International
Gesellschaft & Politik

Von wegen «fake» CNN-Wahlumfragen – diese 7 Polls dürften Trump ärgern

Von wegen «Fake»-CNN-Wahlumfragen – auch diese 7 Polls dürften Trump ärgern

Zuerst die fatale Coronakrise, jetzt die Proteste gegen Polizeigewalt: Die USA sind in Aufruhr. Und es wird noch hektischer – im November findet die US-Präsidentschaftswahl statt. Wer hat dabei die Nase vorn?
11.06.2020, 19:1812.06.2020, 11:25

CNN veröffentlichte kürzlich neue Umfrageergebnisse, die schlecht für Trump aussehen. Ganze 14 Prozent liegt er hinter seinem demokratischen Rivalen. Die Umfrage erzürnte den amerikanischen Präsidenten so sehr, dass gar rechtliche Schritte gegen CNN angedroht wurden – die Zahlen seien zwecks Wählermanipulation verändert worden.

Ist da was dran? Wir haben die neuesten Umfragen aus dem Juni zusammengetragen. So sieht's aus:

Ipsos/Reuters

  • Datum: 08.09 bis 09.09.
  • Samplegrösse: 931 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: B-
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Die Umfrage von Ipsos gibt aber noch weitere interessante Einblicke in das Denken der US-Wähler. So ist derzeit das wichtigste Problem nach Ansicht der US-Amerikaner der Zustand der Wirtschaft, gefolgt vom Gesundheitswesen (beide knapp über 20 Prozent). Auf dem dritten Platz ist die Arbeitslosigkeit (um die 10 Prozent) und erst abgeschlagen bei fünf und weniger Prozent Immigration und Terrorismus. Hier liegt wohl Trump leicht im Vorteil: über 50 Prozent finden, dass Trump der Wirtschaft und den Arbeitslosenzahlen gut tut.

Economist/YouGov

  • Datum: 07.06. bis 09.06.
  • Samplegrösse: 1241 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: B
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

CNN

  • Datum: 02.06. bis 05.06
  • Samplegrösse: 1125 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: B+
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Diese Umfrage hat Trump besonders genervt: Sie sieht Biden ganze 14 Prozent im Vorsprung.

NPR/PBS/Marist

  • Datum: 02.06 bis 03.06.
  • Samplegrösse: 958 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: A+
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Emerson

  • Datum: 02.06 bis 03.06.
  • Samplegrösse: 1431 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: A-
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Die Umfrage von Emerson fand zusätzlich ein paar interessante Punkte: Trotz der Führung von Biden gehen die meisten davon aus, dass Trump gewinnt (53 Prozent). Zusätzlich hat Trump die überzeugteren Fans: 69 Prozent gaben an, dass sie sehr begeistert seien, Trump zu unterstützen – bei Biden sind es 55 Prozent.

IBD/TIPP

  • Datum: 31.05. bis 03.06.
  • Samplegrösse: 964 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: A/B
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

NBC News/Wall Street Journal

  • Datum: 28.05. bis 02.06.
  • Samplegrösse: 1000 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: A-
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Fox News

  • Datum: 17.05. bis 20.05.
  • Samplegrösse: 1207 registrierte Wähler
  • Qualität der Umfrage*: A-
  • Quelle: Hier geht's zum Link.

Obwohl ein bisschen älter als der Rest der Umfragen, haben wir der Vollständigkeit halber auch das Poll von Trumps (Ex-?)Lieblingssender eingebettet.

*Die Bewertung der Qualität der Umfragen gibt die amerikanische Nachrichtenseite FiveThirtyEight vor und reicht von A+ bis F. Hier geht's zu den Ratings.

Wie beliebt ist eigentlich Trump?

Die Zustimmung zur Politik von Präsident Trump litt in den Monaten merklich. Allerdings sind die Zustimmungswerte nicht so übel wie etwa im Dezember 2017, als Trumps ehemaliger Sicherheitsberater Michael Flynn im Zuge der Russland-Affäre ein Geständnis ablegte. Damals lagen seine Zustimmungswerte bei nur 37 Prozent.

Die Coronakrise und die Unruhen rund um die Proteste gegen Polizeigewalt haben aber auch einen sichtbaren Einfluss, derzeit liegt die Zustimmung zu Trump bei 41,1 Prozent.

Das muss aber nicht zwingend viel bedeuten, auch Obamas Zustimmungswerte und diejenigen von Bush Jr. waren zum selben Zeitpunkt ihrer Präsidentschaft unter 50 Prozent – und sie wurden trotzdem im darauffolgenden Herbst gewählt. Clinton und Reagan waren über 50 Prozent und wurden wiedergewählt.

Sollten Trumps Werte aber noch weiter sinken, sollte er sich langsam ernsthaft Sorgen machen: Bush Senior und Jimmy Carter hatten nur leicht tiefere Werte und erreichten keine zweite Amtszeit.

Wer die Daten genauer anschauen will: Hier sind sie interaktiv aufgearbeitet.

Biden vs. Trump während der letzten Monate

Die Veränderung zwischen März und Mai.
Die Veränderung zwischen März und Mai.screenshot: new york times

Was ebenfalls derzeit klar zu sehen ist: Joe Biden ist im Momentum. Gemäss dem Durchschnitt der letzten Polls führt er etwa 10 Punkte vor Trump, ein Anstieg um vier Punkte, schreibt etwa die New York Times. Die renommierte Zeitung weiter:

«Die Welle neuer Umfragen zeigt, dass Joe Biden auf nationaler Ebene eine bedeutende Führungsrolle innehat, was ihn in eine stärkere Position versetzt, einen amtierenden Präsidenten zu stürzen, als jeder andere Herausforderer seit Bill Clinton im Sommer 1992.»

Was die neuesten Polls aber auch zeigen: Die Wähler wollen nicht primär Joe Biden als Präsidenten – sie wollen einfach nicht noch einmal vier Jahre Trump. Und dennoch: Der letzte Wahlkampf zeigte eindrücklich, dass man gute Poll-Werte nicht automatisch in einen Sieg ummünzen kann.

Wer wird im November 2020 zum Präsidenten gewählt?
An dieser Umfrage haben insgesamt 2845 Personen teilgenommen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Karikaturisten dieser Welt zu Trumps Wahl
1 / 16
Die Karikaturisten dieser Welt zu Trumps Wahl
Trump gewinnt die Wahl zum Präsidenten: Seine Gegner rannten bei ihm gegen eine Wand. Bild: Ben Garrison für GRRRGRAPHICS.com
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump lässt Demonstranten mit Tränengas vertreiben
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
US-Militär greift Boot in Pazifik an – 5 Tote
Zum wiederholten Male hat das US-Militär nach eigenen Angaben ein Drogenschmuggler-Boot im östlichen Pazifik angegriffen und dabei fünf Menschen getötet. Geheimdienstinformationen hätten bestätigt, dass das Schiff «aktiv» am Drogenhandel beteiligt gewesen sei, teilte das für die Region zuständige Militärkommando Southcom auf X mit. In dem Beitrag war ein Video zu sehen, dass den Angriff auf das Schnellboot zeigen soll. Die Angaben liessen sich nicht unabhängig überprüfen.
Zur Story