International
Deutschland

Wittenberg: «Judensau»-Relief darf an deutscher Kirche bleiben

«Judensau»-Relief darf an deutscher Kirche bleiben – als Mahnmal

14.06.2022, 13:2714.06.2022, 14:59
Mehr «International»

Ein als «Judensau» bezeichnetes Sandsteinrelief darf nach einer Entscheidung des deutschen Bundesgerichtshofs (BGH) an der Fassade der Stadtkirche Wittenberg (Sachsen-Anhalt) bleiben.

File - The so-called 'Judensau' or 'Jew pig' sculpture is pictured on the facade of the Stadtkirche, Town Church, in Wittenberg, Germany, Jan. 14, 2020. The sculpture is located ab ...
Das Relief zeigt eine Sau, an deren Zitzen zwei Menschen saugen, die durch Spitzhüte als Juden markiert sind. Eine laut BGH als Rabbiner geltende Figur hebt den Schwanz des Tieres und blickt in den After. Schweine gelten im jüdischen Glauben als unrein.Bild: keystone

Durch eine in den 1980er Jahren ergänzt Bodenplatte und einen Aufsteller mit erläuterndem Text habe die Kirchengemeinde das «Schandmal» in ein «Mahnmal» umgewandelt, befanden die obersten deutschen Zivilrichterinnen und -richter in ihrem Urteil am Dienstag in Karlsruhe.

Bis Bodenplatte und Aufsteller installiert waren, habe die Abbildung aus dem 13. Jahrhundert «einen das jüdische Volk und seine Religion massiv diffamierenden Aussagegehalt» gehabt und Judenfeindlichkeit und Hass zum Ausdruck gebracht, heisst es im Urteil weiter.

Der Kläger, der nach eigenen Angaben 1978 zum Judentum konvertiert war, wollte, dass die antijüdische Darstellung entfernt wird. Auch in den Vorinstanzen war er gescheitert. «Solange sie an der Kirche ist, ist sie Teil der Verkündigung der Kirche», wurde der Kläger am Dienstag im Deutschlandfunk zitiert.

Der Fall hat Brisanz, denn die rund 100 Kilometer südwestlich von Berlin gelegene Stadt Wittenberg ist das Zentrum der Reformation in Deutschland. An der Stadtkirche predigte der Theologe Martin Luther (1483–1546), und in Wittenberg veröffentliche er 1517 auch seine berühmten 95 Thesen gegen den Ablasshandel der katholischen Kirche. In seiner Hetzschrift «Von den Juden und ihren Lügen» (1543) rief Luther dazu auf, Synagogen zu verbrennen und Juden «aus unserm Lande» zu vertreiben.

(yam/sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Albanerinnen und Albaner beschützten im 2. Weltkrieg Juden und Jüdinnen vor den Nazis
1 / 9
Albanerinnen und Albaner beschützten im 2. Weltkrieg Juden und Jüdinnen vor den Nazis
Drita Veseli (mit einem Bild ihres Mannes Refik Veseli): «Mein Mann war Fotograf. Er erlernte den Beruf als Teenager von einem jüdischen Fotografen namens Moshe Mandil. Die Italiener hatten die Familie Mandil von Priština im Kosovo nach Tirana deportiert. Als die Deutschen Albanien besetzten, bekam mein Mann die Erlaubnis seiner Eltern, alle vier Mitglieder der Familie Mandil und drei der Familie Ben Joseph im Haus seiner Familie in dem Bergdorf Krujë zu verstecken. Alle sieben Juden waren dort bis zur Befreiung.» Foto: Yad Vashem/Norman Gershman ... Mehr lesen
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So erleben junge jüdische Schweizer Antisemitismus
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
3 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3
Nach Fund von Kinderleiche in Niedersachsen – jetzt spricht der Landwirt
Mehr als zwei Monate nach dem Verschwinden des sechsjährigen Arian in Deutschland hat ein Landwirt im Norden Niedersachsens eine Kinderleiche gefunden.

Derzeit lasse sich nicht zweifelsfrei sagen, um wen es sich bei dem gefundenen Kind handele, teilte die Polizei am Dienstag mit. Die «Ermittlungsgruppe Arian» halte aber einen Zusammenhang mit dem verschwundenen Sechsjährigen für wahrscheinlich.

Zur Story