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Der AfD-Vize Alexander Gauland hat Fussballspieler Boateng rassistisch beleidigt und streitet nun alles ab.<br data-editable="remove">
Der AfD-Vize Alexander Gauland hat Fussballspieler Boateng rassistisch beleidigt und streitet nun alles ab.
Bild: WOLFGANG RATTAY/REUTERS

Wie der AfD-Vizechef Gauland den Fussballer Boateng beleidigte und jetzt alles abstreitet 

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland sagte, niemand wolle neben dem deutschen Fussballnationalspieler Jérôme Boateng wohnen. Ein Sturm der Entrüstung bricht los – und Gauland streitet seine beleidigenden Worte ab. 
29.05.2016, 16:1730.05.2016, 09:34

AfD-Vize Alexander Gauland hat den Fussballnationalspieler Jérôme Boateng beleidigt. Mit den folgenden Worten wird der stellvertretende Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei von der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zitiert: 

«Die Leute finden ihn als Fussballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.»
Alexander Gauland

Der in Berlin geborene Boateng ist der Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters. 

Jérôme Boateng.
Jérôme Boateng.Bild: Witters

Der Deutsche Fussball-Bund reagierte empört. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte der Zeitung, es sei «einfach geschmacklos», die Popularität Boatengs und der Nationalmannschaft «für politische Parolen zu missbrauchen». Boateng sei «ein herausragender Spieler und ein wunderbarer Mensch, der sich übrigens auch gesellschaftlich stark engagiert und für viele Jugendliche ein Vorbild ist».

Die Worte des Nationalmannschaft-Managers Oliver Bierhoff waren ebenso eindeutig: 

«Solche Aussagen bedürfen keiner weiteren Kommentierung, die Personen diskreditieren sich von alleine.»
Oliver Bierhoff
Alexander Gaulands Aussagen stossen auf Empörung.<br data-editable="remove">
Alexander Gaulands Aussagen stossen auf Empörung.
Bild: Getty Images Europe

Jetzt ist auch auf Twitter der Sturm losgebrochen. Sogar AfD-Chefin Frauke Petry distanzierte sich von Gauland:

Und auch der Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) empfand Gaulands Satz als «inakzeptabel». 

Menschen aus ganz Deutschland solidarisieren mit dem deutschen Fussballspieler unter dem Hashtag #boatengsnachbar.

Gauland streitet alles ab

Nun behauptet Gauland, dass er sich an keiner Stelle über Boateng – dessen gelungene Integration und christliches Glaubensbekenntnis ihm aus Berichten bekannt seien – geäussert habe. In der Pressemitteilung vom Sonntag liess er verlauten:

«Ich habe nie, wie die FAS insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten.»
Alexander Gauland

Die Zeitung aber widersprach der Darstellung Gaulands. Die betreffenden Journalisten hätten den AfD-Politiker am Mittwoch zum Gespräch getroffen und seine Äusserungen inklusive der umstrittenen Passage aufgezeichnet: 

«Wie in früheren Gesprächen auch bestand Herr Gauland nicht auf einer Autorisierung von Zitaten. Herr Gauland stufte nur den Teil des Gesprächs, in dem er sich über AfD-Führungspolitiker äusserte, als Hintergrund ein und bat, daraus nicht zu zitieren. Daran hat sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gehalten.»
Stellungnahme der «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung»

Und nochmals schaltete sich die AfD-Parteivorsitzende Frauke Petry ein und entschuldigte sich bei Boateng, wobei sie gegenüber der «Bild»-Zeitung auf die Erinnerungslücken ihres Stellvertreters verwies:

«Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äusserung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist.»
Frauke Petry gegenüber der «Bild»-Zeitung

(rof)

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