dem Zug evakuiert. Der Zug war wegen des Hochwassers in Süddeutschland auf die Strecke umgeleitet worden, auf der sich das Unglück ereignete.

Bei Autounfällen infolge des Regens wurden auf der Autobahn 9 am Freitag nach Polizeiangaben mehrere Menschen verletzt. Immer wieder wurden Keller und Strassen überflutet. Einsatzkräfte und Anwohner von Flüssen mit steigenden Pegeln wappneten sich mit Sandsäcken.

In Bayern führte der Dauerregen zu Pegelständen, wie sie statistisch gesehen nur einmal in hundert Jahren erreicht werden. So führten in der Nacht zu Sonntag die Flüsse Günz, Memminger Ach, Kammel, Mindel, Paar und Maisach so viel Wasser wie bei einem Jahrhunderthochwasser. Im nördlichen Teil des oberbayerischen Landkreises Pfaffenhofen an der Ilm erwarten die örtlichen Behörden ein extremes Hochwasser.

01.06.2024, Bayern, Fischach: Wasserwacht erkundet mit Jetski die Lage. Der Landkreis Augsburg hat den Katastrophenfall ausgerufen. Foto: -/tv7news/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
In Bayern war die Wasserwacht am Samstag mit dem Jetski unterwegs.Bild: keystone

Wegen steigender Wasserstände des Flusses Paar wurden in der Nacht 140 Menschen aus zwei Altenheimen in dem oberbayerischen Landkreis evakuiert. Mindestens 100 weitere Menschen seien von Evakuierungen in ufernahen Bereichen betroffen gewesen, wie Landrat Albert Gürtner (Freie Wähler) sagte.

Im oberbayerischen Schrobenhausen bereiteten Feuerwehr und Rettungskräfte am späten Samstagabend Feuerwehr und Rettungskräfte die Evakuierung von 670 Menschen vor. Auch diese Kommune hatte zuvor den Katastrophenfall ausgerufen.

Lage auch in Baden-Württemberg und der Bodensee-Region kritisch

Nicht nur Bayern kämpft mit massiven Wassermassen, auch andere Gebiete nahe der Schweiz in der Bodensee-Region wurden teilweise überflutet.

Die Hochwasserlage im Landkreis Ravensburg ist nach Angaben des Landratsamtes weiterhin angespannt. 890 Rettungs- und Notfalleinsatzkräfte seien vor Ort im Dauereinsatz. Der aktuelle Einsatzschwerpunkt sei das Allgäu. Bislang sei die Feuerwehr im Landkreis zu etwa 850 Einsätzen ausgerückt.

25.12.2023, Bayern, Ebing: Eine Stra�e bei Ebing (Landkreis Bamberg) steht unter Wasser. Der Main f�hrt Hochwasser. Die Hochwasserlage in Bayern hat sich etwas beruhigt. Der Hochwassernachrichtendiens ...
Bild: keystone

Hingegen gingen die beiden Städte Ulm und Neu-Ulm am Samstag nicht mehr von einem extremen Hochwasser aus. «Jedoch wird an der Donau die Meldestufe 4 und an der Iller die Meldestufe 3 erreicht werden», teilten die beiden Kommunen mit. Insoweit könnten die Städte eine erste vorsichtige Entwarnung geben.

An der Messe Friedrichshafen am Bodensee sei ein zentrales Sandsack-Lager in Auftrag gegeben worden, teilte ein Feuerwehrsprecher mit. Rund 10'000 Sandsäcke sollen demnach aus einem Nachbarkreis dorthin gebracht werden. Hunderte Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk und Deutschem Roten Kreuz halfen.

Hilfe von der Armee angefordert

Wegen der ununterbrochenen Regenfälle riefen mehrere Bezirke die Armee zu Hilfe, so jüngst auch das Landratsamt Dillingen im bayerischen Teil Schwabens. Am Samstagabend spitzte sich die Hochwasserlage an der Zusam zu, einem Zufluss der Donau, wie die Behörde mitteilte. Der örtliche Krisenstab forderte deshalb bei der Bundeswehr Hilfe an. (sda/dpa/con/hah)

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