International
Donald Trump

Epstein-Files: Es werden immer mehr. Weniger als 1 Prozent publik

Epstein-Files: Es werden immer mehr. Weniger als 1 Prozent veröffentlicht

07.01.2026, 18:3307.01.2026, 18:33

Nach einer Odyssee von mehreren Monaten unterzeichnete US-Präsident Donald Trump am 19. November den «Epstein Files Transparency Act». Damit verpflichtete sich die US-Regierung, innerhalb von 30 Tagen sämtliche Files im Zusammenhang mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Am 19. Dezember war es dann so weit: Das Justizdepartement (DOJ) schaltete ein Online-Tool frei, mit dem 12'285 Dokumente durchsucht werden konnten. Viele davon waren bis zur kompletten Unverständlichkeit geschwärzt worden.

Bereits damals wurde Kritik laut. Vor allem Justizministerin Pamela «Pam» J. Bondi stand im Schussfeld der Kritiker. Diese sind bis heute nicht verstummt. Im Getöse des aussenpolitischen Tsunamis, das zu Beginn des Jahres über die USA und die Welt hereinbrach, gingen ihre Rufe allerdings unter.

Vorgeworfen wird Bondi neben Inkompetenz primär Verschleierung und selektiver Schutz. Die jüngsten Entwicklungen haben ihre Lage nicht entschärft.

Ausgerechnet an Heiligabend, dem Tag, an dem mutmasslich die wenigsten Journalisten arbeiten – und die wenigsten US-Bürger Nachrichten konsumieren –, verkündete das Justizministerium den Fund einer weiteren Million Epstein-Dokumente. Kurz darauf berichtete die New York Times, die Sichtung sei auf 5,2 Millionen Seiten (man beachte den Unterschied von «Seite» und «Dokument») ausgeweitet worden. PBS spricht gar von 5,2 Millionen Files.

In einem Schreiben an den verantwortlichen Richter Engelmayer hiess es am 5. Januar von Seiten des Justizministeriums nun plötzlich, das DOJ sei daran, mehr als zwei Millionen Dokumente zu prüfen. Dafür seien 400 Anwälte und über 100 speziell ausgebildete FBI-Agenten im Einsatz.

Die Akten müssen wegen des Opferschutzes geprüft werden – und wegen der Staatssicherheit. Der «Epstein Files Transparency Act» fordert aber explizit, dass bei der Schwärzung von Text- und Fotopassagen keine Rücksicht auf Reputationsschäden von Politikern und bekannten Persönlichkeiten genommen werden darf.

Pages that show New York grand jury subpoenas being issued into the Jeffrey Epstein and Ghislaine Maxwell investigation, then pages of redactions that follow, in this document released by the U.S. Jus ...
Geschwärzte Epstein-Files.Bild: keystone

Gegenüber Richter Engelmayer schreibt das DOJ, die Anwälte und das FBI-Personal seien «rund um die Uhr» im Einsatz. Die Kapazität der Behörde sei damit ausgelastet. Das wird eine Weile noch so bleiben. Die 12'285 veröffentlichten Dokumente entsprechen nicht einmal einem Prozent von 2 Millionen mutmasslichen Epstein-Akten (0,61 Prozent). Arbeiten die professionellen Schwärzer in demselben Tempo weiter wie bisher, dauert es (im Fall von zwei Millionen Akten) noch fast 163 Monate – über 13 Jahre – bis sämtliche Akten freigegeben werden.

Dies stösst den Initianten des Epstein-Gesetzes sauer auf. Der Hauptanstoss ihres Ärgers ist weniger das langsame Tempo der Veröffentlichung; Ro Khanna, ein demokratischer Abgeordneter aus Kalifornien, kritisiert gegenüber CNN einen anderen Punkt: «Wir möchten, dass vor allem die Aussagen der Überlebenden gegenüber dem FBI veröffentlicht werden. In diesen nennen sie die Namen von anderen reichen und mächtigen Männern, die sie missbraucht oder die Verbrechen vertuscht haben. Und wir möchten die Entwürfe der Strafverfolgungsmemos einsehen, in denen erklärt wird, warum so viele Männer an der Vertuschung und dem Missbrauch beteiligt waren.»

letter epstein nassar
Der angeblich gefälschte Brief von Jeffrey Epstein, der trotzdem in den Akten des DOJ auftauchte. Geschrieben wurde er angeblich kurz vor Epsteins Tod im Gefängnis.Bild: DOJ

Als Ex-Maga-Vorzeigefrau Marjorie Taylor Greene drohte, Namen aus den Files zu nennen, wurde sie laut eigenen Aussagen von Donald Trump angeschrien: «Meinen Freunden wird es an den Kragen gehen!», soll er sie am Telefon zurechtgewiesen haben. Greene ist mittlerweile aus dem Kongress zurückgetreten.

Taktisch klug ebenfalls über die Feiertage wurde eine zweite Tranche Epstein-Files veröffentlicht. Sie beinhalten unter anderem eine Aussage, Donald Trump und Jeffrey Epstein hätten zusammen eine Frau vergewaltigt. Die betroffene Frau wurde, nachdem sie sich bei der Polizei gemeldet hatte, erschossen aufgefunden. Ein Suizid sei ausgeschlossen.

trump epstein files rape
Bild: screenshot DOJ

Des Weiteren finden sich in den Unterlagen ein Brief von Jeffrey Epstein an einen anderen Sexualstraftäter, indem er erwähnt, dass auch Donald Trump ihre Liebe zu jungen Mädchen teile. Das DOJ nannte das Schreiben eine Fälschung. Die Handschrift entspreche nicht derjenigen von Epstein.

Ähnlich reagierte die Sprecherin des Weissen Hauses auf eine Recherche des «Wall Street Journals». Das konservative Traditionsblatt hatte mit diversen ehemaligen Mitarbeiterinnen von Mar-a-Lago gesprochen. Trumps Privatclub wird dabei als Rekrutierungsstätte für Jeffrey Epstein dargestellt. Junge weibliche Spa-Mitarbeiterinnen wurden für Maniküren, Massagen und «andere Dienstleistungen» zu Epsteins nahegelegener Villa geschickt. Dabei hätten sich die Mar-a-Lago-Mitarbeiterinnen gegenseitig vor Epstein und seinen Übergriffen gewarnt. Auch sein bekanntestes Opfer, Victoria Giuffre, geriet über ihren Job in Mar-a-Lago in seine Fänge. Sie wurde gleich bei ihrem ersten Rencontre mit ihm vergewaltigt. Giuffre nahm sich 2025 das Leben. Ihre Memoiren erschienen posthum.

Die Sprecherin des Weissen Hauses, Karoline Leavitt, beschuldigte das «Wall Street Journal», Falschmeldungen zu verbreiten.

Es wird erwartet, dass das DOJ frühestens am 20. Januar neue Epstein-Akten freigibt.

Trump hat Angst vor Impeachment – und lügt über Briefwahl

Video: watson/Lucas Zollinger
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
1 / 6
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das ist die Rhetorik zwischen Donald Trump und Gustavo Petro
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
57 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Wurstgesicht
07.01.2026 18:38registriert Dezember 2018
Was braucht es Heute, damit solchen Personen der Prozess gemacht wird?
1406
Melden
Zum Kommentar
avatar
DasUrmel
07.01.2026 18:51registriert Oktober 2023
Das klingt ja beinahe so wie wenn DJT jeweils den ersten f... wollte. Hoffentlich gelingt die Verzögerungs- und Verschleierungstaktik nicht. Leider sieht es so aus wie wenn die Schweinebacke abtritt bevor er verurteilt wird -.-
894
Melden
Zum Kommentar
avatar
Jacques #23
07.01.2026 22:24registriert Oktober 2018
Da ist ausserdem noch eine 8.5h Befragung von Jack Smith zu January 6th, die lustigerweise an Sylvester veröffentlicht wurde.

Ohne jeden Zweifel beweisbar ist Trump willentlicher Verursacher dieses Aufstands um mutwillig die Macht an sich zu reissen.
612
Melden
Zum Kommentar
57
Grateful-Dead-Gitarrist Bob Weir mit 78 Jahren gestorben
Der Gitarrist der legendären Rockband Grateful Dead, Bob Weir, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.
Die Nachricht über den Tod des Gründungsmitglieds wurde auf seinem offiziellen Instagram-Account, der Plattform X und auf seiner Webseite veröffentlicht. Weir sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben, hiess es in der Mitteilung. Nach einem «mutigen» Kampf gegen Krebs sei er einer Lungenerkrankung erlegen, wird in dem Posting ausgeführt. Laut der «Los Angeles Times» bestätigte die Familie den Tod des Musikers gegenüber der Zeitung.
Zur Story