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«Bild» entfacht Shitstorm: «Frauen sind wie Männer. Sie sind keine Mütter mehr. Sie trinken Smoothies und tragen Hosenanzüge»



Franz Josef Wagner ist besorgt. In seiner Kolumne in der deutschen Bild-Zeitung warnt er vor einer in seinen Augen beängstigen Entwicklung: «Wir haben mehr Tote als Babys. Jedes Jahr werden wir um 200'000 Menschen ärmer.» Wie er auf die Zahl kommt? Wagner nimmt einfach die Differenz zwischen Geburten und Todesfällen in einem Jahr in Deutschland, und gut ist.

Und wer ist schuld? Die Frauen. «Was ist aus unseren Müttern geworden?», fragt der Gossen-Goethe, wie Wagner auch genannt wird, und beantwortet die Frage gleich selbst:

«Mütter machen Karriere, Mütter haben Hosenanzüge an (Ursula von der Leyen), Mütter geben ihre Kinder in Kitas ab, Mütter verdienen mehr als ihre Männer, Väter gehen in Teilzeit.»

Dass die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sieben Kinder hat, spielt für Franz Josef wohl keine Rolle. Sie trägt «Hosenanzüge». 

Bild

Gassen-Goethe Franz Josef Wagner. Bild: «Bild»

Doch die Frauen tun noch viel Schlimmeres, als Hosenanzüge tragen, stellt Wagner fest:

«Sie sind Business-Frauen, Power-Frauen, sie trinken Smoothies, sie laufen sich im Fitnesscenter ihr Fett ab, sie sind Chefredakteurinnen, sie sitzen im Aufsichtsrat.»

Smoothies! Man muss sich das mal vorstellen. Und darum «sind sie nicht in der Nacht dabei, wo ihr Kind Angst hat vor Donner und Blitz. Sie singen ihr Kind nicht in den Schlaf.» Nehmt das, Karrierefrauen!

Selbstverständlich lässt der Aufschrei in den Sozialen Medien nicht lange auf sich warten. Vor allem die Smoothie-Fraktion ist betüpft.

Im Netz folgen dann auch ein paar Repliken, die länger als 140 Zeichen sind. Eine Auswahl:

Sogar aus den eigenen Reihen weht Wagner ein beissender Wind entgegen. Ulrike Zeitlinger, stellvertredende Chefredakteurin der «Bild», zerpflückt seine Kolumne: Ich bin nichts lieber als Mutter – und Journalistin, lieber Franz Josef! 

Fragwürdige Kolumne zu Germanwings-Absturz

Wagner macht übrigens nicht zum ersten Mal mit seinen Geschmacklosigkeiten von sich reden. Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen schrieb er:

«Das Gepäckband in Düsseldorf bewegt sich nicht, weil Tote keine Koffer abholen. Die Koffer und die Toten liegen verstreut in den französischen Alpen. Zwei Babys waren im Flugzeug und eine deutsche Austausch-Schülerklasse.»

«Knabberten die Passagiere Nüsse, tranken sie Cola, guckten sie in die Sonne durch das Kabinenfenster? Nervten die Babys, die quengelten? Wie war die Stimmung in dem Flugzeug, das in den Tod flog? Ich hoffe, sie waren glücklich, bevor sie starben. »

(rey)

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Sie ist Rechtsanwältin. Spielt Fussball. Redet, wie man eben so redet, und nicht, wie es ein holperiges Skript vorgibt. Sie gleicht Kristen Stewart an ihrem bestgelaunten Tag. Sie ist hübsch, natürlich, sozial gewandt. Eine Traumfrau. Ihr Makel ist höchstens, dass sie Paulo Coelho liest. Aber vielleicht liest sie den auch gar nicht, sondern hat das Buch bloss in der Bibliothek ihrer Villa gefunden. Sie heisst Irina Schlauch, ist 30, kommt aus Köln und sucht dort nach der grossen Liebe, wo …

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