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Der Meningitis-Ausbruch im englischen Kent sorgt für Beunruhigung

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Starke Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Symptomen einer Meningitis.Bild: www.imago-images.de

Meningitis-Ausbruch in England: Das musst du über die Erkrankung wissen

Eine Meningitis-Welle im englischen Kent sorgt für grosse Beunruhigung in der britischen Bevölkerung. Zwei Menschen sind bereits an der Hirnhautentzündung gestorben, weitere 20 sind infiziert. Was das bedeutet und wie man sich schützen kann, liest du hier.
20.03.2026, 20:4020.03.2026, 20:40
Melanie Köppel / watson.de

Ein lustiger Abend im Club endete für einige Engländerinnen und Engländer im absoluten Gesundheitschaos: Im Nachtclub «Chemistry» in Canterbury soll Anfang März der gefährliche Erreger durch engen Kontakt, geteilte Gläser oder Vapes schnell übertragen worden sein.

Die Folge: Zwei tote Menschen und weitere 20 infizierte. Die Dunkelziffer könnte um einiges höher sein, der britische Premierminister Keir Starmer ruft persönlich die Bevölkerung auf, sich zu melden, falls man sich in der besagten Zeit in diesem Club aufgehalten hatte.

Was ist Meningitis überhaupt, warum ist eine Infektion so gefährlich und wie ist die Situation in Deutschland? Watson hat alle Infos im Überblick.

Was ist eine Meningitis?

Eine Meningitis (Hirnhautentzündung) ist eine Entzündung der schützenden Häute von Gehirn und Rückenmark. Greift sie auch auf das Gehirn über, spricht man von einer Meningoenzephalitis, wie das Gesundheitsmagazin der AOK berichtet.

Häufige Auslöser sind Viren (genannt virale Form), während bakterielle Infektionen (genannt bakterielle Form) seltener, aber deutlich gefährlicher sind. Typische bakterielle Erreger sind Pneumokokken, Haemophilus influenzae und vor allem Meningokokken, die zusätzlich eine lebensbedrohliche Blutvergiftung auslösen können.

Laut einem Bericht des Tagesspiegel führten Bakterien vom Typ Neisseria meningitidis zur Infektionswelle in England.

Kann man eine Meningitis überleben?

Grundsätzlich ja, jedoch hängt die Sterblichkeitsrate stark vom Erreger und der Zeit des Behandlungsbeginns ab. Bakterielle Meningitis ist ein lebensbedrohlicher Notfall mit bis zu 30 Prozent Sterblichkeit trotz Therapie, während virale Formen meist gut ausheilen.

Ist Meningitis ansteckend?

Wie der aktuelle Fall in England zeigt, kann Meningitis sehr ansteckend sein, besonders die bakterielle Form.

Sie überträgt sich meist durch Tröpfcheninfektion, wie Husten, Niesen und Küssen oder Schmierinfektion, wie beispielsweise über Gläser oder Oberflächen.

Wer erkrankt an Meningitis?

Grundsätzlich kann jede:r an einer Meningitis erkranken, besonders betroffen sind jedoch Säuglinge und Kleinkinder mit noch unreifem Immunsystem sowie Jugendliche und junge Erwachsene, die durch engen sozialen Kontakt ein höheres Ansteckungsrisiko haben, wie die WHO berichtet.

Auch ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem sind anfälliger, während ein fehlender Impfschutz das Risiko zusätzlich erhöht.

Wie macht sich eine Meningitis bemerkbar?

Eine Meningitis macht sich oft durch plötzlich auftretende, starke Symptome bemerkbar. Typisch sind hohes Fieber, sehr starke Kopfschmerzen und ein steifer Nacken, sodass Betroffene den Kopf kaum nach vorn beugen können.

Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl dazu. In schweren Fällen können auch Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder Hautveränderungen auftreten, besonders bei einer bakteriellen Meningitis, die schnell lebensbedrohlich werden kann.

Bei Säuglingen zeigen sich die Symptome oft unspezifischer, etwa durch Trinkschwäche, Reizbarkeit oder eine gespannte Fontanelle.

Wo im Kopf tut es bei einer Hirnhautentzündung weh?

Meningitis-Kopfschmerzen sind meist plötzlich einsetzend, sehr stark und oft pochend. Sie betreffen in der Regel den ganzen Kopf, strahlen häufig in den Nacken aus und gehen mit einer schmerzhaften Nackensteifigkeit einher (Meningismus).

Auffällig ist, dass Betroffene das Kinn kaum auf die Brust legen können und sich die Schmerzen bei Bewegung deutlich verstärken.

Wie lange dauert eine Meningitis?

Die Dauer einer Meningitis hängt stark von der Ursache ab: Eine virale Meningitis verläuft meist milder und klingt oft innerhalb von ein bis zwei Wochen ab. Eine bakterielle Meningitis ist deutlich schwerer und muss sofort im Krankenhaus behandelt werden.

Hier kann die Erkrankung mehrere Wochen dauern, und auch danach sind längere Erholungszeiten möglich. Entscheidend ist in jedem Fall eine schnelle Diagnose und Behandlung, da sich der Verlauf sonst schnell verschlechtern kann.

Wann muss man bei Meningitis ins Krankenhaus?

Laut infektionsschutz.de gilt schon bei dem Verdacht auf eine Meningokokken-Infektion: sofort ins Krankenhaus.

Treten plötzlich Symptome wie hohes Fieber, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen oder weitere typische Warnzeichen auf, sollte umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, da sich der Zustand schnell lebensbedrohlich verschlechtern kann.

Welche Spätfolgen hat eine Hirnhautentzündung?

Langzeitfolgen einer Meningitis treten bei etwa 10 bis 20 Prozent der Überlebenden auf, besonders nach schweren bakteriellen Verläufen. Häufige Folgen sind Hörverlust bis hin zur Taubheit, Krampfanfälle (Epilepsie), kognitive Einschränkungen wie Lern- und Gedächtnisprobleme, Lähmungen sowie Veränderungen der Persönlichkeit.

In besonders schweren Fällen, etwa bei einer Meningokokken-Sepsis, kann es zudem zu Gewebeschäden kommen, die sogar Amputationen notwendig machen.

Wie kann man sich vor Meningitis schützen?

Der wichtigste Schutz vor Meningitis ist die Impfung, insbesondere gegen bakterielle Erreger wie Meningokokken, Pneumokokken und Haemophilus influenzae Typ B, die schwere Verläufe auslösen können.

Zusätzlich helfen allgemeine Hygienemassnahmen wie regelmässiges Händewaschen, Abstand zu Erkrankten und das Vermeiden von engem Kontakt bei Infektionen, um das Ansteckungsrisiko zu senken.

Da viele Erreger über Tröpfcheninfektionen übertragen werden, ist auch ein vorsichtiger Umgang während Erkältungsphasen sinnvoll. Bei bestimmten Risiken, etwa nach engem Kontakt mit Erkrankten, kann zudem eine vorbeugende Antibiotikabehandlung notwendig sein.

Wie schnell wirkt die Meningitis-Impfung?

Der Impfschutz gegen Meningitis baut sich nicht sofort auf: In der Regel beginnt das Immunsystem innerhalb weniger Tage zu reagieren, ein verlässlicher Schutz besteht aber meist erst nach etwa ein bis zwei Wochen.

In der aktuellen Situation im englischen Kent wird deshalb auf eine Kombination aus prophylaktischen Antibiotika und einer Impfung gesetzt.

Je nach Impfstoff sind zudem mehrere Dosen nötig, bis der vollständige Schutz erreicht ist, besonders bei Säuglingen. (fwa)

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