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Bewaffneter von Oppenau nach tagelanger Suche in einem Gebüsch gefasst



Die Suche ist vorbei. Der Mann, ein Waffennarr, ein Waldläufer, wie ihn die Ermittler nennen, ist gefasst. Tagelang war der 31-Jährige im Schwarzwald bei Oppenau auf der Flucht vor der Polizei. Vor Hubschraubern mit Wärmebildkameras, Spezialkräften, Suchhunden. Der Mann hatte vier Polizisten bei einer Kontrolle in einer Gartenhütte bedroht, die er illegal genutzt hatte. Er nahm ihnen die Dienstwaffen ab und verschwand im Wald. Spurlos. Jetzt hat die Polizei ihn gefasst.

Spezialkräfte finden ihn am frühen Freitagabend nach einem Hinweis von Zeugen in einem Gebüsch, dort sitzt er, vier Pistolen «sichtbar vor sich hingelegt», wie Einsatzleiter Jürgen Rieger am Abend bei einer Pressekonferenz schildert. Der Mann hat ein Beil auf dem Schoss und einen Brief dabei. Bei der Festnahme wird er leicht verletzt, ebenso wie ein SEK-Beamter. Der genaue Ablauf müsse noch geklärt werden – ob sich der 31-Jährige «leicht gewehrt hat oder aktiven Widerstand geleistet hat», sagt Rieger.

Für den beschaulichen Ort Oppenau endet eine nervenaufreibende Woche. Bürgermeister Uwe Gaiser sagt am Freitagabend: «Ich bin erleichtert, froh und dankbar, dass diese Ausnahmesituation für unsere Stadt beendet wurde.» Auch die Ermittler sind erleichtert, der öffentliche Druck während der Fahndung sei enorm gewesen.

epa08552428 (FILE) An undated handout photo made available by the Offenburg Police shows a mugshot of Yves Etienne Rausch (reissued 17 July 2020). According to media reports, the suspect, who disarmed police officers on 12 July 2020 during a person check, was arrested 17 July 2020.  EPA/POLICE OFFENBURG / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der gesuchte 31-jährige Mann. Bild: keystone

Es ist ein Fall, der seit Tagen die Schlagzeilen bestimmt. Während der Mann spurlos verschwunden scheint, werden mehr und mehr Details über den Vorfall am Sonntagmorgen und den Flüchtigen bekannt. Der 31-Jährige ohne festen Wohnsitz war 2010 zu einer Jugendstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt worden. Er hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Pforzheim im Jahr zuvor mit einer Sportarmbrust auf eine Frau geschossen und diese schwer verletzt.

Ausserdem war er laut der Offenburger Staatsanwaltschaft als Jugendlicher unter anderem wegen Volksverhetzung verurteilt worden. Er habe mit 15 Jahren das Schild eines Jugendwerks durch Entfernen und Hinzufügen von Buchstaben so verändert, dass die Aufschrift die Worte «Juden weg» enthielt. Die Jugendstrafe von acht Monaten mit Bewährung wurde nach einer Phase ohne Vorkommnisse erlassen. Danach habe es keine weiteren Ermittlungsverfahren wegen politisch motivierter Straftaten mehr gegeben.

In der Gartenhütte in Oppenau, in der die jüngsten Ereignisse beginnen, hatte der Mann sich ohne Erlaubnis häuslich eingerichtet – der Besitzer rief die Polizei. Vier Beamte rückten daraufhin am Sonntagmorgen für eine Kontrolle zu der Hütte aus.

epa08545587 German police cars stand for searching for a man armed with knives and pistols in a forest area north of Oppenau near Offenburg, Germany, 14 July 2020. According to the police, the suspect, who disarmed two police officers, is a 31-year-old German who has no fixed abode and lives in an Oppenau forest area. A squad of police dogs is on duty, and the Special Operations Command (SEK) is also on the scene armed with machine guns.  EPA/RONALD WITTEK

Die Polizei rückte mit einem Grossaufgebot aus. Bild: keystone

Was dort geschah, schildern die Ermittler der Öffentlichkeit zwei Tage nach dem Vorfall. Der 31-Jährige habe beim Eintreffen der Beamten hinter einem Tisch gesessen und einen entspannten Eindruck gemacht. In der Hütte befinden sich auch Pfeil und Bogen sowie Munition. Die Situation eskaliert, als die Polizisten ihn auffordern, die Hütte zu verlassen, und ihn durchsuchen wollen. Da habe der Mann plötzlich eine Schusswaffe gezogen und diese auf einen der Beamten gerichtet.

Er fordert die Einsatzkräfte auf, ihre Waffen auf den Boden zu legen, nimmt sie an sich und flieht. Der Ablauf wirft zunächst Fragen auf. Wie können sich die ausgebildeten Polizisten von dem Mann so entwaffnen lassen? Der Offenburger Polizeipräsident Reinhard Renter hat darauf eine klare Antwort. Die Lage sei zumindest für einen Kollegen lebensbedrohlich gewesen, sagt er. Nur durch das besonnene Verhalten der Polizisten habe es keine Verletzten gegeben. Sie hätten alles richtig gemacht.

Psychiatrisches Gutachten nötig

Hunderte Polizisten durchkämmen danach tagelang die Region um Oppenau, Hubschrauber mit Wärmebildkameras sind im Einsatz, Spezialkräfte, Polizeipsychologen. Noch am Freitagnachmittag appelliert Polizeipräsident Renter schliesslich an den 31-Jährigen: «Nehmen Sie Kontakt zu uns auf.» Das könne auch über Freunde oder Familie geschehen. «Das ist ein Weg, gesund für alle herauszukommen.» Nur wenige Stunden später dann die Nachricht: Die Polizei hat den 31-Jährigen vorläufig festgenommen.

An diesem Samstag soll der Mann einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Ermittler wollen ausserdem mehr über den Mann und seine Beweggründe erfahren. Ein Psychiater soll den 31-Jährigen begutachten. Dies sei wegen des «Schwergewichts der Tat» und der Vorgeschichte des Mannes nötig, sagt Oberstaatsanwalt Herwig Schäfer am Freitag. Zudem werde bei ihm eine Blutprobe entnommen, um zu prüfen, ob der Mann «Substanzen, Medikamente oder Rauschmittel» eingenommen hatte. (sda/dpa)

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