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Buckelwal Timmy in der Ostsee: Die Rettungsaktion am Dienstag live

Retterinnen und Retter befinden sich bei Timmy – geht es jetzt los?Video: YouTube/ZDFheute Nachrichten

Die nächste Rettungsaktion geht in die heikle Phase: So soll Timmy abtransportiert werden

28.04.2026, 10:4828.04.2026, 11:14

Wenn es nach der privaten Initiative geht, die versucht den vor Poel liegenden Buckelwal dort wegzubewegen, soll heute ein entscheidender Tag sein. Läuft alles nach Plan, soll der schätzungsweise zwölf Tonnen schwere Meeressäuger nach vier Wochen in einem flachen Seitenarm der Wismarbucht seine Reise Richtung Nordsee antreten – lebend, samt Wasser an Bord eines Lastkahns mit dem normalerweise zum Beispiel Schiffe transportiert werden. Auf Livestreams im Internet war am Morgen zu sehen, dass der Wal kleine Fontänen ausstösst und atmet.

Die Aktion live

Wirtschaft, Walrettung Timmy 21.04.2026, Walrettung Timmy, v.l. Rettungsteam versucht Timmy Hope zu helfen, teilweise wird mit Wasser bespr
Seit vier Wochen steckt der Wal bereits fest.Bild: www.imago-images.de

Aktuell befinden sich mehrere Mitglieder des Rettungsteams bei Timmy und bringen die Schläuche an, mit denen der Wal gezogen werden soll. Bisher hält der Wal still, dennoch befindet sich die Rettungsaktion jetzt in der heiklen Phase. «Bis Sonnenuntergang muss es gelingen, den Wal auf der Barge zu haben», sagt Umweltminister Till Backhaus am Dienstag vor den versammelten Medien. Er stellt sich hinter den Rettungsversuch: «Der Versuch ist es wert.»

Die Tierärzte der privaten Initiative halten das seit vier Wochen in einer flachen Bucht der deutschen Insel Poel vor Wismar festsitzende Tier für transportfähig, wie der Umweltminister des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, in Kirchdorf auf Poel sagte.

Die Regierung des nordostdeutschen Bundeslandes gab zudem grünes Licht dafür, dass Gurte genutzt werden dürfen, um den rund zwölf Tonnen schweren Wal durch eine gebaggerte Rinne zum mit Wasser gefüllten Transportkahn zu führen. Wie die Aktion am Dienstag verläuft, kannst du im oben im Stream live mitverfolgen.

Der Plan

Den Grosswal in die sogenannte Barge zu bekommen, dürfte kniffelig werden. Zunächst wollte das Team das Tier rückwärts mittels einer Plane in diese Art schwimmendes Becken bugsieren. Am Vortag gab die beteiligte Tierärztin Kirsten Tönnies dann eine Planänderung bekannt. Das Tier soll vorwärts mittels eines Gurtes durch eine eigens im flachen Wasser geschaffene Rinne zur und in die Barge gelenkt werden.

26.04.2026, Schleswig-Holstein, Hohenh
Der Lastkahn.Bild: DPA

Der absenkbare Lastkahn, der den Wal aufnehmen soll, war eigens aus der Elbe kommend durch den Nord-Ostsee-Kanal geholt worden. Nach früheren Angaben der Initiative soll ein Schiff die Barge samt Wal in Richtung Skagen zum Eingang der Nordsee bringen. Dafür waren demnach etwa dreieinhalb Tage eingeplant.

Kritik nimmt zu

Wal-Expertinnen und Experten raten seit Längerem von weiteren Rettungsaktionen rund um Timmy ab. So sagte Wal-Experte Fabian Ritter bereits vor einer Woche, dass die Menschen vor Ort die Finger vom Wal lassen sollten. «Der Fakt ist, dass er sich zum fünften Mal eine solche Position aussucht. Das macht er bewusst.» So bleibe er an der Oberfläche und könne weiter atmen.

Am Montag meldete sich auch die Stiftung Deutsches Meeresmuseum mit einer Stellungnahme:

«Das Deutsche Meeresmuseum teilt die emotionale Anteilnahme am Schicksal des Buckelwales vor der Insel Poel. Die wissenschaftliche Institution bekräftigt jedoch ihre Einschätzung, dem Tier die grösstmögliche Ruhe zuteilwerden zu lassen, es ausschliesslich palliativ zu versorgen und von weiteren Manipulationen am Wal abzusehen.»

Die Stiftung rät von einem erneuten Rettungsversuch ab. Niemand wisse, wie der Wal auf den Versuch reagieren wird – und die Erfolgsaussichten seien gering. Diese Haltung wird von diversen renommierten Wal-Forschungszentren geteilt. Dennoch soll am Dienstag die private Rettungsaktion durchgeführt werden.

Was die Tierärztin meint

«Wir versuchen, das so schonend wie möglich zu machen, und das ist nur eine Unterstützung.» Der Wal werde nicht überbeansprucht, versicherte Tierärztin Tönnies vor Ort. Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), die die Initiative unterstützt, sagte, der Wal werde sich «floatend bewegen». Das Tier werde nicht aufliegen. «Er wird über keinen Sand gezogen.»

Dennoch war bis zuletzt offen, ob es überhaupt zu dem Versuch kommt. Bis zum späten Nachmittag des Vortags wurden nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Massnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.

Wie Timmy reagieren könnte

Wie der Wal letztendlich reagiert, könne niemand sagen, hiess es von der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC. Die wenigen vorhandenen Daten wiesen darauf hin, dass Interaktionen mit Menschen bei wildlebenden Gross- beziehungsweise Bartenwalen Stress auslösten.

«In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen würde.» Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

26.04.2026, Mecklenburg-Vorpommern, F�hrdorf (Poel): Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD, l) informiert sich am gestrandeten Buckelwal vor der Insel Poel �ber den Zustand des Tie ...
Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus stieg zu Timmy ins Wasser.Bild: DPA

Wenn der Wal die Energie aufbringe, seien etwa heftigen Flossenschlägen und damit Risiken für das Tier und Einsatzkräfte denkbar. Es könne aber auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfällt, «also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen». Es könne auch schon zu geschwächt sein, um starke Reaktionen zu zeigen. «So könnte es dann wirken, als würde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder über sich ergehen lassen.»

Das Wetter

Sollte der Transport trotz aller Widrigkeiten starten, ist laut Vorhersagen immerhin das Wetter günstig. Richtung Schleswig-Holstein könnte es Dienstag Wind höchstens bis zur Windstärke 4 geben, hiess es vom Seewetteramt des DWD. Der Mittwoch werde in der Region «total schwachwindig», sagte ein Meteorologe. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) werden demnächst zudem keine aussergewöhnlichen Pegelschwankungen vor Poel erwartet. (leo/nil/sda/dpa)

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