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Zusammenhalt in der Schweiz: Die Ergebnisse der Sotomo-Studie 2026

Die aktuellen äusseren Krisen schwächen den inneren Zusammenhalt der Schweiz.
Die aktuellen äusseren Krisen schwächen den inneren Zusammenhalt der Schweiz.Bild: Shutterstock

Der Zusammenhalt in der Schweiz wächst – aber nicht überall

Wie stark ist der Zusammenhalt in der Schweiz? Was verbindet uns als Gesellschaft und wo entstehen Gräben? Die folgenden 17 Grafiken geben dir eine Antwort.
04.02.2026, 17:0104.02.2026, 17:41

Wie gross ist der Zusammenhalt in der Schweiz? Wie hat er sich verändert und was sind die Gründe dafür? In der heutigen polarisierenden Welt steht der Zusammenhalt womöglich mehr auf dem Prüfstand denn je. Dabei sind sich alle über die Wichtigkeit des guten Miteinanders einig.

Das Forschungsinstitut Sotomo hat im Auftrag von Feldschlösschen das «Barometer zum Zusammenhalt in der Schweiz 2026», das die Wahrnehmung des gesellschaftlichen Zusammenhalts im Land analysiert. Die Studie beleuchtet, wie stark oder schwach der Zusammenhalt in der Schweiz in den letzten Jahren wahrgenommen wird – vor allem im Hinblick auf politische und gesellschaftliche Spannungen. Das sind die wichtigsten Punkte:

Krisen und Zusammenhalt

Die allgemeine Wahrnehmung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in der Schweiz ist zunehmend negativ. Über die Hälfte der Befragten (51 Prozent) ist der Ansicht, dass die global-politischen Krisen der letzten Jahre den inneren Zusammenhalt geschwächt haben. Nur 39 Prozent glauben, dass diese Krisen den Zusammenhalt gestärkt haben.

Der Zusammenhalt in der Schweiz bleibt damit – wie im Vorjahr – in der Wahrnehmung der Bevölkerung brüchig. Unverändert hoch ist jedoch die Bedeutung, die dem gesellschaftlichen Zusammenhalt zugemessen wird: 96 Prozent der Befragten halten ihn für wichtig oder eher wichtig.

Wie stark der Zusammenhalt in der Schweiz bewertet wird, hängt stark von den soziodemografischen Merkmalen der Befragten ab. So sehen Männer das Miteinander etwas positiver (41 Prozent) als Frauen (36 Prozent). Ein markanter Unterschied zeigt sich zudem zwischen Bildungsschichten. Personen mit tieferem Bildungsabschluss nehmen deutlich häufiger einen schwachen Zusammenhalt wahr (67 Prozent) als Personen mit höherer Bildung (52 Prozent).

Die Einschätzung des Zusammenhalts unterscheidet sich auch parteipolitisch. Rund die Hälfte der Anhängerschaften von Mitte und FDP sieht einen starken gesellschaftlichen Zusammenhalt. Alle anderen nehmen den Zusammenhalt mehrheitlich als geschwächt wahr. Auffällig ist zudem, dass insbesondere die Wählerinnen und Wähler der SVP den Zusammenhalt in der Schweiz kritisch beurteilen, weit kritischer als jene der Mitte-Links-Parteien. Nur ein Viertel von ihnen sieht einen starken Zusammenhalt.

Gemäss den Machern des Barometer gilt ganz allgemein: Personen, die über mehr Ressourcen verfügen und sich politisch eher durchsetzen können, bewerten den Zusammenhalt positiver. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass Zugewanderte den Zusammenhalt in der Schweiz deutlich positiver beurteilen als Personen, die in der Schweiz geboren sind. Personen, welche die Situation in anderen Ländern kennen, sehen in der Schweiz also einen stärkeren Zusammenhalt als die langansässige Bevölkerung.

Starker Kitt im eigenen Umfeld

Weiter zeigt das Barometer, dass der Zusammenhalt im eigenen Wohnumfeld und in der Nachbarschaft als stark wahrgenommen wird. 60 Prozent der Befragten schätzen den Zusammenhalt in ihrem eigenen Quartier positiv ein.

Dies verdeutlicht, dass persönliche Begegnungen und direkte soziale Kontakte der wahre soziale Kitt sind, der das gesellschaftliche Gefüge zusammenhält. Dieser Effekt tritt besonders stark auf, wenn Menschen in einem überschaubaren Umfeld leben, was in ländlicheren Gebieten stärker zutrifft als in städtischen Regionen.

Aspekte des Zusammenhalts

Die Teilaspekte des Zusammenhalts in der Schweiz zeigen sowohl positive als auch herausfordernde Entwicklungen. Solidarität und Hilfsbereitschaft sind stark ausgeprägt, mit 45 Prozent der Befragten, die diese als gut bewerten. Vertrauen in Mitmenschen liegt bei 37 Prozent, doch das Vertrauen in Institutionen wie Medien und Regierung ist gering.

Ein kritischer Punkt ist die Akzeptanz von Vielfalt, die von der Bevölkerung negativ bewertet wird, besonders im Austausch mit Andersdenkenden und bei politischen Meinungsverschiedenheiten. Die Identifikation mit der Nation und die Anerkennung gemeinsamer Regeln und Normen sind dagegen stabil, mit 42 Prozent positiver Bewertung.

Zwischenmenschliche Beziehungen sind ebenfalls ein starkes Bindeglied für den Zusammenhalt. Besonders positiv hervorgehoben wird ausserdem die respektvolle Debattenkultur, die es ermöglicht, politisch zu streiten, ohne Freundschaften zu gefährden. Diese Bereiche tragen zum sozialen Kitt bei, während politische Polarisierung und Akzeptanz von Vielfalt herausfordernd bleiben.

Was den Zusammenhalt fördert

Bei den Eigenheiten und Merkmalen, welche den Zusammenhalt aus Sicht der Bevölkerung fördern, ist die direkte Demokratie der klare Spitzenreiter. 72 Prozent sind überzeugt, dass sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Schweiz stärkt. Stabil sind mit 39 Prozent das duale Bildungssystem und mit 35 Prozent der Föderalismus.

Auffällig ist dagegen der Rückgang der wahrgenommenen Bedeutung von Konkordanz und Milizsystem für den Zusammenhalt im Vergleich zum Vorjahr. Besonders stark ist allerdings der wahrgenommene Bedeutungsverlust des Militärdiensts. Während 2024 noch rund jede dritte Person den Militärdienst als förderlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einschätzte, tut es 2025 nur noch gut jede fünfte. Dies deutet darauf hin, dass der emotionale Effekt des Einmarsches der Russen in der Ukraine bereits wieder abnimmt.

Wem die Schweiz vertraut

Die Vertrauenslandschaft in der Schweiz zeigt eine deutliche Unterscheidung zwischen verschiedenen Institutionen und sozialen Gruppen. Am geringsten ist das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien – 39 Prozent der Befragten gaben an, ihnen nicht zu vertrauen. Für eine Institution, die so zentral ist für den Austausch und den Zusammenhalt in der Bevölkerung, ist dies gemäss den Machern des Barometers «eine besorgniserregend hoher Anteil».

Der Regierung schenken 30 Prozent (eher) wenig Vertrauen, während ihr 35 Prozent das Vertrauen aussprechen. Etwas positiver fällt das Urteil über die Schweizer Bevölkerung selbst aus: 36 Prozent vertrauen ihr, während 14 Prozent ihr misstrauen. Der einzige Bereich, dem eine klare Mehrheit ihr Vertrauen ausspricht, ist mit 63 Prozent die Wissenschaft.

Schlüsselt man die Vertrauenslandschaft der Schweiz nach parteipolitischer Orientierung auf, zeigen sich starke Unterschiede. SVP-Wählende sind mit 30 Prozent am wenigsten geneigt, der Schweizer Bevölkerung zu vertrauen, und zeigen auch das geringste Vertrauen in die Regierung und die Medien. Die Anhänger der Mitte und der FDP vertrauen der Bevölkerung und den Institutionen am meisten, mit 48 Prozent und 47 Prozent positivem Vertrauen in die Regierung.

Besonders bemerkenswert ist, dass SVP-Wählende mit 36 Prozent am wenigsten Vertrauen in die Schweizer Bevölkerung haben, was auf eine starke Wahrnehmung der Kluft zwischen der politischen Elite und dem «Volk» hindeutet. Die SVP-Basis beurteilt den Zusammenhalt im Land auch deutlich negativer als andere politische Lager.

Wachsende Gräben in der Gesellschaft

Angesichts des schwach beurteilten Zusammenhalts in der Schweiz erstaunt es auch nicht, dass auch der Zusammenhalt zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen kritisch gesehen wird. Bemerkenswert ist jedoch, dass in fast allen Bereichen im Vergleich zum Vorjahr eine Verschlechterung des Zusammenhalts wahrgenommen wird, besonders jedoch bei jenen Gruppen, zwischen denen bereits grosse Kluften ausgemacht wurden.

Satte 68 Prozent der Befragten nehmen eine gesellschaftliche Bruchlinie zwischen politisch links und rechts wahr. Im Jahr zuvor waren dies noch 59 Prozent. Auch der soziale Kitt zwischen Arm und Reich wird als noch schwächer wahrgenommen als im Vorjahr. Damals sahen 61 Prozent einen Mangel an Zusammenhalt zwischen Arm und Reich, nun tun dies 68 Prozent. Steigende Lebenshaltungskosten, stagnierende Löhne und anhaltende Debatten um Umverteilung verstärken offenbar das Gefühl, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich öffnet.

An dritter Stelle folgt der Gegensatz zwischen Ansässigen und Zugewanderten. Hier beklagen 49 Prozent einen Mangel an Zusammenhalt, dies ist eine leichte Zunahme im Vergleich zum Vorjahr (46 Prozent). Der einzige Bereich, bei dem im Vergleich zum Vorjahr eine leichte Verbesserung des Zusammenhalts wahrgenommen wird, ist das Verhältnis von Stadt und Land. Doch auch hier sehen 36 Prozent einen schwachen Zusammenhalt. Zwei Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Auch zwischen den einzelnen Sprachregionen hat der Zusammenhalt im Vergleich zum Vorjahr abgenommen. Insbesondere zwischen der Romandie und der Deutschschweiz wird ein immer stärkerer Bruch wahrgenommen.

Einende und spaltende Themen

Doch es gibt auch positive Signale für den Zusammenhalt in der Schweiz. So gibt es neben den spaltenden Themen auch einende. Die innere Sicherheit (53 Prozent), das Bildungssystem (56 Prozent) und der technologische Fortschritt (65 Prozent) werden von der Bevölkerung als eher einend wahrgenommen. Dagegen polarisieren die Zuwanderung (87 Prozent), die Haltung zu Europa (78 Prozent) und der Klimaschutz (72 Prozent) am stärksten.

Freiwilliges Engagement stärkt Zusammenhalt

Die Schweizer Bevölkerung nennt die Teilnahme an Abstimmungen und Wahlen am häufigsten als ihren persönlichen Beitrag zum Zusammenhalt. Ähnlich häufig wird das Einhalten sozialer Regeln und Normen genannt. Eine klare Mehrheit (62 Prozent) empfindet auch das Bezahlen von Steuern als einen Beitrag zum Zusammenhalt. Auch gesellschaftliches und politisches Engagement schweisst die Bevölkerung zusammen.

Knapp jede zweite befragte Person gab an, derzeit eine ehrenamtliche Funktion oder Tätigkeit auszuüben. Am häufigsten ist dabei das gesellschaftliche Engagement (39 Prozent), etwa in Vereinsvorständen, Sportorganisationen, Kulturvereinen oder sozial tätigen Gruppen. Auffällig ist zudem, dass Personen über 65 Jahre deutlich häufiger (53 Prozent) von ehrenamtlichen Tätigkeiten berichten als die unter 35-Jährigen (33 Prozent).

Für jene Menschen, die sich in der Schweiz ehrenamtlich engagieren, steht vor allem der Austausch mit anderen im Vordergrund (62 Prozent). Auch die lokale Verbundenheit (57 Prozent) motiviert viele zum Mitmachen. Zudem spielen das persönliche Interesse am Thema (55 Prozent) und die Möglichkeit, konkret etwas zu bewirken (51 Prozent), für rund jede zweite engagierte Person eine wichtige Rolle.

Unter denjenigen, die derzeit keine ehrenamtliche Funktion oder Tätigkeit ausüben, könnten sich zwei Drittel grundsätzlich vorstellen, ein solches Engagement zu übernehmen. Für 54 Prozent käme ein gesellschaftliches Engagement infrage, für 13 Prozent ein politisches Engagement. Nur ein Drittel der Abstinenten kann sich nicht vorstellen, ein Milizamt auszuüben.

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Die beliebtesten Kommentare
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Hadock50
04.02.2026 17:11registriert Juli 2020
SVP sieht kein zusammenhalt (ausser die Meinung stimmt mit dem Parteiprogramm überein)
Als einzige Partei: Kein Vertrauen in die Wissenschaft 🤯...und noch weniger in die Medien.🚩
Tja sagt schon einiges über die Partei aus, die am meisten die Einigkeit spaltet.
🤷‍♂️
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Pebbles F.
04.02.2026 17:08registriert Mai 2021
Während der Covid Pandemie hat unser BR sehr besonnen und unaufgeregt reagiert - zumal das ein Zustand war, den noch niemand üben konnte.
Jetzt hingegen, wo die ganze Welt unter der Trump Pandemie leidet ist der BR zu bürgerlich, zu naiv, zu unterwürfig und kann offenbar nicht einend für die Schweiz wirken.
Das bedaure ich sehr, zumal welt- und schweizweit die Durchschnittsbevölkerung genau unter dieser Haltung bereits leiden oder bestimmt leiden werden.
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John H.
04.02.2026 17:40registriert April 2019
Spannend!
Auch, dass diese Analyse im Auftrag von Feldschlösschen erstellt wurde ;-), so im Sinne von "ein Bier zusammen trinken".
Zwei Sachen sind mir aufgefallen:
1. «Was fördert den Zusammenhalt in der Schweiz?»
Die direkte Demokratie wird vermehrt als förderlich bewertet, die Konkordanz im Gegensatz als vermindert. Das lässt auf vermehrten Egoismus und weniger Kompromissbereitschaft schliessen.

2. «Wem vertrauen Sie in der Schweiz?»
Die Ausreisser bei Medien und Wissenschaft bei der SVP und bei Wirtschaft bei der FDP. Das lässt auf eine ideologische Betrachtungsweise schliessen.
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